Morbus Osler ist eine, nach dem kanadischen Internisten William Osler benannte, seltene und erblich bedingte systemische Gefäßerkrankung, bei welcher es zu krankhaften und leicht verletzlichen Erweiterungen der Blutgefäße, als auch zu Kurzschlüssen zwischen Venen und Arterien kommt.

Die, auch Teleangiektasien genannten, entzündlichen Gefäßerweiterungen, können im gesamten Körper auftreten und im Zusammenhang mit den arterio-venösen Kurzschlüssen im Magen-Darm-Trakt, in der Lunge oder im Gehirn im Extremfall lebensgefährliche und schwer zu stoppende Blutungen auslösen. In Deutschland wird die Anzahl der an Morbus Osler Erkrankten auf etwa 35.000 geschätzt.

Ursachen von Morbus Osler

Die Ursache von Morbus Osler ist erblich bedingt und entweder auf eine Störung des Endoglin-Gens auf Chromosom 9 oder aber auf eine Störung des ALK-1-Gens auf Chromosom 12 zurückzuführen. Die Störung der beiden Gene wirkt sich negativ auf das Gefäßbindegewebe der Kapillaren aus, was dazu führt, dass diese sehr dünnwandig und leicht verletzlich werden.

Die Vererbung von Morbus Osler erfolgt autosomal-dominant, was bedeutet, dass in einer Partnerschaft mit einer erkrankten Person, statistisch gesehen, die Hälfte der Kinder, unabhängig vom Geschlecht, die Veranlagung für Morbus Osler ebenfalls in sich trägt. Ein Ausbruch der Krankheit wird mit zunehmendem Alter immer wahrscheinlicher, meistens tritt diese jedoch im mittleren Lebensalter das erste Mal in Erscheinung. In seltenen Fällen kann Morbus Osler bereits schon im Säuglingsalter auftreten.

Symptome bei Morbus Osler

Wie stark die Erkrankung im Einzelfall ausgeprägt ist, variiert von Fall zu Fall. Typisch für die Erkrankung sind viele kleine sichtbare Flecken an Haut- und Schleimhäuten, die sogenannten Teleangiektasien, die vor allem im Bereich des Munds und auf der Zunge, als auch an den Fingerspitzen auftreten.

Aufgrund der ständig wiederkehrenden Blutungen, kommt es bei den Betroffenen häufig zu einer Anämie (Blutarmut), die sich im Allgemeinen als Abgeschlagenheit, Schwäche und Müdigkeit äußert.

Ein für Morbus Osler typisches Symptom ist ein häufiges und oftmals nur sehr schwer zu stillendes Nasenbluten. Auch die Blutungen des Magen-Darm-Traktes, die in den meisten Fällen jedoch erst ab einem Alter von 50 Jahren auftreten, können sehr ausgeprägt sein und die Lebensqualität der Patienten enorm einschränken.

Wenn die Gefäßerweiterungen in der Lunge auftreten, kann dieses ebenfalls zu einem großen Leistungseinbruch führen. Aufgrund der Tatsache, dass die Lungen weniger Sauerstoff aufnehmen können, kommt es unter Umständen zu einer Atemnot, die sich schon bei kleinen Anstrengungen bemerkbar macht.

Sind die Hirngefäße ebenfalls von Morbus Osler betroffen, besteht die Gefahr von Hirnblutungen, die Lähmungen und epileptische Anfälle hervorrufen können.

Diagnose und Verlauf von Morbus Osler

Die Diagnose wird aufgrund der Symptomatik durch die klinische Untersuchung des Patienten gestellt und kann bei Verdacht durch eine genetische Untersuchung abgesichert werden.

Starkes, wiederholt auftretendes, Nasenbluten, Teleangiektasien, Fehlbildungen der Gefäße an inneren Organen und die positive Familienanamnese, sollte wenigstens ein Verwandter ersten Grades die gleichen Symptome aufweisen, sind die Verdachtsmomente der Erkrankung. Sind mindestens drei der genannten, für die Erkrankung typischen, Kriterien erfüllt, so muss von Morbus Osler als Ursache ausgegangen werden.

Durch Ultraschalluntersuchung, Endoskopie und Computertomographie können die Veränderungen der Blutgefäße im Innern des Körpers abgesichert werden.

Der Verlauf der Erkrankung ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Liegt eine Störung des Endoglin-Gens vor, so ist die Wahrscheinlichkeit von Gefäßveränderungen in der Lunge höher und somit auch mit einem komplizierterem Verlauf zu rechnen. Je nachdem, wo die Fehlbildungen der Gefäße auftreten, ist mit unterschiedlichsten Komplikationen zu rechnen, die im Einzelfall den Verlauf der Erkrankung bestimmen.

Therapie von Morbus Osler

Lediglich die Symptome und die Folgeerscheinungen von Morbus Osler können behandelt werden, nicht aber die Erkrankung selbst. Die Anämie wird in der Regel mit Eisenpräparaten behandelt, wobei in Einzelfällen auch Blutransfusionen angezeigt sein können. Eine Verödung der Blutgefäße mit einem Laser, hat oft nur kurzfristig Erfolg, wird aber aus Mangel an Alternativen dennoch häufig durchgeführt.

Durch das Einbringen von Titandrahtknäueln mittels eines Katheters, können die Blutungen im Innern ebenfalls zum Stillstand gebracht werden.

Als letzte Möglichkeit bleibt meist nur die Entfernung des kranken Gewebes in einer Operation. Ist das Nasenbluten zu stark, kann die Nasenschleimhaut eventuell durch die Transplantation von Haut aus einer anderen Körperregion ersetzt werden. Vor allen Eingriffen ist aufgrund des geschwächten Immunsystems der Patienten eine Antibiotika-Behandlung angezeigt.

Morbus Osler vorbeugen

Vorbeugen kann man Morbus Osler nicht. Ist die Erkrankung bekannt, kann lediglich davon abgeraten werden, Nachwuchs zu bekommen, da das Risiko einer erblichen Übertragung von Morbus Osler zu groß ist.

Lediglich das Risiko für Komplikationen, kann, durch eine der Erkrankung angepassten Lebensweise, vermindert werden. Alkohol und Nikotin sind generell zu vermeiden, wie auch jede Art von Stress und körperlich stark beanspruchende Arbeit. Die Ernährung sollte vollwertig und gesund sein. Einer basischen Kost ist ebenfalls anzuraten, um den Körper nicht noch zusätzlich durch eine Übersäuerung zu belasten.

Medikamente & Hausmittel gegen Morbus Osler

Eine medikamentöse Therapie gibt es bei Morbus Osler derzeit noch nicht, jedoch gibt es Hinweise darauf, dass Medikamente, welche die Gefäßneubildung unterdrücken, das Ausmaß der Blutungen eindämmen können.