Als Mikropenis wird eine angeborene Fehlbildung des Penis bezeichnet, die dazu führt, dass der Penis anatomisch gesehen ungewöhnlich klein ausgebildet ist. Der Mikropenis tritt entweder ohne bekannte Ursache auf, was jedoch recht selten ist, oder ist ein Symptom eines von vielen verschiedenen Syndromen.

Definition, Diagnose und Ursachen des Mikropenis

Bei einem Erwachsenen wird bei einer Länge des Penis im erigierten Zustand von unter 7 Zentimetern von einem Mikropenis gesprochen. Bei der Feststellung eines Mikropenis müssen jedoch auch ethnische Besonderheiten mit einberechnet werden. Generell wird – auch gerade bei Kindern und Jugendlichen – immer dann von einem Mikropenis gesprochen, wenn dessen Länge um 2,5 Standardabweichungen vom Mittelwert nach unten abweicht. Dem Mittelwert nach beträgt eine durchschnittliche Penislänge 4 Zentimeter bei 2-Jährigen; 5 Zentimeter bei 8-Jährigen, 10 Zentimeter bei 14-Jährigen und 14 Zentimeter bei 18-Jährigen.

In der Kunst war ein Mikropenis lange durchaus begehrt. © line-of-sight@fotolia.com

In der Kunst war ein Mikropenis lange durchaus begehrt.
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Die Ursachen für den Mikropenis werden in vier Gruppen eingeteilt. So kann diese Fehlbildung auftreten, wenn die Hirnanhangdrüse oder eine Region im Zwischenhirn zu wenig Hormone produzieren, um die Hoden zu stimulieren. Diese stellen dann wiederum zu wenig des Hormons Testosteron her. Auch eine direkte Fehlfunktion des Hodens kann dazu führen, dass zu wenig Testosteron hergestellt werden kann. Als dritte Ursachengruppe wird in der Medizin ein Defekt der Rezeptoren in den Zielzellen aufgeführt, die genetisch bedingt sein kann. In diesem Fall wird zwar Testosteron hergestellt, kann aber am Zielort nicht wirken. Als letzte Ursachengruppe wird ein idiopathischer Mikropenis bezeichnet, bei dem schlichtweg keine Ursache für die Fehlbildung festgestellt werden kann.

Als genetisch bedingte Ursachen werden rund 20 unterschiedliche Krankheiten und Syndrome mit der Fehlbildung in Zusammenhang gebracht:

  • Partielle Androgenresistenz
  • Robinow-Syndrom
  • Prader-Willi-Syndrom
  • Börjeson-Forssman-Lehman-Syndrom
  • Laurence-Moon-Biedl-Bardet-Syndrom
  • MORM-Syndrom
  • Smith-Lemli-Opitz-Syndrom
  • Kallmann-Syndrom
  • Anorchie
  • SMMCI
  • CHARGE-Syndrom
  • Klinefelter-Syndrom
  • Mikrozephalie-Mikropenis-zerebrale Krämpfe
  • Hypopituitarismus-Mikropenis-Lippen-Kiefer-Gaumenspalte
  • Leydig-Zell-Hypoplasie

Mikropenis oder nicht?

Mehrere Ursachen können zu einem Pseudo-Mikropenis führen, der aber gar keine echte Fehlbildung ist. So kann bei Kindern der Penis verdeckt sein, und zwar von präpubischem Fett. Bei Erwachsenen führt oftmals Übergewicht dazu, dass eine Fehlbildung vermutet wird. Dabei muss die Länge des Penis vom Schambein bis zur Spitze gemessen weniger als 7,5 Zentimeter betragen, und zwar im erigierten oder gestreckten Zustand. Der Mikropenis tritt bei weniger als 2 Prozent der männlichen Neugeborenen auf – diese Zahl hat in den vergangenen Jahren jedoch zugenommen.

Mikropenis messen

Die äußeren Geschlechtsorgane sind sowohl bei Männern als auch bei Frauen in ihrer Größe genetisch bedingt. Aber gerade Männer empfinden ihre Penisgröße häufig als zu klein. Nicht selten leiden diese Männer dann unter dem Eindruck, einen Mikropenis zu haben, mit dem sie ihre Partnerin nicht befriedigen können.

Wann spricht man von einem Mikropenis?

In Erotikfilmen werden überwiegend Männer mit sehr großen äußeren Genitalien dargestellt. Das führt natürlich beim Betrachter dazu, sich selbst mit solchen Darstellern zu vergleichen. In der Regel wird festgestellt, dass der eigene Penis nicht an die oft beachtlichen Längen der Darsteller heranreicht. Allerdings muss hierbei auch beachtet werden, dass in Filmen viele Tricks angewendet werden. So kann schon ein günstig gewählter Kamerawinkel den Eindruck erwecken, dass das Glied besonders groß ist. Männer, die den Eindruck haben, unter einem Mikropenis zu leiden, haben in der Regel jedoch keinen kleineren Penis als der Durchschnitt. Ob die Penisgröße der statistischen Norm entspricht, kann leicht ermittelt werden.

Oft daneben - Den Mikropenis messen will gelernt sein. © Schlierner@fotolia.com

Oft daneben – Den Mikropenis messen will gelernt sein.
© Schlierner@fotolia.com

Medizinisch gesehen überschreitet ein echter Mikropenis eine Länge von 7 cm in erigiertem Zustand nicht – die meisten Männer werden diesen Wert toppen. Um die Penisgröße richtig messen zu können, sollte einiges beachtet werden. Ganz wichtig ist es, die Penisgöße im erigierten Zustand zu erfassen. Dazu wird am steifen Penis von der Schambeinfuge bis zur Penisspitze gemessen. Erst wenn auch richtig Messen eine Länge unter 7 cm ergibt, liegt die Penisgröße unterhalb des Durchschnitts und es wird von einem Mikropenis gesprochen. Dieses wird aber meistens schon im Kleinkindalter festgestellt und kann durch Hormongaben in der Pubertät behandelt werden. Bringt eine hormonelle Behandlung keinen Erfolg, so lässt sich doch durch plastische Chirurgie viel erreichen.

Selbstvertrauen ist wichtig

Männer, die mit ihrer Penisgröße nicht zufrieden sind, sollten sich einmal einem Selbstversuch unterziehen. Als Erstes den Penis im nicht erigierten Zustand richtig messen und danach noch einmal im Zustand voller Erektion. Männer mit kleinen Penissen werden dabei feststellen, dass ihr Glied während der Erektion zur doppelten Länge anwachsen kann. Männer, deren Penis im erschlafften Zustand relativ lang ist, werden dieses Phänomen eher nicht kennenlernen. Sieht auch mancher Penis relativ klein aus, so verbirgt sich dahinter aber selten ein echter Mikropenis.

Der XXL-Penis

Den Ärzten ist schon seit Jahrzehnten das Phänomen des Mikropenisses bekannt. Rund 2 Prozent aller Neugeborenen männlichen Babys weltweit leiden an einem Mikropenis, die Tendenz ist eher steigend. Schuld daran ist laut Studien die Bildung von zu wenig männlichen Hormonen. Das Gegenteil dazu ist der XXL-Penis, wiederum hervorgerufen durch eine genetische oder hormonelle Störung. Der längste XXL-Penis wurde mit etwa 45 cm gemessen.

Ein zu großer Penis bringt ebenfalls Probleme

Die Jungen oder Männer, die einen zu kleinen Penis besitzen, leiden sehr unter diesem Zustand. Bei ihnen geht es nicht nur um den Umstand eines etwas kürzeren Penis. Man bezeichnet einen Penis als Mikropenis, wenn er in unerigiertem Zustand 1 – 3 Zentimeter lang ist. Im erigierten Zustand werden 7 Zentimeter in der Regel nicht überschritten, die meisten sind kürzer. Die Männer, die einen Mikropenis besitzen, sind zumeist nicht in der Lage, normalen Geschlechtsverkehr zu haben. Da werden schnell Männer mit einem XXL-Penis beneidet, aber auch diese haben kein einfaches Leben.

Auch ein XXL-Penis kann im Bett Probleme machen. © maxriesgo@fotolia.com

Auch ein XXL-Penis kann im Bett Probleme machen.
© maxriesgo@fotolia.com

Der Geschlechtsverkehr kann sich mit Frauen schwer gestalten, da diese aufgrund der Penisgröße Schmerzen bekommen können. Nicht selten sind deswegen schon Ehen auseinandergegangen, weil Frauen nur noch selten mit ihren Männern schlafen wollten, aus Angst vor den Schmerzen. Beide Partner vermissen auf Dauer ein regelmäßiges Sexleben, die Trennung ist vorprogrammiert. Frauen ziehen dem XXL-Penis in der Regel einen kleineren Penis vor. Männer mit einem sehr großen Penis leiden viel häufiger unter Potenzstörungen als Männer, die normal oder kleiner bestückt sind. Zu große Blutmengen werden benötigt, um die Erektion eines XXL-Penisses lange aufrechterhalten zu können. Der Mann wird dementsprechend schneller müde, weil das Blut woanders im Körper fehlt.

Sowohl Mikro- als auch XXL-Penis erschweren das Sexleben

Sowohl ein Mikropenis als auch ein XXL-Penis schaffen Probleme und erschweren das Sexleben. Männer mit einem XXL-Penis sind selten so ausdauernde Liebhaber wie Männer mit einem kleineren Penis. Auch Kondome für den XXL-Penis sind kaum zu finden, da die Penisgröße zu selten für eine Massenproduktion ist. Zudem fällt ein XXL-Penis in der Öffentlichkeit eher auf als ein Mikropenis. Ein Mikropenis ist unter einer weiten Badehose noch gut zu verstecken, ein XXL-Penis weniger.

Die psychologischen Auswirkungen

Männer messen ihren physischen Konditionen oft einen enorm hohen Stellenwert bei. Das Selbstbewusstsein des Mannes leidet deshalb stark darunter, wenn die Größe des Penis deutlich geringer als der Durchschnitt ist und von einem Mikropenis gesprochen werden kann. Die Folgen des reduzierten Selbstbewusstseins durch einen Mikropenis sind bei jedem Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt und sehr vielschichtig.

Ein Mikropenis kann die Lebensqualität negativ beeinflussen

Ein Mikropenis kann den Mann unter gewissen Umständen bzw. bei einem stark reduzierten Selbstwertgefühl in seinem Leben umfassend einschränken. Als einer der Hauptaspekte muss hier die partnerschaftliche Beziehung genannt werden. Die Betroffenen fürchten eine ablehnende Haltung einer potenziellen Partnerin, sodass zwischenmenschlichen Beziehungen, die über eine rein freundschaftliche Basis hinausgehen könnten, schon aus Prinzip aus dem Weg gegangen wird.

In der Psychologie ist ein Mikropenis als belastender Faktor gekannt. © Jasmin Merdan@fotolia.com

In der Psychologie ist ein Mikropenis als belastender Faktor gekannt.
© Jasmin Merdan@fotolia.com

Männer mit einem Mikropenis fühlen sich oft minderwertig und können sich nicht vorstellen, dass ein Mädchen oder eine Frau Verständnis für ihr physisches Problem aufbringen könnte.
Des Weiteren ist das Sexualleben der Männer, die durch ihre defensive und abweisende Haltung gegenüber einer Partnerschaft keinen oder nur selten körperlichen Kontakt zum weiblichen Geschlecht haben, als unerfüllt oder sogar als nicht existent zu betiteln. Die gesamte Lebensplanung und die Umsetzung von Träumen kann unter diesem Verhalten leiden, da zum Beispiel der Wunsch nach einem Kind mit der angesprochenen Abstinenz nicht zu vereinen ist. Darüber hinaus sind neben der essenziellen Lebensplanung auch weitere Bereiche von den psychologischen Auswirkungen des Mikropenis betroffen. So wollen die betroffenen Männer intime Situationen, wie das öffentliche Duschen in Gemeinschaftseinrichtungen nach dem Sport, unbedingt vermeiden, sodass auch in diesem Zusammenhang ein negativer Einfluss auf die körperliche Aktivität festzuhalten ist.

Eine eingeschränkte Lebensweise

Das Leben mit einem Mikropenis kann – bildlich gesprochen – zu einem Leben mit angezogener Handbremse führen. So vermeiden die Betroffenen ganz bewusst bestimmte Situationen, in denen ihre körperliche Fehlbildung anderen auffallen könnte und verschließen sich vielen Lebensbereichen dadurch komplett. Die Angst vor Ablehnung und das Gefühl, nicht dazuzugehören, sorgen im Zusammenspiel mit festgefahrenen Verhaltensmustern zu einer Reduzierung der Lebensqualität. Somit lässt sich festhalten, dass die Betroffenen neben den physischen Folgen, die ein Mikropenis mit sich bringt, auch mit gravierenden psychischen Auswirkungen zu kämpfen haben.

Medizinische Hilfe

Auf die Länge kommt es nicht an? Was für viele Frauen eigentlich kein Ausschlusskriterium für eine erfüllte Partnerschaft ist, bedeutet für viele Männer psychische Belastung. Etwa 2 % aller Männer der Welt leiden unter einem sogenannten Mikropenis, mit einer Länge zwischen 1 und 2,5 Zentimetern. Medizinische Behandlung kann hier helfen.

Mikropenis – wo liegen die Ursachen?

Mikropenis kann man bereits bei der Geburt diagnostizieren. Die sogenannte Neugeborenenuntersuchung umfasst auch die Untersuchung der Geschlechtsorgane. Die Ursache des Mikropenis liegt im Hormonhaushalt. Damit ein Penis normal wachsen kann, sind Wachstumshormone in ausreichender Menge erforderlich. Liegt hier ein Defizit vor, kommt es unter Umständen zur Entwicklung des Mikropenis. Auch andere Hormone spielen hier eine Rolle, bzw. das Zusammenspiel mehrerer Hormone. Sind im androgenen Hormonhaushalt Erkrankungen festzustellen, können auch hier Ursachen für einen Mikropenis liegen.

In der Medizin erzielt eine frühe Hormonbehandlung gute Erfolge bei einem Mikropenis. © Gloria Groziak@fotolia.com

In der Medizin erzielt eine frühe Hormonbehandlung gute Erfolge bei einem Mikropenis.
© Gloria Groziak@fotolia.com

Die Größe des Penis an sich ist kein Grund für eine Behandlung, der psychische Druck schon. Bereits im Kindesalter kann es in der Schule zu Hänseleien kommen, auch im Erwachsenenleben fühlt man sich mit einem Mikropenis nicht als vollwertiger Mann. Die Behandlung des Mikropenis kann mit einer Hormontherapie begonnen werden. Dem Betroffenen werden androgene Hormone wie Testosteron verabreicht. Diese Hormontherapie kann bereits im Kindesalter durchgeführt werden. Wird ein Mikropenis nicht bereits im Kindesalter diagnostiziert oder von den Eltern ernst genommen, bleibt im Erwachsenenalter kaum eine andere Möglichkeit als die chirurgische Verlängerung des Penis. Allerdings sind hier die Erfolgsaussichten nicht so ausgeprägt wie bei der Hormontherapie. Der chirurgische Eingriff ist kein Garant für ein erfülltes Sexualleben.

Rechtzeitige Diagnose bringt gute Erfolge

Wichtig ist, dass die Diagnose kompetent und rechtzeitig gestellt wird. Eltern können außerdem bei Unsicherheiten eine zweite Meinung einholen. Empfehlenswert ist eine Hormontherapie, die bereits im Kindesalter durchgeführt wird. So kann der Penis normal wachsen und für den Betroffenen ein gesundes Sexualleben ermöglichen. Eine Penisverlängerung klingt zwar auch nicht schlecht, bringt aber – zumindest in diesem Fall – nicht unbedingt den gewünschten Erfolg. In manchen Fällen, wenn die Diagnose Mikropenis spät erfolgt, ist unter Umständen auch eine psychologische Behandlung notwendig. Die psychische Belastung kann zu Entwicklungsstörungen führen. Deshalb ist es empfehlenswert, rechtzeitig zu handeln.