Die Agoraphobie ist eine unbestimmte Phobie, die die Angst beschreibt an einem Ort zu sein, von dem es keinen Ausweg gibt. Häufig wird sie mit der bekannteren Platzangst (Klaustrophobie) verwechselt. Erkrankte Personen meiden dann tägliche öffentliche Plätze von denen sie glauben, sie könnten eine Gefahr ohne Ausweg darstellen. Es werden häufig aufgrund ähnlicher Symptomatik Bezüge zur Depression, Soziophobie und Klaustrophobie gezogen, was jedoch klar von diesen Erkranken abgegrenzt werden muss, da die Agoraphobie sehr speziell ist: Die Angst aus einer Situation nicht entkommen zu können, während bei Depression und Soziophobie eher die Angst zu Versagen wirkt.

Ursachen einer Agoraphobie

Eine Agoraphobie entsteht meist etappenweise in der sie sich immer mehr in den Alltag des Erkrankten einschleicht. Erste Panikattacken entstehen an gewohnten Orten, der potentiell Erkrankte denkt sich nichts weiter dabei, kann aber bereits vorher Attacken gehabt haben.

Die betroffene Person bildet in Folge weiterer Attacken eine allgemeine Bereitschaft zur Panik aus. Die Person bemerkt jedoch, dass nach Verlassen oder Abschluss der Situation das Allgemeinwohlbefinden wieder einsetzt. Aufgrunddessen wird jede weitere und ähnliche Situation vermieden, die das Angstgefühl ausgelöst hat. Hatte man Angst vor der U-Bahn weitet sich dies auf den Busverkehr aus, als Beispiel.

Im letzten Stadium der Ausbildung schafft es der Erkrankte nur noch durch persönliche Anker und Hilfsmittel die Außenwelt zu betreten. Das können positiv einwirkende Umstände wie Freunde und Familie sein, aber auch die Flucht in Lügen, Vertuschungen, Alkoholismus zu Zwecken der Entnüchterung sind bekannt. Der Agoraphobiker wird sowohl vom Vermeidungsverhalten als auch von diesen Signalfaktoren abhängig.

Symptome einer Agoraphobie

Personen mit Agoraphobie bekommen sofort Angstzustände in bestimmten Situationen oder Orten. Die Häufigkeit der Panikattacken ist bei unbekannten Orten am größten, da die ureigene Ungewissheit mit hineinspielt. Der Erkrankte verspührt dann die Angst niemanden oder etwas vertrautes vorzufinden und keine Ausweichmöglichkeit aus dieser Situation zu haben. Gefühle des Ausgeliefertseins spielen in den Angstzustand hinein. Folgesymptome des allgemeinen Angstgefühls sind unter anderem: Schwindel, Ohnmacht, Übelkeit, Desorientierung, Herzrasen, Verzerrung der Wirklichkeit.

Agoraphobie: Angst vor dem Kontrollverlust

Agoraphobie: Angst vor dem Kontrollverlust (© Pierre-Marc ALLART – Fotolia.com)

Kernpunkt der Phobie ist die Angst vor einem möglichen Kontrollverlust über die aktuelle Situation des Erkrankten. Dabei ist der Angstzustand derart immanent, dass die betroffene Person weder auf logische Argumente zugänglich ist noch sich selbst ab einem bestimmten Punkt unter Kontrolle hat. Ein typische Folgeverhalten des Erkrankten sind Ausweichmechanismen Situationen und Orte geschickt vermeiden zu können, wollen oder müssen. Der Agoraphobiker entkommt damit zwar potentiell seinem Leiden, lernt jedoch nie, dass diese Form der Angst meist völlig unbegründet ist und es diese zu überwinden gilt. Im schlimmsten Fall gerät der Erkrankte in eine Spirale, die ihn immer mehr in die Phobie hineinzieht, da er der Phobie in seinem Alltag immer mehr Platz einräumt.

Diagnose & Verlauf der Agoraphobie

Die Diagnose einer Agoraphobie ist häufig schnell getan, da die speziellen Symptome klar von Depression und Soziophobie abgrenzbar sind. Im Verlauf der Erkrankung wird sich der Phobiker immer mehr vom alltäglichen Leben zurückziehen und auf Hilfe angewiesen sein, um doch überhaupt das Haus verlassen zu können. Die Agoraphobie wird für den Erkrankten der zentrale Punkt im Leben einnehmen.

Da der Agoraphobiker wohl seine Situation erkennt, schwindet auch die allgemeine Lebenshoffnung, was recht schnell zu einer ausgeprägten Depression und Hilflosigkeit führt. Es besteht dann akuter Handlungsbedarf, da der Erkrankte tatsächlich nicht aus eigenen Kräften der Phobie entkommt.

Behandlung & Therapie der Agoraphobie

Nicht selten kann ein Agoraphobiker monate- oder jahrelang mit seiner Phobie leben, irgendwann ist jedoch der Punkt erreicht an dem die Person kaum mehr allein lebensfähig ist. Ein konsequenter und kompetenter Psychater oder Psychotherapeut wird dem Erkrankten klar vor Augen führen, dass er sich letztlich seiner Angst zu stellen hat.

Das Aufzeigen der teils heftigen Symptomatik soll dem Phobiker den anormalen Lebensverlauf aufzeigen und zur Änderung zwingen. Man spricht bei dieser Therapie von einer Konfrontationstherapie. Sie kann in zwei Arten angewandt werden. Entweder wird der Arzt den Patienten über längere Zeit immer mehr Stress aussetzen, bis dieser den Zustand überwinden kann oder ihn direkt mit einer totalen Reizüberflutung behandeln. Alle Behandlungen dürfen nur unter strenger ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.

Die totale Reizüberflutung eignet sich besonders bei Personen, die einst eher mutig und lebenslustig galten, während die erste Methode eher für introvertierte Menschen bevorzugt angewendet wird. Der erste großte Schritt für den Phobiker ist die offene Akzeptanz seiner eigenen Erkrankungen, sonst ist jede Therapie sinnlos.

Prophylaxe

Eine Prophylaxe fällt relativ schwer, denn praktisch jeder kann unter Phobien und der Agoraphobie leiden. Selbst gefestigte, mutige Charaktere sind schon oft an der heimtückischen Phobie ohne Vorzeichen erkrankt. Es gibt ein sich einige Techniken und Gedanken, die vor und während einer Agoraphobie helfen können.

Man sollte sich absolut klar machen, dass man ansonsten ja kerngesund ist, man also sehr wohl sich aus brenzligen Situationen heraushelfen kann. Positive Gedanken, viel soziale Interaktion, gesunde Ernährung und ein ausgefüllter Alltag sind weitere Mittel eine Agoraphobie gar nicht erst entstehen zu lassen. Man sollte sich sogar für große und auch kleinere Erfolge selbst belohnen. Auch das (gemeinsame) Erforschen und Überwinden eigener Ängste, die nichts mit einer Agoraphobie zu tun haben müssen, festigen den Charakter

Medikamente gegen eine Agoraphobie

Eine Medikamentierung ist nur in begrenzten Maßen und nur unterstützend ratsam. Einen Patienten mit Psychopharmaka zu überschütten, ist keine dauerhafte Lösung. Sanfte Beruhigungsmittel und eine ausgewogene Ernährung sollten den Therapieprozess unterstützen, eine Medikamentierung jedoch nicht die eigentliche Therapie überlagern.