Was ist Frozen Shoulder?

Die typische Bewegungseinschränkung einer steifen Schulter kann der Orthopäde schnell feststellen. Die Erkrankung hat eine gute Prognose, ist aber langwierig. Ist die Schulter unter Begleitung von Schmerzen in ihrer Bewegung eingeschränkt, spricht man von Frozen Shoulder (schmerzhafter Schulterstreife). Häufig sind Menschen mittleren Lebensalters betroffen. Das Schultergelenk versteift, fühlt sich wie „eingefroren“ an. Schon in der Ruhestellung fällt das durch die Versteifung abstehende Schulterblatt sofort ins Auge. Das Gelenk ist jedoch nicht gänzlich versteift, es sind noch leichte Bewegungen möglich. Wenn der Grund für die Erkrankung bekannt ist, spricht man von einer sekundären Frozen Shoulder, ist er unbekannt, handelt es sich um die primäre Frozen Shoulder.

Die Ursache für Frozen Shoulder

Viele Ursachen kommen als Auslöser der Frozen Shoulder in Betracht. Jede schmerzhafte Schultererkrankung kann zu einer Schultersteife führen, doch zur Versteifung des Schultergelenks kann auch ohne ein vorheriges Trauma kommen. Schon leichte Unfälle, die eine Ruhigstellung des Gelenks erfordern, können eine Versteifung herbeiführen. Oft ist eine Schultergelenkentzündung vorausgegangen. Menschen mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus und Schilddrüsenerkrankungen leiden häufiger an der Frozen Shoulder als andere. Eine weitere Ursache kann der schmerzhafte Halswirbelsäulenverschleiß sein. Bei vielen Patienten sind die Ursachen jedoch nicht klar zu benennen.

Die Symptome von Frozen Shoulder

Bei einer Frozen Shoulder versteift das Schultergelenk immer mehr (Bildquelle: BigStock by Rido81, Stock Foto 60543953)

Bei einer Frozen Shoulder versteift das Schultergelenk immer mehr (Bildquelle: BigStock by Rido81, Stock Foto 60543953)

Die Krankheit beginnt schleichend und zeigt sich anfangs mit leichten Schmerzen in der Schulter. Im Laufe von Monaten entwickelt sich daraus eine Versteifung des Schultergelenkes mit damit einhergehender Einschränkung. Nicht selten ist das Gelenk zwischen der Gelenkpfanne und dem Oberarmkopf vollständig versteift. Da das Schulterblatt trotzdem beweglich bleibt, können die Erkrankten die eigentliche Versteifung kompensieren. Später können schon kleinste, ungeplante Bewegungen zu starken Schmerzen führen. Die Frozen Shoulder zeigt sich auch mit großen Nachtschmerzen.


Verlauf bei Frozen Shoulder

Die Krankheit verläuft in drei Stadien. Das erste Stadium ist die „Freezing Phase“. In dieser Zeit, die 10 bis 36 Wochen dauern kann, nehmen die Schmerzen zu und die Einschränkung verstärkt sich. Das zweite Stadium nennt sich „Frozen Phase“. Die Schmerzen klingen zwar ab, doch die Bewegungseinschränkungen hält an und die Muskeln bilden sich zurück (muskuläre Inaktivitätsatrophie). Die zweite Phase kann bis zu einem Jahr dauern. Das dritte Stadium, die „Thawing Phase“, dauert zwischen einem halben Jahr und zwei Jahren. In dieser Zeit verbessert sich die Bewegungseinschränkung, dennoch bleibt die Krankheit bestehen. Die Schultersteife ist für Betroffene sehr belastend, da sie nicht nur mit Schmerzen konfrontiert, sondern auch im Alltag stark eingeschränkt sind. Im Laufe der Behandlung benötigen sie Geduld und viel Durchhaltevermögen.

Die Behandlung von Frozen Shoulder

Eine akute Erkrankung wird zunächst mit Schmerzmitteln behandelt. Eine Bewegungstherapie über die Schmerzgrenze hinaus ist unangebracht, sie würde die Beschwerden nur verstärken. Zunächst muss die steife Schulter ruhiggestellt werden. In Ruhe verspürt der Patient wenig Schmerzen. Die Behandlung kann langwierig sein. Kortison-Spritzen sind zwar als Therapeutikum verbreitet, aber keine dauerhafte Lösung, da sie die Sehnen letztendlich schädigen. Die optimale Therapie beginnt mit der antientzündlichen Behandlung. Injektionen, welche die Versteifungen lockern sollen, sind auch aufgrund des engen Gelenkraumes schwierig und können die umliegenden Sehnen schädigen. Daher werden Schmerzmittel meist oral verabreicht. In dieser Zeit sollte der Patient den betroffenen Arm nicht oder wenig bewegen. Erst nachdem der akute Schmerz abgeklungen ist, beginnt die Physiotherapie. Sie ist wichtig, um Fehlhaltungen zu vermeiden. Die Beweglichkeit kann durch manuelle Therapie verbessert werden. Hierfür eignen sich Massagen oder Ultraschallbehandlungen. Die Schulter lässt sich auch durch eine minimalinvasive Operation mobilisieren. Das geht jedoch nur, wenn die Schmerztherapie vorher effektiv war.

Vorbeugung vor Frozen Shoulder

Treten die ersten Schmerzen im Schultergelenk auf, sollte man sofort zum Arzt gehen, um frühzeitig mit der Therapie zu beginnen. Lange Ruhigstellung nach Verletzungen und Unfällen sollte man möglichst vermeiden. Sie ist einer der Hauptgründe, die Schultersteife erst bewirken. Mit einer guten Körperhaltung, die man durch Bauchmuskeltraining und Rückenschule erreicht, lässt sich der Frozen Shoulder vorbeugen. Es ist sinnvoll, möglichst viel Sport in den Alltag zu integrieren. Einseitige schwere Belastungen des Schultergelenks sollte man vermeiden. Kommt es zu Entzündungen an inneren Gelenken, sollten sie möglichst schnell und effektiv behandelt werden, auch sie sind ein Grund für die Entstehung der Schultersteife.

Häufig gestellte Fragen:

  1. Welches sind hilfreiche „Frozen Shoulder“-Übungen?
    Übungen, die Brust- und Oberarmmuskulatur stärken und die Beweglichkeit des Schultergelenks fördern, sind nützlich. Beispiel 1: Man stützt sich gegen die Wand und versucht in kleinen Schritten, von ihr wegzugehen. Übung 5 Mal pro Seite durchführen. Beispiel 2: Man drückt mit angewinkelten Armen die Hände auf den Türrahmen und drückt sich ab bzw. dagegen. Druck aufbauen und einige Sekunden halten. Beispiel 3: Mit seitlich gesteckten Armen kleine Kreise machen, 10 Mal in jede Richtung.
  2. Wie sieht eine „Frozen Shoulder“-Therapie aus?
    Die Therapie hängt von der Ursache ab. In der ersten Phase der Erkrankung müssen schmerzstillende Medikamente gegeben werden, danach kann man mit Physiotherapie und Massagen beginnen. Selten ist eine Operation erforderlich. Bei manchen Patienten hilft auch Akupunktur zur Schmerzbekämpfung. Eine Operation ist selten nötig und sollte nur erfolgen, wenn andere Mittel versagt haben.
  3. Wie bekommt man eine „Frozen Shoulder“?
    Jeder Unfall, der eine Ruhigstellung des Schultergelenks nötig macht, kann zu dazu führen. Menschen mit Stoffwechselerkrankungen sind gefährdeter als gesunde. Veränderungen in allen Strukturen des Schultergelenks, also an Knochen, Bändern, Schleimbeutel, Muskeln und Sehnen, können zu einer Versteifung führen. Abnutzung ist ein Grund, doch noch häufiger bewirkt die längerfristige Ruhigstellung der Schulter eine Versteifung. Entzündungen und degenerative Veränderungen an den Sehnen sowie Verkalkungen der Sehnenansätze kommen ebenfalls als Ursache infrage.
  4. Wie verläuft eine „Frozen Shoulder“-Operation?
    Bei einer Gelenksspiegelung (Arthroskopie) werden die entzündlichen Teile der Gelenkkapsel mit medizinischen Instrumenten entfernt. Danach löst der Orthopäde die Verklebungen und trennt die Gelenkkapsel bis zu dem Punkt durch, an dem sich das Schultergelenk ohne Gewaltanwendung frei bewegen lässt. Über 90 % der Patienten stellen nach diesem Eingriff eine spürbare Verbesserung der Beweglichkeit fest. Auch das Risiko für eine Wiederversteifung ist gering.
  5. Wie sieht eine gute „Frozen Shoulder“-Behandlung aus?
    Ist die Erkrankung akut, wird zunächst der Schmerz behandelt. Danach beginnt man mit sanften Übungen, welche die Brustmuskulatur stäken und die Beweglichkeit der Schultern steigern. Eine Operation sollte nur erfolgen, wenn keine der Maßnahmen über Monate zum Erfolg geführt hat. Fand eine Operation statt, muss direkt danach mit Physiotherapie begonnen werden. Zusammen mit einer effektiven Schmerzbehandlung führt man mindestens eine halbe Stunde täglich aktive und passive Bewegungen durch. Die Physiotherapiephase sollte wenigstens drei Monate andauern.