Was ist ein Ermüdungsbruch?

Bei einem Ermüdungsbruch handelt es sich um eine Knochenfraktur. Ein Ermüdungsbruch ist kein plötzliches Ereignis. Durch eine ausgeprägte Überlastung des Knochens über einen längeren Zeitraum kommt es zum Brechen der Knochensubstanz. Bei einer Ermüdungsfraktur werden zwei Arten unterschieden: Das entscheidende Kriterium für die Beurteilung eines Ermüdungsbruches ist, ob der Knochen vor dem Bruch gesund oder die Knochensubstanz krankhaft verändert war.

Die Ursachen für einen Ermüdungsbruch

Gerade bei Leistungssportlern kann eine Ermüdungsbruch auftreten (Bildquelle: BigStock by Maridav, Stock Foto 36415930)

Gerade bei Leistungssportlern kann eine Ermüdungsbruch auftreten (Bildquelle: BigStock by Maridav, Stock Foto 36415930)

Bei einem gesunden Knochen kann es durch stetige Überlastung zu einer Stressfraktur kommen. Leistungssport, vor allem intensives Lauftraining, kann Stressfrakturen zur Folge haben. Bevor der Knochen bricht, kommt es im Knochengewebe zu feinen Rissen und zu Mikrofrakturen. Der Grund dafür sind zu lange und falsche Belastungen. Normalerweise hat der Körper die Fähigkeit, die winzigen Schäden zu reparieren. Kommt es in kurzen Abständen und immer wieder zu den Überlastungen, kann sich die Knochenmasse nicht mehr regenerieren. Die geschwächte Knochensubstanz bricht. Neben dem intensiven sportlichen Training können eine geringe Muskelmasse und ein besonders schmal ausgebildeter Schienbeinknochen Gründe für eine Stressfraktur sein. Auch extreme Diäten, Essstörungen wie Magersucht oder die Anwendung von kortisonhaltigen Medikamenten können die Knochensubstanz schwächen. Ist der Knochen durch Krankheiten wie Osteoporose oder ein rheumatisches Leiden vorgeschädigt, kann es zu einem Bruch kommen, der als Insuffizienzfraktur bezeichnet wird.

Auch Rachitis, eine Vitamin-D-Mangelkrankheit, und Morbus Paget, eine Störung im Gleichgewicht zwischen dem normalen Knochenaufbau und -abbau, können die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Bruch kommt, erhöhen. Durch die Vorerkrankung wird die Knochenmasse porös und damit in ihrer Festigkeit geschwächt. Bei einem fortgeschrittenen Verlauf der Vorerkrankung hält der Knochen auch den alltäglichen, normalen Belastungen nicht mehr stand.


Die Symptome eines Ermüdungsbruches

Ein Knochenbruch ist normalerweise ein sehr plötzliches Ereignis. Bei einem Ermüdungsbruch verläuft die Symptomatik anders. Die Fraktur entwickelt sich über einen längeren Zeitraum. Zu Beginn des Prozesses hat der Patient bei Belastungen nur leichte Schmerzen, die sich im Ruhezustand bessern oder ganz vergehen. Die Symptomatik erinnert an einen rheumatischen Schub: Der geschwächte Bereich des Knochens kann anschwellen, die Haut kann gerötet und überwärmt sein. Es tritt in den meisten Fällen kein plötzlicher Funktionsverlust ein, wie das bei einem Knochenbruch bei einem Unfall wäre. Im Laufe der Zeit werden die Schmerzen bei einem Ermüdungsbruch immer stärker, die Intensität lässt auch in Ruhe nicht mehr nach. Besonders häufig sind von einem Ermüdungsbruch das Schienbein, der Fuß (Marschfraktur) und die Knochen des Beckengürtels betroffen. Möglich ist auch eine Ermüdungsfraktur eines Wirbelknochens oder einer Rippe.

Der Verlauf eines Ermüdungsbruches

Bricht ein ansonsten gesunder Knochen durch Überlastung, heilt die Verletzung in den meisten Fällen komplikationslos aus. Dies ist jedoch nur der Fall, wenn die Fraktur angemessen versorgt und die Belastung während des Heilungsprozesses minimiert wird. Wird der Bruch operativ versorgt, bildet sich sofort stabiles Knochengewebe, welches den Bruchbereich ausfüllt. Bei einer konservativen, nicht chirurgischen Therapie wird zunächst weicheres Kallusgewebe gebildet, welches nach und nach durch das eigentliche Knochengewebe ersetzt wird. Dieser Heilungsverlauf kann sich über mehrere Monate erstrecken. Ist der Knochen durch eine Erkrankung vorgeschädigt, wird bei einer Insuffizienzfraktur ein lange andauernder Heilungsprozess notwendig sein.

Die Behandlung eines Ermüdungsbruches

Je eher die Behandlung einsetzt, desto geringer ist die Schädigung des Knochens. Die Therapie sollte nach Möglichkeit bereits vor dem eigentlichen Ermüdungsbruch einsetzen. Dann genügt es in vielen Fällen, die Überlastung bis zur Ausheilung konsequent abzustellen. Die Knochensubstanz festigt und regeneriert sich wieder. Der Heilungsprozess wird durch leichte physiotherapeutische Übungen unterstützt. Besteht bereits eine Stressfraktur oder Insuffizienzfraktur, muss der betroffene Knochen ruhiggestellt und entlastet werden. Das kann, je nach Ort und Stärke der Knochenschädigung, durch einen Verband oder einen Gips geschehen. Die Schmerzen werden durch geeignete Analgetika gelindert. Liegt eine Insuffizienzfraktur vor, muss die Grunderkrankung konsequent behandelt werden, um weiteren Ermüdungsbrüchen vorzubeugen. Bei schwerwiegenden Knochenbrüchen wird der Bereich operativ versorgt. Die Phase der Ruhigstellung dauert bis zu vier Wochen. Danach wird der Knochen unter physiotherapeutischer Anleitung wieder moderat belastet.

Die Vorbeugung von Ermüdungsbrüchen

Die wichtigste Maßnahme ist, eine länger andauernde und ständig wiederkehrende Überlastung des Bewegungsapparates zu vermeiden. Vor allem Leistungssportler sollten dazu intensiv durch einen Sportmediziner betreut und beraten werden. Hochwertige Laufschuhe mit stoßdämpfender Funktion sind ebenfalls zur Vorbeugung von Ermüdungsfrakturen geeignet.

Bei Diagnosen wie Osteoporose oder Rachitis muss die Grunderkrankung behandelt werden, damit es nicht zu einer Insuffizienzfraktur kommt. Außerdem ist auf jede Überlastung des Skelettsystems zu verzichten. Der Abbau von Übergewicht, leichtes Training zum Muskelaufbau und eine gute Lauftechnik können ebenfalls helfen, einem Ermüdungsbruch vorzubeugen. Eine ausgewogene Ernährung, die ausreichend Nährstoffe und Kalzium enthält, ist die Basis für ein gesundes Knochenwachstum.

Häufig gestellte Fragen:

  1. Was ist ein Ermüdungsbruch im Fuß?
    Ein Ermüdungsbruch am Fuß betrifft meist die Mittelfußknochen von Leistungssportlern. Die Fraktur wird auch als Marschfraktur bezeichnet. Der Begriff beschreibt die mögliche Überlastung von Soldaten beim langandauernden Marschieren. Auch das Fersenbein ist durch immer wiederkehrende Überlastungen von einem Ermüdungsbruch gefährdet.
  2. Was sind typische Ermüdungsbruch Symptome?
    Typisch ist, dass ein Ermüdungsbruch meist erst sehr spät festgestellt wird. Zunächst glauben viele Patienten, dass die bei Belastung auftretenden Schmerzen aufgrund von „Abnutzungserscheinungen“ auftreten oder eine rheumatische Ursache haben. Die Patienten hoffen, dass die Schmerzen von allein wieder vergehen. Im Anfangsstadium des nach und nach verlaufenden Prozesses einer Ermüdungsfraktur hat der Patient im Ruhezustand keine Beschwerden. Schreitet die Knochenschädigung fort, verstärkt sich auch das Schmerzpotenzial. Es entwickelt sich ein Dauerschmerz, wenn nicht vorher die Überlastung eingestellt wird.
  3. Wie verläuft eine Ermüdungsbruch Therapie?
    Um einen Ermüdungsbruch zu behandeln, gibt es mehrere Möglichkeiten. In leichteren Fällen genügt Vermeidung der Überlastung. Dann kann sich das Knochengewebe selbstständig regenerieren. Ist es bereits zu einer kompletten Fraktur gekommen, muss der gebrochene Knochen ruhiggestellt und entlastet werden. Dies kann konservativ mit einem Gipsverband geschehen. Bei schweren und komplizierten Ermüdungsfrakturen wird der Bruch operativ versorgt.
  4. Wie lange dauert ein Ermüdungsbruch?
    Die Schädigung der Knochenstruktur ist ein schleichender Prozess. Wird die schädigende Überlastung bereits abgestellt, bevor es zu einem kompletten Bruch kommt, kann sich die Knochensubstanz innerhalb von einigen Wochen regenerieren, ohne dass eine konservative oder operative Versorgung notwendig ist. Ist der Knochen gebrochen, wird nach der Entlastung und Ruhigstellung vom körpereigenen Reparaturprogramm zunächst instabiles Kallusgewebe gebildet. Erst später wird dieses durch belastbares Knochengewebe ersetzt. Eine komplette Ausheilung kann bis zu einem halben Jahr dauern. Nach einer operativen Versorgung des Bruchs wird meist gleich stabile Knochensubstanz gebildet, um den Spalt zwischen den Bruchkanten auszufüllen. Nach einer Operation kann in vielen Fällen bereits nach vier Wochen mit leichten Belastungsübungen begonnen werden. Bei einer Insuffizienzfraktur, wenn das Knochengewebe durch Vorerkrankungen weich und porös ist, kann der Heilungsprozess sich über viele Monate erstrecken.
  5. Ermüdungsbruch – Schienbein häufig betroffen?
    Neben den Mittelfußknochen ist das Schienbein besonders häufig von einem Ermüdungsbruch betroffen. Das Risiko ist besonders hoch, wenn der Knochen des Schienbeins anatomisch besonders dünn ausgebildet ist.