Nach Knochenbrüchen, aber auch nach Gelenksschäden und Weichteilverletzungen kann eine örtliche Reaktion an Knochen und Weichteilen auftreten, die als Morbus Sudeck oder Sudeck-Dystrophie bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um komplexe Schmerzsyndrome.

Ursachen von Morbus Sudeck

Das Krankheitsbild ist Ausdruck verletzungsbedingter vegetativer Fehlsteuerung bei einer Gefäß- oder Nervenschädigung im Verletzungsbereich. Es handelt sich um ein vegetativ-dystrophisches Geschehen an allen Geweben, also Weichteil- und Knochengewebe einer bestimmten Körperpartie infolge neurovegetativer Dysregulation und zusätzlicher Einwirkung verschiedener endogener Noxen, zum Beispiel fokale Prozesse, neurohormonelle Systemerkrankung oder psychischen Veränderungen, sowie exogener Noxen bei Traumen, Nervenschädigungen, Gefäßerkrankungungen und akute und chronische Entzündungen.

Am häufigsten betroffen sind die Hand, der Handgelenksbreich und der Unterarm, außerdem der Fuß und der Fußgelenksbereich. Meist sind Menschen über vierzig Jahre, Frauen öfter als Männer, davon betroffen. Kinder und Jugendliche sind vom Morbus sudeck kaum betroffen.

Diagnose & Verlauf bei Morbus Sudeck

Es ist noch immer nicht hundertprozentig geklärt, welche Ursachen den Morbus sudeck verursachen.
Beobachtet wird, dass die Betroffenen zu Depressionen und Angstzuständen neigen. Dies ist aber nicht die Ursache der Erkrankung, sondern lediglich eine Folgeerscheinung. Typisch für Morbus sudeck ist, dass oft sehr starke Schmerzen auftreten, obwohl es sich eigentlich um eine recht einfache oder kleine Verletzung gehandelt hat.

Während das erste und zweite Stadium über längere Zeit völlig abklingen können, hinterläßt das dritte Stadium stets erhebliche Defekte.

Symptome/Anzeichen bei Morbus Sudeck

Im ersten Stadium treten erhebliche Schmerzen trotz guter Ruhigstellung, oft peripher nach zentral ausstrahlend, auf. Die Betroffenen vermeiden deswegen oft jede Bewegung. Das Verletzungsgebiet ist geschwollen, die Haut ist bläulichrot verfärbt und zeigt eine Temperaturerhöhung gegenüber der gesunden Umgebung. Die Muskulatur ist schlaff. Eine Entkalkung der Knochen beginnt. Dies ist durch ein Röngten gut darstellbar.

Das zweite Stadium tritt nach ungefähr drei bis vier Wochen ein. Die Schwellung ist abgeklungen und die Haut ist kühl und schlaff. Das unter der Haut liegende Fettgewebe hat abgenommen. Die Muskulatur ist atrophisch und die Gelenkskapsel ist geschrumpft. Die Entkalkung der Knochen ist weiter fortgeschritten.

Behandlung/Therapie von Morbus Sudeck

Die früher einmal übliche Verletzungsbehandlung mit Heißluftbestrahlung und Massagen nach Verletzungen wurde längst aufgegeben. Vorbeugend wirkt aber die systematische, schonende, aktive Übung aller Gelenke der verletzten Gliedmaßen, die nicht verletzungsbedingt ruhiggestellt bleiben müssen, vom Behandlungsbeginn an.

Dabei darf keine Übung Schmerzen hervorrufen. Wird durch gezielte Behandlung keine Normalisierung der Stoffwechelvorgänge im Dystrophiebezirk erreicht, so entwickelt sich das dritte Stadium, nämlich das der Atrophie des betroffenen Gliedbezirkes. Haut, Muskeln und Knochen verschmächtigen sich. Erhebliche Funktionsstörungen, aber auch Kontrakturen und Gelenkssteifen können sich bilden. Schmerzen bestehen nicht mehr. Die Entkalkung des Knochens stellt sich im Röntgenbild hochgradig dar.

Medikamente und Hausmittel gegen Morbus Sudeck

Als Behandlung erfolgt eine Ruhigstellung. Dabei ist darauf zu achten, dass sich die Gelenke in einer sehr guten Funktionsstellung befinden. Alle Schmerzreize müssen vermieden werden. Weiters werden durchblutungsfördernde Medikamente verabreicht. Ebenso bewährt haben sich Cortisonanwendungen, Vitamine, und hier gezielt das Vitamin D, da es hilft, den Knochen wieder aufzubauen und Grenzstrangblockaden.

Übungsbehandlungen müssen jeden Schmerzreiz vermeiden und über sehr lange Zeit fortgesetzt werden. Nur aktive Übungen sind dabei erlaubt.

Trotz bester Therapie sind einige Betroffene therapieresisdent. In einigen Fällen tritt die Erkrankung erneut auf, manchmal auch auf der gegenüberliegenden Seite. In diesen Fällen ist neben einer Physio- und Ergotherapie auch eine psychologische Therapie empfehlenswert.

Morbus Sudeck vorbeugen

Wegen des komplexen Krankheitsbildes ist die Diagnose oft nur sehr schwer zu stellen und erfolgt oftmals zu einem späten Zeitpunkt. Wichtig ist, dass so bald als möglich mit der Schmerztherapie begonnen wird.