In Deutschland werden jährlich etwa 1000 neue Fälle von Querschnittslähmung gezählt, wobei ca. 80% der Betroffenen Männer sind. Die Querschnittslähmung ist keine Erkrankung im eigentlichen Sinne, sondern bezeichnet die Kombination von verschiedenen Symptomen, die auftreten, wenn die Nervenleitungen im Rückenmark unterbrochen sind (Spinalisation).

Betroffene Region: das Rückenmark

Rückenmark und Gehirn bilden das zentrale Nervensystem, das über die Nervenzellen mit den Zellen in den verschiedenen Teilen des Körpers kommuniziert. Es wird durch eine Art knöchernen Kanal (Spinalkanal) innerhalb der Wirbelsäule geschützt und leitet Signale vom Gehirn an die Muskeln weiter sowie Informationen (z. B. Schmerz, Berührung) aus dem Körper wieder an das Gehirn. Außerdem befinden sich im Rückenmark Nerven, deren Aufgabe die Steuerung von Funktionen der inneren Organe ist und die dem vegetativen Nervensystem zugeordnet sind. Wird diese Übertragung gestört, sind damit nicht nur motorische Beeinträchtigungen (Lähmungen) sondern auch Defekte im vegetativen Nervensystem verbunden, das wichtige Körperfunktionen, wie Stoffwechsel, Atmung, Herzfrequenz und Verdauung kontrolliert.
Das Rückenmark in ist fünf Abschnitte untergliedert, wobei jeder Spinalnerv ein bestimmtes Areal oder Organ im Körper versorgt.

Das Ausmaß der Querschnittslähmung wird über den betroffenen Rückenmarksnerv charakterisiert. Dabei steht die Bezeichnung für das letzte noch intakte Segment. Je höher das betroffene Segment lokalisiert ist, desto dramatischer sind die Folgen. Sind nur die unteren Extremitäten betroffen, wird das klinische Bild als Paraplegie oder Paraparese bezeichnet, dagegen wird für die Lähmung aller vier Extremitäten der Begriff Tetraplegie gebraucht. Je nach Schwere der Ausfälle spricht man von einer Parese für die inkomplette und von einer Plegie bei der kompletten Lähmung der motorischen Funktionen.

Unfälle als Ursache von Querschnittslähmungen

Etwa 70% der Querschnittslähmungen entstehen durch schwere Unfälle (spinales Trauma), bei denen es zu einem Bruch in der Wirbelsäule und damit zu einer Quetschung oder Verschiebung des Rückenmarks kommt. Im Laufe des Geschehens werden die Nervenzellen zusätzlich durch Entzündungsreaktionen geschädigt.

Wodurch können Querschnittslähmungen noch entstehen?

Weitere Ursachen für eine Querschnittslähmung können Erkrankungen im Rückenmark selbst oder dessen Umgebung sein, die mit einer Zerstörung von Rückenmarkssegemnten und somit einer Unterbrechung der Kommunikation zwischen Rückenmark und Erfolgsorganen einhergehen:

• Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr oder des Blutflusses, z. B. bei einem Schlaganfall
• Blutungen in dem Areal
• Bandscheibenvorfall
• Tumorerkrankungen
• Entzündungen und Infektionen
• Multiple Sklerose.

Die Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, das heißt, der Körper mobilisiert auf Grund einer Fehlregulation das Abwehrsystem gegen körpereigene Strukturen. Infolge dieses Angriffs kommt es unter anderem zu Entzündungen und Vernarbungen, die dann eine verschlechterte Signalübertragung zur Folge haben und zu einer Querschnittslähmung führen. Die genaue Ursache der Erkrankung ist noch nicht geklärt.

Das Rückenmark

Innerhalb der Wirbelsäule im so genannten Spinalkanal verläuft das Rückenmark. Es bildet zusammen mit dem Gehirn das zentrale Nervensystem, das ein Teilsystem des Nervensystems darstellt.

Aufbau

Wie die Wirbelsäule ist das Rückenmark in Segmente unterteilt. Hier sind die Nervenfasern und -zellen zu verorten. Die Segmente der beiden Körperteile liegen aber nicht auf gleicher Höhe, da das Rückenmark langsamer wächst als die Wirbelsäule. Bei einem Erwachsenen reicht sie nur bis zum 1. oder 2. Lendenwirbelkörper.

Ummantelt wird das Rückenmark von einer harten und einer weichen Hautschicht; zwischen Haut und Mark liegt Fett- und Bindegewebe. Wie das Gehirn auch wird es von Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit umgeben. Auf beiden Seiten finden sich drei Stränge zwischen denen die Hinter- und Vorderwurzeln der Spiralnerven austreten. Das Rückenmark selbst besteht aus so genannter grauer und weißer Substanz. Erstere wird aus Nervenzellkörpern gebildet. Die weiße Substanz, die Axone, setzt sich aus motorischen und sensorischen Nervenbahnen zusammen.

Vermittlungsfunktion

Das Rückenmark verläuft innerhalb des Wirbelkanals der Wirbelsäule. © Fotolia.com

Das Rückenmark verläuft innerhalb des Wirbelkanals der Wirbelsäule.
© Fotolia.com

Das Rückenmark ermöglicht die Kommunikation zwischen dem Gehirn auf der einen und Organen, Muskeln und Haut auf der anderen Seite. Reize zur Auslösung von Bewegung oder Empfindung wandern die Nervenbahnen entlang zu ihrem jeweiligen Bestimmungsort. Hierbei gibt es auch Informationen an das vegetative Nervensystem weiter.
Das Rückenmark sorgt dabei nicht nur für die Vermittlung von Signalen an die peripheren Nerven und umgekehrt, sondern ist selbst dazu in der Lage, Impulse auszusenden, wenn die Übermittlung an das Gehirn mit anschließender Reaktion zu lange dauern würde.

Welche Schäden sind möglich?

Durch seine zentrale Bedeutung im Nervensystem können Verletzungen und Schäden am Rückenmark zu weitreichenden Folgen führen. Die Schwere hängt davon ab, welche Bestandteile betroffen sind. Schädigungen der grauen Substanz führen zu einem Ausbleiben der Signale im betreffenden Abschnitt, während die Nervenbahnen der weißen Substanz ihre Funktion noch vollständig durchführen können.

Wird aber die weiße Substanz in Mitleidenschaft gezogen, verhindert dies eine Weiterleitung motorischer und sensorischer Signale an alle darunter liegenden Segmente, wodurch diese Körperabschnitte gelähmt werden. Betroffene Nervenfasern lassen den darunter liegenden Axonteil absterben. Schädigungen führen demnach sogar noch Stunden oder Tage später zu weiterem Sterben von Nervenzellen.

Die häufigste Ursache für Schädigungen am Rückenmark sind Unfälle, bei denen es zu einem enormen Druck (Schleudertrauma) oder zur Durchtrennung von Nerven (Querschnittslähmungen) kommen kann. Solcherart kann die Tetraplegie sein, bei der alle vier Gliedmaßen betroffen sind.

Schädigender Druck kann durch Tumore oder einen Bandscheibenvorfall entstehen. Entzündungen, wie die Multiple Sklerose, Infektionen und Durchblutungsstörungen sind weitere Ursachen für eine Schädigung. Aber auch angeborene Missbildungen können eine normale Funktionsfähigkeit der Nerven beeinträchtigen.

  • Druck
  • Durchtrennung
  • Infektionen
  • Durchblutungsstörungen
  • Missbildungen

Das vegetative Nervensystem

Neben dem somatischen Nervensystem ist das vegetative Nervensystem ein Teil des zentralen Nervensystems.Es wird auch autonomes Nervensystem genannt, weil es für alle automatisch ablaufenden Körperfunktionen verantwortlich ist.

Welche Funktion hat das vegetative Nervensystem?

Das vegetative Nervensystem ist für alle, nicht bewusst beeinflussbaren, Körperfunktionen zuständig. Es regelt Funktionen, wie das Verdauungssystem, die Atmung, den Herzschlag oder den Stoffwechsel, sowie auch den Wasserhaushalt oder die Sekretion.

Man kann also bewusst keinen Einfluss auf die Funktionen des Körpers ausüben, außer einer Beeinflussung durch autogenes Training, Hypnose, Yoga oder anderer Entspannungsmethoden. Selbst bei völliger Bewusstlosigkeit werden die genannten Funktionen im Körper ablaufen. Das vegetative Nervensystem ist aber auch für die nervliche Kontrolle von Organen und Organsystemen verantwortlich. Hierzu gehören zum Beispiel die inneren Augenmuskel oder auch die Kontrolle der Sexualorgane.

Das zentrale Nervensystem versorgt die glatte Muskulatur der inneren Organe wie dem Herz, dem Magen-und Darmtrakt oder der Pankreas.

Das Zentrale Nervensystem besteht aus zwei gegensätzlich zueinander arbeitenden Nervensystemen,welche sich gegenseitig bedingen. Man unterscheidet das Sympatische- und das Parasympatische Nervensystem. Während das Sympatische Nervensystem für alle aktiven Funktionen zuständig ist, ist das Parasympatische Nervensystem für die dazu ausgleichende Ruhe zuständig, wie Entspannung oder Schlaf.

Welche Störungen des vegetativen Nervensystems sind bekannt?

Von einer Störung des vegetativen Nervensystems spricht man, wenn den Symptomen keine eindeutige organische Erkrankung zu Grunde liegt. Sie ist äußerst schwer zu diagnostizieren. Viele Patienten wechseln so lange den Arzt bis die Diagnose bestätigt ist. Sie äußert sich in Schlaflosigkeit, Störung im Herz-Kreislaufsystem, Störung des Magen-und Darmtraktes oder einer Störung der Sexualorgane. Störungen im Bereich der Sexualorgane oder des Magen-und Darmtraktes, können auch in einer Form der Querschnittslähmung, der Tetraplegie Ihre Ursache haben.

Bei einer Querschnittslähmung werden, durch Verletzung der Nerven im Rückenmark, sämtliche Gliedmaßen gelähmt und damit einher gehend auch eine Störung des vegetativen Nervensystems. Eine Querschnittslähmung kann auch nur in den unteren Extremitäten stattfinden oder ebenso eine einseitige Lähmung. Ausschlaggebend für die Lähmung der einzelnen Extremitäten, ist die Stelle, an der das Rückenmark geschädigt ist. Die Multiple Sklerose ist eine chronische, entzündliche Erkrankung von Nervenzellen, im Rückenmark und somit ist dadurch auch eine Störung des vegetativen Nervensystems möglich. Die Multiple Sklerose kann alle Organe, Organsysteme und Nervenzellen befallen.

Die Folgen einer Tetraplegie

Unter der allgemeinen Tetraplegie versteht man eine bestimmte Form der Querschnittslähmung. Hierbei sind alle vier Gliedmaßen des menschlichen Körpers unbeweglich. Sofern eine solche Erkrankung auftritt, ist das Rückenmark im Halswirbelbereich des Patienten betroffen. Die Tetraplegie kann durch verschiedene Gründe hervorgerufen werden. Oft geschieht es durch eine Infektion, einen Tumor, eine Erbkrankheit oder gar durch ein gewisses Trauma.

Zu den häufigsten Ursachen gehören folgende Erkrankungen:

  • Kinderlähmung
  • Trauma
  • Polyneuritis
  • Syringomyelie
  • Osteoporose
  • Thrombose

Auch bei Multiple Sklerose kann eine Tetraplegie in der Endphase der Erkrankung stattfinden. Diese verschlechtert sich, erfahrungsgemäß, im Verlauf der Krankheit.

Die Querschnittslähmung zählt zu den Körperbehinderungen und bedarf einer hohen Bereitschaft zur Pflege. Die betroffenen Menschen, sind häufig auf die Hilfe von Pflegepersonal und anderen Hilfeleistungen, angewiesen. In der Welt der Öffentlichkeit gibt es viele berühmte Personen, die die Erkrankung besitzen, aber dennoch ein gutes Leben führen. Der in Deutschland wohl bekannteste Fall des Samuel Koch, der in einer Wetten Dass ?! Sendung stürzte, zeigt ganz offen, dass er sich von der Lähmung nicht unterkriegen lässt und dennoch viel Spaß am Leben hat.

Die Folgen der Tetraplegie

Krankengymnastik kann helfen die Symptome der Tetraplegie zu lindern. © Fotolia.com

Krankengymnastik kann helfen die Symptome der Tetraplegie zu lindern.
© Fotolia.com

Bei der Tetraplegie wird zwischen zwei Arten unterschieden. Es gibt die komplette und die inkomplette Lähmung. Sofern ein vollständige Quetschung oder Zerstörung des zentralen Nervensystems besteht, kann keine motorische Funktion der Gliedmaßen mehr erfolgen. Oft leiden die Patienten unter großen Schmerzen im Grenzbereich der Lähmungen. Auch Mißempfindungen und ähnliche Symptome können auftreten. Die meisten Patienten beschreiben ihre Schmerzen als pochend oder brennend. In seltenen Fällen kann auch das Gehirn gelähmt werden. Sollte dieser Fall eintreten, so sind beinahe alle Reflexe des Körpers gestört und können nicht mehr korrekt ausgeführt werden. Die meisten Patienten können dann nicht mehr richtig sprechen, sehen oder hören.

In besonders extremen Fällen werden, sowohl die Funktionen der Sexualorgane, als auch die Blasen- und Darmfunktionen beeinträchtigt, sodass dies eine Inkontinenz zur Folge haben kann. Die Tetraplegie kann also eine große Beeinträchtigung für die Betroffenen darstellen. Durch eine spezielle Medikation und viel Krankengymnastik, können sowohl die Symptome, als auch die Krankheitsverläufe, gemildert werden. Eine vollständige Heilung, ist jedoch eher unwahrscheinlich.

Multiple Sklerose

Multiple Sklerose ist die häufisgste Nervenerkrankung. Hierbei ist das zentrale Nervensystem chronisch entzündet, was wiederum zu Verletzungen im Gehirn und im Rückenmark führt. Durch die Reaktionen der Entzündungen ist es dem Rückenmark nicht mehr möglich Impulse weiter zu leiten – dies führt letztendlich zu der gefürchteten Lähmung.

Ursachen

Die Gründe für Multiple Sklerose werden im Allgemeinen in einer Autoimmunreaktion gesucht. Die Abwehrzellen des Körpers greifen den Körper selbst an. Dies führt zu einer Schädigung der Nervenfasern. Ist eine Nervenfaser betroffen, können Impulse nicht mehr ordnungsgemäß weiter geleitet werden.
Wie dies aber genau entsteht ist noch immer nicht bis ins Detail geklärt und viele vage Vermutungen werden von Ärzten angestellt.

Womöglich ist es so, dass eine begünstigende Kombination aus Erbanlagen und Umwelteinflüssen zusammentreffen müssen, damit die Erkrankung entsteht. Auch wenn Multiple Sklerose unter Umständen erblich bedingte Faktoren beinhaltet, so ist es allerdings keine „typische“ Erbkrankheit, da das Risiko der Nachkommen nur minimal erhöht ist an Multiple Sklerose zu erkranken im Vergleich zum Rest der Bevölkerung.

Welche Umweltfaktoren eine Rolle spielen, darüber werden bisher nur Hypothesen aufgestellt. Unter Umständen ist es davon abhängig, welche frühen Infektionen in der Kindheit durchlaufen wurden. Andere Theorien sprechen von einem zu hohen Vitamin-D- Spiegel in jungen Jahren. Auch Hormone könnten eine zentrale Rolle spielen, nicht zuletzt, da Frauen ein doppelt so hohes Risiko haben zu erkranken als Männer.
Wie auch immer diese Krankheit entsteht, eines ist mit Sicherheit zu sagen: Sie ist nicht ansteckend.

Symptome

Die Symptome bei Multiple Sklerose sind vielfältig und unterscheiden sich interindividuell zum Teil enorm. Je nachdem wo die Entzündung entsteht, können andere Symptome auftreten. Trotzdem soll eine kurze Auflistung der häufigsten Symptome aufgestellt werden:

  • Empfindungsstörungen in Armen oder Beinen (meist das Erstsymptom)
  • Sehstörungen
  • Störungen der Muskelfunktion (z.B. Kraftlosigkeit, Lähmung, Muskelsteife, Gleichgewichtsstörungen und Probleme mit der Koordination)
  • Probleme die Blase / den Darm zu entleeren
  • Sprache zunehmend undeutlich
  • Schnelle Ermüdung
  • Probleme bei der Sexualität
  • Zielführende Bewegungen können nur noch mit Problemen ausgeführt werden
  • Psychische Störungen

Therapie

Bis zum heutigen Tage gibt es noch kein effektives Mittel um die Krankheit zu heilen, allerdings gibt es Medikamente, um Multiple Sklerose zu behandeln damit die Lebenserwartung und -qualität steigt. Neben einer Langzeittherapie und einer Therapie welche die immer wieder auftretenden Schüben behandelt, gibt es auch die Option spezifische Symptome punktuell zu behandeln. Auch eine psychologische Betreuung sollte genutzt werden.
Die Schübe werden vor allem mit Kordikosteroide und Plasmapherese behandelt. Diese beeinflussen das Immunsystem positiv.

Die Langzeitbehandlung steht auf drei Säulen: Der Basistherapie (Interferone, Glatirameracetat), den Reservemitteln (Azathiophrin, Immunglobuline) und einer Eskalationstherapie (Natalizumab, Fingolimod, Mitoxantron, Cyclophosphamid). Ist dies noch nicht ausreichend, bzw. führt dies zu keiner Besserung, können zusätzlich Chemotherapeutika oder moderne Verfahren mit der Zunahme von Antikörpern versucht werden. Weiterhin müssen individuelle Symptome spezifisch behandelt werden. Dazu können Physio- oder Ergotherapien zählen oder auch Antidepressiva.

Zu empfehlen sind auch immer Selbsthilfegruppen, in welchen sich die Betroffenen austauschen können.