Was ist eine Hodentorsion?

Bei einer Hodentorsion, in der medizinischen Fachsprache auch Hodenstieldrehung genannt, kommt es zu einer Eindrehung des Samenstranges. Dadurch werden die Gefäße angegriffen, die vom Samenstrang zu den Hoden verlaufen. Während zunächst der Blutkreislauf der Venen gestört ist, erstreckt sich diese Störung im weiteren Verlauf auf den Blutzufluss der Arterien. Eine Hodenstieldrehung stellt einen medizinischen Notfall dar, der innerhalb von 4 Stunden behandelt werden muss, da ansonsten die Gefahr besteht, dass das Gewebe irreparabel angegriffen wird. Daraus resultiert letztendlich die Zeugungsunfähigkeit.

Was kann eine Hodentorsion auslösen?

Besonders häufig kommt es bei Kleinkindern und Jugendlichen zu einer Hodentorsion. Der Grund liegt darin, dass die Hoden in jungen Jahren beweglicher sind, da sie nicht fest genug vom Hodensack umschlossen werden. Wenn dies der Fall ist, können bereits geringe Außeneinwirkungen zu der Entstehung der Krankheit führen. Vor allem Hoden, die noch nicht komplett in den Schutzmantel des Hodensacks eingelassen sind, sind besonders anfällig. Dies ist beispielsweise bei einem Hodenhochstand der Fall. Ist der Hodensack besonders weit ausgeprägt, kann es darüber hinaus vorkommen, dass die Hoden nicht senkrecht, sondern waagerecht in ihm liegen (sogenannte „Bell-Clapper-Anomalie“). Sind diese begünstigenden Voraussetzungen erfüllt, kann die Krankheit bereits durch leichte Bewegungen ausgelöst werden. Dies kann exemplarisch während der Nachtzeit oder beim Sport geschehen. Insoweit sind keine übermäßigen und ungewöhnlichen Bewegungsabläufe notwendig, um eine Hodentorsion zu verursachen.

Woran erkennt man eine Hodentorsion?

Eine pauschale Aussage über die Symptome bei einer Hodentorsion ist nicht möglich, da die Art und Weise der Erkrankung unterschiedlich verlaufen kann, was insbesondere vom Alter abhängig ist. Bei Kleinkindern und Säuglingen stellen sich häufig Bauchschmerzen ein. Aufgrund der Schmerzen ist ein auffälliges Verhalten zu beobachten, dass auch darin besteht, dass die Nahrung nicht mehr eingenommen wird. In einigen Fällen kommt es auch zum Erbrechen. Zumeist ist die Krankheit auch visuell wahrnehmbar. Die Hoden verfärben sich aufgrund des Blutstaus blau. Zudem sind sie deutlich angeschwollen. Demgegenüber kommen Hodentorsionen bei Jugendlichen vermehrt nach sportlicher Aktivität vor. Nach einer ungünstigen Bewegung kommt es zu starken Schmerzen in den Hoden. Des Weiteren klagen Betroffene häufig über Beschwerden in der Leisten- und Nierengegend. In manchen Fällen kommt es neben diesen Symptomen auch zu Brechanfällen. Im weiteren Verlauf stellen sich bei den jungen Männern Herzrasen und Blässe ein. Ferner verfärbt sich auch in diesem Alter der Hoden bläulich. Die Haut ist zudem nicht mehr knitterig und der erkrankte Hoden liegt deutlich über dem anderen. Dieses Phänomen ist darauf zurückzuführen, dass der Samenstrang durch die Hodentorsion verkürzt ist.

Wie verläuft eine Hodentorsion und was können die Auswirkungen sein?

Da durch die Hodentorsion zugleich eine Verengung der Blutgefäße einhergeht, resultiert daraus ein Blutstau im Hoden. Dies führt zunächst zu einer schmerzhaften Schwellung des betroffenen Hodens. Im weiteren Verlauf führt der Blutstau zu einer irreparablen Schädigung des Hodengewebes. Nach 6-8 Stunden kommt es regelmäßig zu einer Beeinflussung der Spermienbildung, wobei es vorkommen kann, dass der Hoden deswegen keine männlichen Hormone mehr bildet. Ob daraus auch eine Zeugungsunfähigkeit resultiert, ist in erster Linie von dem gesunden Hoden abhängig. Ist dieser intakt, bleibt die Zeugungsfähigkeit erhalten. Bei der Behandlung ist somit rasches Handeln notwendig, um schlimmere Folgen zu verhindern. Bei der Diagnose wird der behandelnde Arzt zunächst die Symptome erfragen. Ferner stützt sich die Diagnose einer Hodenstieldrehung auf ein spezielles Ultraschallverfahren. Dadurch kann der Mediziner feststellen, inwieweit die Blutbahnen bereits betroffen sind. In schwierigen Diagnosefällen ist eine Operation notwendig, damit der Arzt einen direkten Blick auf den Samenstrang werfen kann.

Wie wird eine Hodentorsion behandelt? Welche schulmedizinischen und auch alternativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Eine Hodentorsion stellt immer einen medizinischen Notfall dar, der sofort operiert werden muss. Unterbleibt dieser Eingriff, führt die Erkrankung zu dauerhaften Schäden in den Keim- und Stammzellen. Diese Störung tritt bereits nach spätestens acht Stunden auf. Nach etwa 12 Stunden werden die Leydig-Zellen angegriffen. Diese sind für die Bildung von Testosteron verantwortlich. Durch die Operation soll der betroffene Hoden zurückgedreht werden, um ihn in seine natürliche Lage zu versetzen. In der Medizin wird dieser Prozess als Entzwirbelung bezeichnet. Sobald dadurch die Blutversorgung wieder gewährleistet wird, kann sich der erkrankte Hoden innerhalb von wenigen Minuten erholen. Ist der Hoden durch die Hodentorsion nur teilweise geschädigt worden, kann er in der Regel im Hodensack bleiben. Bei schwereren Fällen ist eine Entnahme notwendig, die im Erwachsenenalter durch eine spezielle Prothese ersetzt werden kann. Damit der Patient in Zukunft keine weiteren Erkrankungen in dieser Art befürchten muss, vernäht der Chirurg den Hoden fest mit dem Hodensack. Dadurch wird er dauerhaft fixiert, seine Beweglichkeit mithin eingeschränkt. Teilweise wird darüber hinaus auch der zweite Hoden vernäht. Dadurch werden die Risiken deutlich minimiert, so dass unter Umständen zwei Operationen notwendig sind.

Wie kann man sich vor einer Hodentorsion schützen?

Einer Hodentorsion vorzubeugen ist vergleichsweise schwierig, da die Erkrankung im Zusammenhang mit der männlichen Entwicklung auftritt. Sobald es zu einem Vorfall gekommen ist, nutzt der Chirurg die Gelegenheit, um weitere Hodentorsionen zu verhindern. Bei risikoreichen Sportarten, beispielsweise beim Kampfsport oder Eishockey, sollten gefährdete Männer einen sogenannten Hodenschutz tragen, um Einwirkungen auf die Hoden abzuschwächen. Ansonsten kann insbesondere Jugendlichen nur dazu geraten werden, ihre Scham abzulegen und über mögliche Schmerzen oder Veränderungen im Genitalbereich offen zu sprechen.

  1. Was passiert bei einer Hodentorsion?
    Bei einer Hodentorsion dreht sich der Samenstrang einmal um die eigene Achse. Diese Überdrehung wird durch eine verminderte Befestigung des Hodens im Hodensack verursacht. Alternativ kann auch der aktive Kremastermuskel eine Hodentorsion auslösen, da der Muskel am Hoden zieht. Durch die Verdrehung werden die inneren Blutgefäße angegriffen, wobei zunächst die Venen und sodann mit zeitlichem Verzug auch die Arterien betroffen sind.
  2. Was tun bei Hodentorsion?
    Sobald eine Hodentorsion eingetreten ist, wird der Betroffene als medizinischer Notfall betrachtet. Daher sollte er sich innerhalb kurzer Zeit in medizinische Versorgung begeben, da andernfalls bleibende Schäden nicht ausgeschlossen sind. Bei zu langem Zögern kann sich durch den Blutstau sogar eine dauerhafte Unfruchtbarkeit ergeben, so dass der Mann keine Kinder mehr zeugen kann.
  3. Wie erkennt man eine Hodentorsion?
    Durch den Blutstau ist eine deutliche Schwellung und Verfärbung an dem betroffenen Hoden erkennbar. Zudem liegt er aufgrund der Überdrehung höher als der gesunde Hoden, da durch die Überdrehung zugleich der Samenstrang verkürzt wird. Weiterhin können Erbrechen und Herzrasen einsetzen. Der Patient wird blass, und er verfällt in einen Schockzustand.
  4. Tut eine Hodentorsion weh?
    Eine Hodentorsion ist eine sehr schmerzhafte Erkrankung. Vor allem Bewegungen wirken sich auf das Schmerzempfinden zusätzlich aus. Daneben können auch Bauschmerzen sowie Schmerzen im Leisten- und Nierenbereich eintreten. Die Schmerzen sind entweder plötzlich auftretend und dadurch besonders unangenehm, oder sie nehmen langsam zu.
  5. Wann Sport nach Hodentorsion?
    Nach einer Hodentorsion verspüren vor allem junge Männer schnell neuen Tatendrang. Allerdings sollte dies vorab mit dem Arzt besprochen werden. Sportliche Aktivitäten sind nach etwa 4 Wochen möglich, wobei es auf den konkreten Einzelfall sowie die konkrete Sportart ankommen wird. Sobald der Mediziner jedoch grünes Licht gegeben hat, sollten Patienten insbesondere bei körperbetonten Sportarten auf einen Hodenschutz zurückgreifen, um weitere Vorfälle präventiv zu verhindern.

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