Was ist Bruxismus?

Beim Bruxismus (Zähneknirschen) werden die Zähne aufeinander gepresst oder gerieben, so dass die Zahnsubstanz Schaden erleiden kann. Zähneknirschen erfolgt meistens unbewusst, so dass die Betroffenen das Zusammenpressen oder Knirschen häufig nicht selbst bemerken. Die Zähne vieler Erwachsener weisen Anzeichen von Bruxismus auf – Zähneknirschen kommt aber bereits bei Kindern und jungen Erwachsenen vor. Zähneknirschen gehört zu den „Parafunktionen“, Aktivitäten des Kauapparates, die keinen funktionellen Zweck haben.

Was kann Bruxismus auslösen?

Zähneknirschen ist oft eine Folge psychischer Anspannung und tritt daher häufig in Phasen seelischer Belastung oder besonders intensiver Konzentration auf. Zuweilen ist Bruxismus aber auch eine Folge einer Erkrankung des Zahnhalteapparates, z. B. von Fehlstellungen des Zähne oder des Kiefers sowie von schlecht sitzenden Zahnfüllungen oder Zahnersatz. Außerdem kommen Funktionsstörungen des Kiefergelenks, (als neurologische Ursache) multiple Sklerose und zuweilen auch Genussmittel (alkohol- oder koffeinhaltige Getränke) als Auslöser von Zähneknirschen in Betracht. Dem Zähneknirschen muss nicht zwingend eine gravierende körperliche oder psychische Krankheit zugrunde liegen.

Woran erkennt man den Bruxismus?

Unangenehme Symptome treten insbesondere bei länger anhaltendem und besonders starkem Zähneknirschen auf. Bereits bei leichtem Zähneknirschen zeigen sich Abschleifspuren an der Zahnoberfläche („Abrasionen“ oder „Schlifffacetten“). Die Zähne werden bei Bruxismus oft empfindlich für süße, saure, kalte oder heiße Speisen, sobald der Zahnschmelz durch die mahlenden Bewegungen beim Zähneknirschen geschädigt ist. Diverse Zahnlockerungen, das Abwetzen von Zahnkronen, das Brechen von Zähnen in ihrer Längsachse und eine vergrößerte Kaumuskulatur sind Anzeichen von Bruxismus. Auch Schmerzen der Kiefermuskulatur oder der Kiefergelenke sowie andauernde Kopfschmerzen und Verspannungen der Nackenmuskeln sind möglicherweise Symptome eines starken Bruxismus. Da die Betroffenen oft nicht selbst erkennen, dass sie mit den Zähnen knirschen, ist es von Vorteil, wenn sie von einer anderen Person auf einen womöglich vorliegenden Bruxismus hingewiesen werden. Dies ermöglicht eine frühzeitige ärztliche Therapie, bevor ernsthafte Schäden an Zähnen oder Kiefergelenken entstehen.

Wie verläuft Bruxismus und welche Auswirkungen kann das Zähneknirschen haben?

Bruxismus kann schmerzhafte Folgen haben (Bildquelle: BigStock by Lammeyer, Stock Foto 35116196)

Bruxismus kann schmerzhafte Folgen haben (Bildquelle: BigStock by Lammeyer, Stock Foto 35116196)

Typischerweise knirschen Menschen vor allem nachts mit den Zähnen. Zähneknirschen kann aber auch tagsüber auftreten. Nachts kommt Zähneknirschen vor allem in den flacheren Schlafphasen (REM-Schlaf) vor. Die Kraft, mit der von Bruxismus Betroffene dabei ihre Zähne zusammenpressen, beträgt teilweise bis zu mehreren Hundert Kilogramm und damit deutlich mehr, als beispielsweise für das Kauen benötigt wird. Das Zähneknirschen kann daher sogar zu einem Durchbrechen eines Zahnes oder zum Abbrechen von Zahnkronen führen. Das Abreiben des Zahnschmelzes, der obersten Zahnschicht führt zur Bildung von Rillen in der Zahnoberfläche, die einen Zahn anfälliger für Erkrankungen wie Karies macht. In einem fortgeschrittenen Stadium des Bruxismus entwickeln sich stärkere Schliffspuren in der Zahnoberfläche. Bei einer hohen Belastung durch Bruxismus kann sich die Kaumuskulatur vergrößern und schmerzhaft verhärten. Bei durch Zähneknirschen ausgelösten Veränderungen der Kiefergelenke (insbesondere bei einem Verrutschen der Gelenkscheibe) sind einige der Betroffenen nicht mehr imstande, ihren Mund richtig zu öffnen. Beim Öffnen des Mundes ist bei einer verrutschten Gelenkscheibe manchmal ein knackendes Geräusch zu hören. In den Gelenkkapseln und in den Kiefergelenksflächen können Entzündungen entstehen, die zuweilen auch die Kiefergelenksbänder in Mitleidenschaft ziehen.


Wie wird Bruxismus behandelt?

Eine individuell angepasste Aufbissschiene aus hartem oder weichem Kunststoff schützt die Zähne vor dem Abschleifen durch Zähneknirschen. Im Idealfall tragen Betroffene die durchsichtige Aufbissschiene nicht nur nachts, sondern auch tagsüber. Eine solche zahnärztliche Therapie richtet sich allerdings nur gegen die Symptome des Bruxismus, kann aber die Ursachen des Zähneknirschens nicht beseitigen. Wenn Bruxismus in Stresssituationen auftritt, können Entspannungsübungen (Yoga, autogenes Trainings oder Tai Chi) zur Lockerung der Kaumuskulatur beitragen. Auch Massagen und Wärmebehandlungen helfen zuweilen bei der Behandlung von Zähneknirschen. Bei anhaltend starkem Bruxismus kommt eventuell eine psychotherapeutische Behandlung in Betracht. Da das Zähneknirschen oft unbewusst stattfindet, gehört zur Therapie auch ein ständiges Sich-Bewusstmachen des Knirschens. Indem Betroffene ihren Bruxismus bewusst wahrnehmen und ihm willentlich entgegensteuern, gewöhnen sie sich das Zähneknirschen allmählich ab.

Wie kann man sich vor Bruxismus schützen?

Da psychischer Stress zu den entscheidenden Faktoren gehört, die Zähneknirschen auslösen, kann durch Stressabbau dem Zähneknirschen vorgebeugt werden. Hierzu eignen sich Entspannungsmethoden wie Yoga, Tai Chi, die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen und autogenes Training. Koffein und Alkohol, aber auch Drogen und bestimmte Medikamente regen das zentrale Nervensystem an und begünstigen daher das Zähneknirschen. Ein Verzicht auf solche „aufputschenden“ Wirkstoffe ist daher ebenfalls eine wichtige prophylaktische Maßnahmen gegen Bruxismus. Besteht der Verdacht, dass bestimmte Medikamente eine Ursache des Zähneknirschens sind, kommt eventuell ein Wechsel des Präparates in Betracht.

Welche Hausmittel können bei der Behandlung hilfreich sein?

Entspannung vor dem Einschlafen hilft gegen Zähneknirschen. Die Beschäftigung mit besonders Nerven aufreibenden Gedanken unmittelbar vor dem Zubettgehen sollte vermieden werden. Beruhigend wirkt beispielsweise ein warmes Bad. Auch eine regelmäßige sportliche Betätigung (mindestens drei Mal wöchentlich für 30 Minuten) ist hilfreich, um Stress und Anspannung zu bekämpfen. Durch Zähneknirschen ausgelöste Kieferschmerzen lassen sich durch Kühlung lindern (z. B. durch eine in ein Tuch eingelegte Eispackung, die auf dem Kiefer platziert wird). Die Kühlung bewirkt eine verminderte Schmerzweiterleitung an das Gehirn. Allerdings sollte ohne Unterbrechung für längstens 20 Minuten gekühlt werden, um Unterkühlungen oder sogar Erfrierungen zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

  1. Wie kann es zu Zähneknirschen im Schlaf kommen?
    Meist löst psychische Anspannung das Zähneknirschen während des Schlafs aus. Aber auch Erkrankungen des Zahnhalteapparates, schlecht sitzender Zahnersatz und Genussmittel wie Koffein und Alkohol können dem Zähneknirschen zugrunde liegen.
  2. Zähneknirschen – Schiene wirklich hilfreich?
    Die individuell angepassten Aufbisschienen aus Kunststoff schützen vor den gewaltigen Kräften, die beim Zähneknirschen auf das Gebiss einwirken. Eine Aufbissschiene sollte nach Möglichkeit nicht nur nachts, sondern auch tagsüber getragen werden.
  3. Was tun gegen Bruximus?
    Mit einer Aufbissschiene werden nur die Symptome des Bruxismus behandelt. Den Ursachen des Zähneknirschens können Betroffene mit Entspannungsübungen und insbesondere dadurch entgegenwirken, dass sie sich das Zähneknirschen bewusst machen und sich allmählich abgewöhnen.
  4. Kann man gegen Bruxismus Entspannungsübungen machen?
    Entspannungsübungen sorgen für die Reduzierung von Stress und für die Auflockerung der Kaumuskulatur und stellen deshalb eine wichtige Form der Therapie des Zähneknirschens dar.
  5. Kann Zähneknirschen Folgen für die Gesundheit haben?
    Dauerhaftes Zähneknirschen beschädigt nicht nur den Zahnschmelz, sondern kann sogar zum Brechen eines Zahnes führen. Die Kaumuskulatur vergrößert sich durch Zähneknirschen oft und ist zuweilen schmerzhaft verhärtet. Auch die Kiefergelenke können sich bei Bruxismus krankhaft verändern: Bei einem Verrutschen der Gelenkscheibe lässt sich der Mund möglicherweise nicht mehr richtig öffnen. Zudem können sich die Kiefergelenksflächen oder die Gelenkkapseln entzünden, was manchmal auch zu Schädigungen der Kiefergelenksbänder führt.