Was sind erhöhte Leberwerte?

Die anhand einer Blutprobe in einem Labor ermittelten Leberwerte geben Auskunft über die Leistungsfähigkeit der Leber bzw. über Funktionsstörungen dieses Organs. Zu den wichtigsten Leberwerten gehören u. a. die Konzentrationen bestimmter Leberenzyme und von Bilirubin, einem gelben Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin.

Welche Ursachen können auffälligen Leberwerten zugrunde liegen?

Sowohl erhöhte als auch verringerte Leberwerte können auf eine Erkrankung hindeuten. Erhöhte Werte zeigen an, dass in letzter Zeit Leberzellen abgestorben sind.

  • Hohe Leberwerte können auf der Einnahme von übermäßig viel Alkohol oder Medikamenten beruhen, die die Leber schädigen, treten aber auf bei akuter oder chronischer Leberentzündung (Hepatitis), Fettleber, einem durch
    Medikamente aber auch hoher Alkoholkonsum kännen zu erhöhten Leberwerten führen (Bildquelle: BigStock by dreamdesigns india, Stock Foto 49835912)

    Medikamente aber auch hoher Alkoholkonsum kännen zu erhöhten Leberwerten führen (Bildquelle: BigStock by dreamdesigns india, Stock Foto 49835912)

    Gallensteine ausgelösten Gallenstau oder bei einer Vergiftung auf (z. B. durch Pilze oder durch Stoffe in der Arbeitsumgebung). Auch Stoffwechsel- und Autoimmun-Erkrankungen sowie virusbedingte Leberentzündungen können zu erhöhten Leberwerten führen.

  • Verringerte Leberwerte sind zu beobachten, wenn die Leber aufgrund einer Schädigung die entsprechenden Enzyme nicht mehr ausreichend produzieren kann (u. a. bei einer Leberzirrhose oder bei bestimmten Vergiftungen – beispielsweise mit dem Insektenbekämpfungsmittel E 605).

Welche Symptome zeigen sich bei veränderten Leberwerten?

Häufig werden Lebererkrankungen erst in einem späten Stadium erkannt, da von der Leber keine Schmerzsymptome ausgehen. Veränderungen der Leberwerte fallen oft bei routinemäßigen Blutuntersuchungen auf.

  • Häufig auftretende Krankheitsanzeichen
    Bei Lebererkrankungen klagen Patienten vielfach über andauernde Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Appetitverlust, Blähbauch, Übelkeit, Erbrechen, Nasenbluten, Blutergüsse und/oder häufige Gelenk- und Muskelschmerzen. Erkrankte empfinden oft ein Druckgefühl im rechten Oberbauch. Festzustellen ist zuweilen eine Gelbfärbung von Augen oder Haut sowie ein bierbrauner Urin und ein lehmfarbener Stuhl.
  • Patientengespräch
    Bei möglichen Anzeichen einer Lebererkrankung führt der Arzt ein ausführliches Gespräch mit seinem Patienten. Zwecks Eingrenzung von Ursachen und Risikofaktoren ist insbesondere von Interesse, an welchen Krankheiten oder Beschwerden der Patient ggf. leidet (z. B. Hepatitis), ob bei Familienangehörigen bereits Leberschäden aufgetreten sind und in welchem Umfang er Alkohol, Drogen oder Medikamente zu sich nimmt.
  • Körperliche Untersuchung
    Bei einer körperlichen Untersuchung werden bei Leberschäden häufig „Leberhautzeichen“ festgestellt. Bei diesen Hautveränderungen handelt es sich um „Gefäßspinnen“, bei denen von einem punktförmigen, roten Gefäßknötchen feine Adern ausgehen.
  • Ermittlung der Leberwerte durch Blutuntersuchung
    „Leberwerte“ können gezielt im Blut ermittelt werden, um festzustellen, welches Körperorgan möglicherweise erkrankt ist: Das Leberenzym Gamma-GT (GGT), das auf Störungen im Lebergewebe oder im Gallengang hindeutet, ist schon bei leichten Leberschädigungen deutlich erhöht und steigt mit fortschreitendem Leberschaden an. Eine GGT-Auffälligkeit wird oft durch einen chronisch erhöhten Alkoholkonsum ausgelöst, kann aber auch auf anderen chronischen Lebererkrankungen beruhen (z. B. auf Gallensteinen, die einen Gallenrückstau auslösen). Der Wert für das Leberenzym ALT (auch „GPT“) steigt speziell bei schweren Leberschäden deutlich an. Dagegen muss ein signifikant erhöhtes Vorkommen des Enzyms AST (auch „GOT“) nicht zwingend auf eine schwere oder schwerste Leberschädigung zurückzuführen sein, sondern kann auch auf Herz- oder Knochenerkrankungen beruhen. Ist der Gallenabfluss aus der Leber gestört (aufgrund von Veränderungen der Gallenwege oder innerhalb der Leber), so tritt zumeist ein erhöhter Bilirubin-Wert auf.
  • Bildgebende Verfahren
    Zusätzliche Erkenntnisse vermitteln bildgebende Verfahren: Mit einer Ultraschall-Untersuchung oder einer Computertomographie lassen sich eine Verfettung der Leber, aber auch chronische Leberschäden ohne Fettanreicherung sowie Leberzirrhosen und Lebertumore erkennen.
  • Leberbiopsie
    Um einer erkannten Leber-Veränderung auf den Grund zu gehen oder auch mögliche Ursachen auszuschließen, kann eine Leberbiopsie (Entnahme einer Gewebeprobe) durchgeführt werden. Meistens wird jedoch nur bei deutlich erhöhten Leberwerten, Anzeichen für einen fortgeschrittenen Leberschaden oder sonstigen Hinweisen auf eine ernste Erkrankung eine Biopsie durchgeführt. Auch weniger stark erhöhte Leberwerte, bei denen noch keine Biopsie durchgeführt wird, bleiben jedoch unter Beobachtung.

Wie können sich veränderte Leberwerte langfristig auswirken?

Veränderte Leberwerte deuten auf eine Schädigung von Leberzellen hin. Bei einer über lange Zeit bestehenden Lebererkrankung kommt es möglicherweise zu bleibenden Leberschäden, die sich bis zu einer Leberzirrhose ausweiten können. Eine Leberzirrhose, die sich meist in einem Zeitraum von Jahren oder Jahrzehnten entwickelt, ist das irreversible Endstadium einer Lebererkrankung. Bei chronischen Leberkrankheiten sind häufig lebenswichtige Körperfunktionen wie Immunsystem, Verdauung und Stoffwechsel deutlich eingeschränkt.

Wie erfolgen schulmedizinische und naturheilkundliche Behandlungen bei auffälligen Leberwerten?

  1. Bei auffälligen Leberwerten erfolgt die Behandlung entsprechend den Erfordernissen, die sich aus der jeweiligen Grunderkrankung ergeben. Werden die veränderten Leberwerte beispielsweise durch eine Autoimmunkrankheit ausgelöst, so zielt die Therapie auf eine Dämpfung des Immunsystems. Bei übergewichtigen Personen mit einer Fettleberhepatitis erfolgt eine Ernährungsumstellung mit dem Ziel einer behutsamen Gewichtsreduktion. Bei einer Lebererkrankung aufgrund der Einnahme von Medikamenten ist zu prüfen, ob die Umstellung auf besser verträgliche Präparate möglich ist. Unabhängig von der individuellen Ursache der auffälligen Leberwerte wird allerdings stets der Verzicht auf Alkoholkonsum angeraten.
  2. Die Naturheilkunde empfiehlt sowohl zur Therapie als auch als vorbeugendes Mittel eine Entgiftung der Leber durch Artischocken, Löwenzahn oder Mariendistel. Wegen der anregenden Wirkung auf die Gallentätigkeit rät die Alternativmedizin jedoch dann von Artischocken ab, wenn die Gallengänge verengt sind. Auch Glaubersaft soll bei der Leberentschlackung helfen, wenngleich als Nebenwirkungen heftiger Durchfall und Erbrechen auftreten können. Schonendere Mittel der Alternativmedizin sind homöopathische Behandlungen u. a. unter Einbeziehung von Schüssler Salzen. Zur Entgiftung der Leber werden teilweise auch besondere Fasten- und Entschlackungskuren empfohlen.

Wie kann erhöhten Leberwerten vorgebeugt werden?

Durch regelmäßige Blutuntersuchungen lassen sich auffällige Leberwerte frühzeitig feststellen. Den Ursachen der veränderten Blutwerte kann somit frühzeitig nachgegangen werden, bevor erhebliche Schädigungen der Leber eintreten. Eine gesunde Ernährung und die Vermeidung eines übermäßigen Alkoholkonsums reduzieren ebenfalls das Risiko einer Lebererkrankung. Als gegen Leberschäden vorbeugendes Hausmittel gelten ein oder zwei Tassen Leber- und Gallentee täglich. Eine präventive Wirkung gegen ungünstige Leberwerte verspricht eine zwei Mal jährlich durchgeführte Vier-Wochen-Kur mit Mariendistel-Präparaten.

Häufig gestellte Fragen

  1. Warum sind erhöhte Leberwerte gefährlich?
    Erhöhte Leberwerte zeigen an, dass in letzter Zeit Leberzellen abgestorben sind. Bei dauerhaft erhöhten Leberwerten kann es zu einer schweren Leberschädigung kommen. Bei chronischen Lebererkrankungen sind zudem wichtige Körperfunktionen wie Stoffwechsel, Immunsystem oder Verdauung oftmals stark beeinträchtigt.
  2. Wie lassen sich Leberwerte senken?
    Die Senkung erhöhter Leberwerte erfordert entsprechend der jeweiligen Ursache unterschiedliche Maßnahmen. Eine virusbedingte Hepatitis kann ggf. mit antiviralen Medikamenten behandelt werden. Beruht die Lebererkrankung auf einer ungesunden Ernährungsweise, so ist eine Ernährungsumstellung zu empfehlen. Soweit medizinisch vertretbar, sollten die Leber belastende Medikamente durch andere Präparate ersetzt werden. Auch der Verzicht auf Alkohol- und Drogenkonsum verbessert oft die Leberwerte.
  3. Wie lange dauert es, bis die Leberwerte wieder normal sind?
    Bei alkoholbedingt erhöhten Leberwerten erreichen die Leberwerte nach dreiwöchiger Alkoholabstinenz wieder den Normalbereich.
  4. Was sind normale Leberwerte („Normalwerte“)?
    Die Leber-Normalwerte liegen bei den Enzymen AST (GOT) und ALT (GPT) zwischen 10 und 50 U/l (Männer) bzw. zwischen 10 und 35 U/l (Frauen). Beim Leberenzym GGT sollten sich die Werte unterhalb von 66 U/l (Männer) bzw. 39 U/l (Frauen) befinden. Als normal werden Bilirubin-Werte unter 1,1 mg/dl angesehen.
  5. Sind meine Leberwerte zu hoch?
    Ob Leberwerte zu hoch sind, kann nur durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden.