Eine Azidose ist eine Übersäuerung des menschlichen Körpers. Sie entsteht durch einen gestörten Säure-Base-Haushalt, wenn der pH-Wert des Blutes durch ausgefallene Säurepuffersysteme unter einen Wert von 7 sinkt. Folgen einer akuten Azidose sind Herz-Kreislaufbeschwerden, Atemnot, starker Harndrang, Verfärbung bestimmter Körperstellen ins Bläuliche, Blutgefäßschädigung, Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz und niedriger Blutdruck.

Ursachen einer Azidose

Die Ursachen für eine Übersäuerung können vielfältig sein. Der Körper kann entweder atmungs- (respiratorische Azidose) oder stoffwechselbedingt (metabolische Azidose) übersäuert sein.

Liegt eine respiratoische Azidose vor ist die Lungenfunktion beeinträchtigt. Der Erkrankte atmet zu wenig Kohlendioxid aus, was sich in Folge dessen als Bikarbonat im Körper ansammelt und übersäuernd wirkt. Lungenerkrankungen, die zu einer begleitenden Azidose führen können, sind: Lungenfibrosen, Asthma und Lungenemphyseme. Aber auch Unfälle wie Rippenbrüche können die Lungenfunktion beeinträchtigen.

Bei einer metabolischen Azidose leidet der Patienten an zu sauren Stoffwechselprodukten im Blut, die die Säurepuffermechanismen überlasten und schließlich den Körper übersäuern. Alkoholismus, Diabetes, schwere körperliche Arbeit, Hunger- und Durstperioden und andere physisch zehrenden Beeinträchtigungen können zu einer metabolischen Azidose führen. Als Unterformen sind noch die Retentionsazidose und die Subtraktionsazidose bekannt. Erstere Unterform wird durch eine Nierenunterfunktion bedingt, zu wenig Säuren werden ausgeschiedne. Die zweite Unterform wird durch übermäßiges Ausscheiden von Basen verursacht.

Symptomatik einer Azidose

Wie sich eine Azidose symptomatisch äußert, hängt primär von der Ursache der Übersäuerung ab. Leidet der Patient unter einer respiratorischen Azidose gehen Sauerstoffunterversorgung (Verfärbung von Lippen und Gesicht) Hand in Hand mit Schwindel , Desorientierung und im schlimmsten Fall zum Koma führen. Sofern die Nieren gesund sind, versuchen sie durch starken Harndrang übermäßige Säuren auszuscheiden.

Die seltenere metabolische Azidose äußert sich anders. Hier versucht der Körper durch intensivere Atmung überschüssiges Kohlendioxid auszuatmen, liegt eine Stoffwechselerkrankung wie Diabetes zu Grunde kann ein starker Aceton-artiger Atem ein starkes Indiz auf diese Azidoseform sein. In beiden Fällen ist sowohl Stoffwechsel als auch Herz-Kreislauf-System stark betroffen. Die Herz- und Gefäßleistung ist gesenkt und kann bis zu dauernder Bewusstlosigkeit führen.

Diagnose & Verlauf einer Azidose

Kommt der Arzt aufgrund charakteristischer Symptome wie Hyperventilation und Lippenfärbung zur ersten Vermutung einer Azidose wird eine Blutgasanalyse durchgeführt. Der Arzt ermittelt damit den pH-Wert des Blutes sowie dessen beinhaltende Gasverteilung. Danach kann der Arzt auch feststellen um welche Art Azidose es sich handelt, indem er die Partialdruckwerte des Kohlendioxids (hohe Druckwerte weisen auf respiratorische Azidose hin) im Blut auswertet oder bereits äußere Einflüsse wie Rippenbrüche feststellt.

Der Verlauf einer Azidose hängt maßgeblich davon ab, wie früh diese erkannt und dadurch behandelt wird. Je eher der Säure-Base-Haushalt des Betroffenen dauerhaft wieder reguliert wird, desto besser der Heilungsprozess. Denn müssen die Säurepuffersysteme des Körpers ohne Unterlass regulierenden wirken, ohne das Besserung eintritt, lagern sich Nebenprodukte wie Salze und Phosphate (aus den Knochen) ab, um dem Säureüberschuss entgegenzuwirken. Über längere Zeit kann das zu Knochenschwund führen. Unbehandelte Azidosen führen im weiteren Verlauf zu starken oft chronischen Schmerzen, Herzerkrankungen, rheumatische Erkrankungen, Gicht und Migräne.

Behandlung und Therapie

Eine ordnungsgemäße Therapie verfolgt zwei Ziele. Zum einen die unmittelbare Ursache der Azidose zu bekämpfen und zum anderen Linderung und Behandlung der akuten Symptome zu spenden.

Leidet der Patient unter einer respiratorischen Azidose wird versucht das Atemverhalten zu verbessern, damit mehr Kohlendioxid abgeatmet werden kann. Es bleibt auch nicht aus den Betroffenen künstlich beatmen zu müssen, sofern eine akute Hypoxie zugrunde liegt.

Bei einer metabolischen Azidose wird der Patient mit einer Säurespiegel senkenden Bikarbonatinfusion behandelt. Das sind Infusionen mit bekannten Mineralen wie Natriumchlorid, Natriumhydrogencarbonat oder anderen Carbonaten. Bikarbonate können auch in Form von Tabletten aufgenommen werden. Ist der Erkrankte Diabetiker sollte die Bikarbonatinfusion nur sparsam eingesetzt werden, da hier eine Insulininfusion effektiver ist, um den Stoffwechsel wieder anzugleichen.

Prophylaxe

Eine Lebensweise und Ernährung die Grunderkrankungen wie Lungen- und Atemeinschränkungen oder Stoffwechselerkrankungen (Diabetes) hemmen und verhindern, wird empfohlen. Abwechslungsreiche, gehaltvolle Ernährung und viel Bewegung sind für einen gesunden Stoffwechsel sehr förderlich. Es sollte viel Flüssigkeit getrunken werden und Alkohol nur in Maßen genossen werden. Vollständiger Verzicht aller weichen und harten Drogen, selbst Zigaretten, da alle diese Substanzen den Stoffwechsel durcheinanderbringen.

Medikamentierung & sonstige Mittel gegen Azidose

Wie bereits beschrieben, werden Patienten mit einer metabolischen Azidose Bikarbonat-Lösungen oder -tabletten verschrieben, um Säurespiegel zu senken und vermehrt Kohlendioxid ausatmen zu können. Gegen chronische Schmerzen und Migräne helfen schmerzlindernde Mittel und Kopfschmerztabletten, es sollte hier aber darauf geachtet werden, dass diese nicht die Nieren-Leber-Funktion beeinträchtigen.