Ein Hirnabszess ist durch eine örtlich begrenzte Infektion des Gehirns mit Bildung einer eingekapselten Eiteransammlung gekennzeichnet.

Es ist eine sehr seltene Erkrankung, welche früher fast immer zum Tode führte, heute aber mit Antibiotika gut behandelbar ist. Die Ursachen dieser Eiteransammlung sind meist Bakterien, in seltenen Fällen jedoch auch andere Erreger, wie z. B. Pilze. Meist bildet sich nur ein einzelner Eiterherd, wobei hauptsächlich das Großhirn und seltener das Kleinhirn betroffen ist. Wenn der Erreger über das Blut von einem entfernten Entzündungsherd angeschwemmt wird, kommt es jedoch zu mehreren Abszessherden im Hirn und in anderen Organen.

Ein Hirnabszess tritt mit einer Häufigkeit eins zu hunderttausend auf, wobei hauptsächlich Kinder im Alter zwischen vier und sieben Jahren und Erwachsenen im Alter von 20-30 Jahren betroffen sind.

Ursachen von Hirnabszessen

Ein Hirnabszess wird in der Regel durch verschiedene bakterielle Erreger, wie Streptokokken, Staphylokokken, Bacteroides oder auch Darmbakterien, hervorgerufen. Bei einem geschwächten Immunsystem können auch Pilze oder die Erreger der Toxoplasmose zu dieser Erkrankung führen. Meist handelt es sich um eine fortgeleitete Infektion der Ohren (Mittelohrentzündung), der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) oder der Zahnwurzel. Die fortgeleiteten Hirnabszesse befinden sich meist im Stirn- oder Schläfenlappen. Ein Viertel der Hirnabszesse entstehen durch Erregeranschwemmung von entfernten Infektionsquellen über das Blut. Solche Infektionsquellen sind z. B. Lungen- oder Herzinnenklappenentzündungen. Rund zehn Prozent der Hirnabszesse entwickeln sich durch direkten Eintritt der Erreger ins Hirn bei Schädelverletzungen.

Symptome bei Hirnabszess

Bei einem Hirnabszess treten häufig unspezifische Symptome, wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf. Allerdings ist das Leitsymptom infolge der Raum fordernden Prozesse durch Vergrößerung des Eiterherdes ein Druck im Kopf. Je nach Sitz des Abszesses werden auch epileptische Anfälle, Bewusstseinsstörungen, Lähmungserscheinungen und andere neurologische Symptome beobachtet. Die Symptome können sofort nach der Infektion erscheinen. Es gibt jedoch auch Fälle, wo zwischen erstmaliger Infektion und ausgeprägtem Hirnabszess mehrere Jahre liegen. Das gilt besonders für die posttraumatischen Infektionen.

Diagnose bei Hirnabszess

Zunächst stellt der Arzt die Verdachtsdiagnose Hirnabszess, wenn in Folge einer Infektion im Hirn nahen Bereich oder nach einer Schädelverletzung Symptome, wie Kopfschmerzen, Lähmungen und Bewusstseinsstörungen auftreten. Zur Absicherung der Diagnose Hirnabszess stehen besonders die bildgebenden Verfahren CT (Computertomografie) und MRT (Magnetresonanztomografie) zur Verfügung. Hierbei wird der Abszess entdeckt, wobei noch differenzialdiagnostisch ein möglicher Tumor oder Schlaganfall ausgeschlossen werden muss. Dazu werden Blutuntersuchungen durchgeführt. Typisch für eine Entzündung ist eine erhöhte Leukozyten-Zahl und gestiegene Konzentrationen von C-reaktiven Proteinen. Zur Suche nach dem genauen Erreger werden Blutkulturen angelegt beziehungsweise Abszessmaterial durch Punktion, Drainage oder Herausschneiden des betroffenen Gewebes gewonnen und labortechnisch untersucht.

Therapie bei Hirnabszess

Hirnabszesse können heute gut therapiert werden. Vor Einführung der Antibiotika führte fast jeder Hirnabszess zum Tode. Heute wird der Hirnabszess meist durch eine Kombinationstherapie von Operation und Antibiotika-Gabe behandelt. Der konkrete Ablauf der Therapie hängt von vielen Faktoren ab. So ist es wichtig zu wissen, wie groß der Abszess ist, wo er sich befindet, ob eventuell noch mehrere Eiterherde vorliegen, wie viel Flüssigkeit sich angesammelt hat und welcher Erreger für die Erkrankung verantwortlich ist. Ein relativ leicht zugänglicher Abszess an der Oberfläche kann sofort operiert werden. Bei einem tiefer liegenden Abszess ist eine solche Operation nicht möglich. In diesem Fall wird über ein Bohrloch der Eiter entfernt und die Kapsel intensiv mit Antibiotika behandelt.

Vorbeugung gegen Hirnabszess

Zur Vorbeugung gegen einen Hirnabszess muss die Übertragung von Erregern auf das Hirn bei entzündlichen Erkrankungen verhindert werden. Dazu ist eine konsequente Antibiotika-Behandlung einer bestehenden Infektion notwendig. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Antibiotika-Gabe nicht zu früh abgebrochen wird, damit alle Erreger abgetötet werden und sich zusätzlich keine Resistenzen ausbilden.

Medikamente gegen Hirnabszess

Manchmal können nur Medikamente gegen den Hirnabszess eingesetzt werden, weil eine Operation aufgrund der ungünstigen Lage des Abszesses oder bei Vorliegen mehrerer kleiner Eiterherde nicht möglich ist. Bei unbekannten Erregern kommt eine Kombination von verschiedenen Antibiotika zum Einsatz. Sollten sich bereits Ödeme gebildet haben, können zusätzlich noch Kortikosteroide verabreicht werden.