Bei dem Raynaud-Syndrom handelt es sich um eine Gefäßerkrankung, die nach ihrem französischen Entdecker, dem Arzt Maurice Raynaud (1934-1981) benannt wird. Im Volksmund wird die Erkrankung auch „Weißfinger“ genannt, weil bedingt durch Kälte und Nässe, die Finger gefühllos und weiß werden können. Typisch sind die Beschwerden an Fingern und Händen, können aber auch an der Nase, den Ohren und den Zehen auftauchen. Auch gibt es Fälle, wo sich bei schwangeren und stillenden Müttern die Brustwarzen weiß verfärbt haben.

Während in den USA schätzungsweise 5 bis 10 Prozent an dem Raynaud-Syndrom leiden, sind es bei uns 2 bis 16 Prozent, wovon Frauen den größeren Anteil einnehmen.

Als Ursache für das Raynaud-Syndrom wird ein Ungleichgewicht zwischen gefäßverengenden und gefäßerweiternden Mechanismen verantwortlich gemacht. Durch bestimmte Auslöser, wie Nässe, Kälte oder auch emotionaler Stress ziehen sich plötzlich kleine Blutgefäße krampfartig zusammen und verursachen dann diese weiße Verfärbung. Hier findet eine sogenannte Ischämie statt, eine Minderdurchblutung des Gewebes, das bis zum vollständigen Durchblutungsausfall führen kann. Die Erkrankung verläuft über drei Phasen: Zuerst die bereits erwähnte Ischämie, danach tritt eine bläulich bis violette Verfärbung ein, die Zyanose, und in der dritten Phase dann die Hyperämie, die mit Kribbeln und Klopfen der betroffenen Körperregionen einhergeht und Rötungen hervorrufen. Bei der Hyperämie beruhen die Symptome darauf, dass die Glieder wieder durchblutet werden. So eine Attacke kann minutenlang anhalten und auch bis zu Stunden dauern.

Bei Menschen ohne dieses Syndrom reagiert der Körper bei einem plötzlichen Kälteeinfall damit, dass es mehr Blut von den oberflächlichen Hautgefäßen in die tieferen Körpervenen leitet. Bei Menschen mit dem Raynaud-Syndrom liegt hier eine Fehlinnervation vor.
Es gibt zwei Arten der Erkrankungen – die primäre und die sekundäre Form. Betroffene, die als „Weißfingerpatienten“ bezeichnet werden und es mit der primären Form zu tun haben, gehören zu der eher harmlosen Variante und behalten keine Folgeschäden. Die sekundäre Form kann als Gefäßentzündung und Begleitstörung bestimmter neurologischer Erkrankungen auftreten. Leider gibt es noch keine ursächlich wirksame Therapie gegen das Raynaud-Syndrom, nur Symptomlinderung durch den Arzt. Hier heißt es: Vorbeugen! Vielen Betroffenen hilft es schon, die Hauptauslöser zu meiden: spezieller Kälteschutz und Stresssituationen meiden.

Ischämie

Unter einer Ischämie versteht man im medizinischen Bereich eine Minderdurchblutung eines Gewebes. Ebenso ist es möglich, dass ein Organ minder durchblutet wird bzw. ein kompletter Durchblutungsausfall möglich ist. Oftmals tritt diese Erkrankung dann auf, wenn eine Veränderungen bei den Blutgefäßen erfolgt. So ist ein Verschluss oder auch eine Verengung eines Blutgefäßes für Ischämie verantwortlich. Verschlüsse wie auch Verengungen treten in erster Linie bei einer Embolie oder auch bei einer Thrombose auf.

Weshalb die Ischämie auftritt

Im medizinischen Bereich wird die sogenannte Verengung Stenose genannt. So gibt es die Arterielle Verschlusskrankheit oder auch die Arteriosklerose, welche auch kurz AVK genannt wird. Ebenso gibt es funktionell bedingte Verengungen, die auch auf Grund eines Kreislaufschocks oder auch auf Grund des Raynaud Syndroms auftreten. Im Gegensatz zur Ischämie verläuft das Raynaud Syndrom in drei Phasen, wobei die erste Phase sehr wohl die Ischämie selbst ist. Die blasse wie weiße Haut, hervorgerufen durch die Minderdurchblutung wie auch durch die dazu kommende Gefühllosigkeit wie Schmerzen sind das erste Anzeichen. Danach folgt die Zyanose wie auch die reaktive Hyperämie.

Die Gefahren der Ischämie

Die Ischämie ist bekannt dafür, dass sie vorübergehend auftritt. Bei dieser Art wird sie gerne passager genannt und bleibt auch ohne Folgen. Jedoch gibt es sehr wohl die Möglichkeit, dass die Symptome länger auftreten und die Minderversorgung erhebliche Schäden am Gewebe anrichten kann. Die Ischämie ist zudem auch für eine Behinderung des Stoffwechsels verantwortlich und kann so weit gehen, dass der Stoffwechsel gar nicht mehr angetrieben wird. Mediziner sind der Ansicht, dass auch aufgrund von Sauerstoffmangel diese Symptome auftreten können bzw. ein Grund sind, weshalb diese Krankheit bzw. Gewebeschädigung überhaupt auftritt.

Die Körperregion entscheidet über die Zeitdauer

Sollte der Zustand bestehen bleiben ist die Gefahr einer Nekrose gegeben. Auch Infarkte, wie etwa ein Herzinfarkt, können erfolgen. Ebenso ist es möglich, dass auf Grund der Gewebeschädigung ein Dekubitus entsteht. Je nach Organ ist die Zeitdauer, bis bleibende Schäden oder überhaupt Schäden entstehen, unterschiedlich. Beim Gehirn beträgt die Zeit wenige Minuten; bei Extremitäten sind mehrere Stunden möglich.

Hyperämie

Unter einer Hyperämie versteht man das genaue Gegenteil einer Ischämie. Während bei der Ischämie eine Minderdurchblutung des Gewerbes oder einzelner Organe auftritt, ist hier ein übermäßiges Blutangebot vorhanden. Auch hier tritt das übermäßige Blutangebot bei einzelnen Organen auf oder bei Gewebeteilen. Grund dafür sind Gefäßweitstellungen, welche für das übermäßige Blutangebot verantwortlich sind.

Ursprung und Entstehung

Hervorgerufen wird die Hyperämie durch diverse Reizungen. So kann bereits eine Entzündung im Körper die Krankheit auslösen bzw. auch eine Infektion. Ebenso ist es möglich, dass eine Anomalie des Blutkreislaufs die Hyperämie hervorruft. Ebenso ist es möglich, dass durch körperfremde Reizstoffe ein exogenes Auftreten möglich ist. So entsteht eine stärkere Durchblutung durch das Auftragen einer durchblutungsfördernden Salbe auf der Haut. Ebenso ist eine reaktive Hyperämie möglich. Beispielsweise wenn die Messung der maximalen Durchblutung vorgenommen wird. So wird oftmals eine kurze Hyperämie hervorgerufen, wenn die Manschette des Blutdruckmessers gelockert bzw. gelöst wird. Ebenso ist es möglich, dass auch ein Kältereiz dafür verantwortlich ist. Oftmals ist es auch möglich, dass beim Morbus Raynaud eine Hyperämie auftritt, welche jedoch als äußerst schmerzhaft beschrieben wird.

Der Unterschied zwischen der aktiven und passiven Form

Hyperämie kann unter anderem durch Sport hervorgerufen werden. © Fotolia.com

Hyperämie kann unter anderem durch Sport hervorgerufen werden.
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Differenziert wird zwischen einer passiven und einer aktiven Hyperämie. So wird bei der aktiven Form eine Entzündung festgestellt, welche auf Grund von diversen Substanzen ausgelöst wurde. So können für eine aktive Form Histamine verantwortlich sein. Ebenso gibt es auch neurogene Ursachen für eine aktive Form – etwa Emotionen oder auch Sport. Bei der passiven Art hingegen ist oftmals eine venöse Blutstauung dafür verantwortlich, welche oftmals durch diverse andere Krankheiten auftritt. So etwa durch eine Herzinsuffizienz, einer Thrombose wie auch einer Leberzirrhose. Ödeme können die Folge sein.

Die Behandlung

In vielen Fällen ist eine Behandlung nicht erforderlich. So tritt die Hyperämie auch nach Saunabesuchen oder nach Sport auf, sodass sie in der Regel in diesem Zusammenhang nicht als Krankheit oder Symptom einer Krankheit gewertet wird. Sollte jedoch eine Hyperämie auf Grund einer Entzündung hervorgerufen worden sein, so muss dies sehr wohl medizinisch abgeklärt werden. So wird kontrolliert, welche Entzündung dafür verantwortlich ist und ob diese in der Tiefe des Körpers stattfindet oder außerhalb bzw. oberflächig agiert.

Zyanose

Unter Zyanose versteht man bläuliche oder violette Hautverfärbungen. Daher kommt auch die Bezeichnung Blausucht. Allerdings können diese Verfärbungen nicht bloß die Haut sondern auch die Schleimhäute, die Fingernägel und die Lippen betreffen. Diese Verfärbungen müssen dabei nicht zwangsläufig überall und auch nicht gleich stark auftreten. Bei akutem Auftreten kann sie eine lebensbedrohliche Organismusstörung anzeigen. Tritt sie über einen längeren Zeitraum auf kann sie eine chronische Erkrankung anzeigen. Es sollte damit auf alle Fälle ein Arzt konsultiert werden. Auch tritt diese Erkrankung oft bei Babys und Kleinkindern auf. Hier ist der Arztbesuch dann unumgänglich.

Ursachen einer Zyanose

In der Regel ist eine Unterversorgung des Blutes mit Sauerstoff der Auslöser einer Zyanose. Auch eine krankhafte Veränderung der Lunge kann die Ursache dafür sein. Durch die sauerstoffabhängige Farbe des Hämoglobins entsteht der bläuliche Farbton. Ist das Hämoglobin aber sauerstoffreich färbt es sich hellrot. Befinden sich nur circa 5 Gramm desoxygeniertes Hämoglobin in 100 ml Blut wird die Zyanose sichtbar. Schuld an einer Zyanose kann auch ein Herzfehler sein, oder sie tritt als Neben- oder Folgeerkrankung eines Herzfehler auf. So wie zum Beispiel bei einem Lungenödem. Auch eine zu hohe Dosierung von dem Antioxidationsmittel Propylgallat kann der Auslöser dieser Erkrankung sein. Auch eine Herzinsuffizienz kann ursächlich sein. Desweiteren kann auch eine kurzzeitige und starke Kälte eine vorübergehende Zyanose auslösen. Aber hauptursächlich sind alle Herzerkrankungen, wie zum Beispiel Herzklappenfehler, Herzrhythmusstörungen, Herzentzündungen oder auch Herztumore. Auch alle möglichen Lungenerkrankungen, wie beispielsweise eine chronische Bronchitis, Asthma bronchiale, ein Lungenemphysem, eine Lungenentzündung oder eine Lungenfibrose können der Auslöser sein.

Symptome einer Zyanose

Die ersten Anzeichen dieser Erkrankung sind natürlich die Farbveränderungen der Haut, Fingernägel oder Lippen. Auch leiden Betroffene oft unter Atemnot, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Auch ein Konzentrationsmangel ist zu beobachten.

Behandlung der Zyanose

Als allererste Aufgabe steht bei der Zyanose-Therapie die Beseitigung der Ursachen. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind Allgemeinmaßnahmen wie zum Beispiel Bettruhe. Auch kann die Therapie mit Medikamenten begleitet werden. In selteneren Fällen sind auch operative Eingriffe nötig. Als zusätzliche Therapie kann der Patient zum Beispiel über eine Nasensonde Sauerstoff verabreicht bekommen. Auch homöopathische Medikamente können begleitend eingenommen werden. Am besten entscheidet man sich hierbei für ein Mittel.

Der Sympathikus

Der Sympathikus gehört zusammen mit dem Parasympathikus zum vegetativen Nervensystem. Insgesamt erstreckt sich der komplette Sympathikus als Stränge an beiden Seiten der Wirbelsäule von der Schädelbasis bis zur Steißbeinspitze. Von der Höhe der Halswirbel C8 und dem Lendenwirbel L2 liegen zusätzlich sympathische Zentren.

Funktion von Sympathikus und Parasympathikus im Nervensystem

Die Tätigkeit des Nervensystems beeinflusst den gesamten Körper unwillkürlich. Mit Hilfe von elektrischen Impulsen und chemischen Botenstoffen, den Transmittern Acetylcholin und Noradrenalin, lösen sie im Körper die vegetativen Reaktionen aus.

Der Sympathikus lässt den Körper auf Gefühlsregungen reagieren. Unter anderem ist er für das Schwitzen und das Zittern bei Lampenfieber oder anderen Ängsten zuständig.

Der Sympathikus regt zur Tätigkeit an, der Parasympathikus wirkt hemmend. Während der Herzschlag bei Erregung des Sympathikus erhöht wird und Gefäße verengt werden, wird der Herzschlag bei Erregung des Parasympathikus verlangsamt und die Gefäße erweitert.

Mit seiner Wirkung auf die Blutgefäße ist der Sympathikus ein wesentlicher Faktor der Raynaudschen Erkrankung.

Überfunktion

Zeiten langer seelischer Überlastung, wie dauerhafte Angst, Wut, Hilflosigkeit bei von außen einwirkender sozialer oder körperlicher Gewalt und zahlreiche Krankheiten führen zu anhaltenden Impulsen vom Nervensystem an den Körper, die das Leben erheblich erschweren können. Diese Impulse werden in den meisten Fällen auch dann noch weiter gegeben, nachdem die eigentlichen Ursachen längst beseitigt sind.

Die ständige Überreizung des Nervensystems ruft vielfältige Probleme hervor. Starkes, ständiges Schwitzen, dauerhaft erhöhter Herzschlag, Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen und vieles mehr. Dazu kommt eine chronische Erschöpfung durch die unwillkürliche Überaktivität des Körpers. Der Körper kann bei einer Fehlfunktion des Sympathikus regelrecht aufgebraucht werden, wie bei körperlicher Schwerstarbeit.

Die Steuerung des vegetativen Nervensystems bei Überfunktion

Eine naheliegende positive Beeinflussung des Nervensystems ist die Stressbewältigung mit Naturheilverfahren und körperlicher stressfreier Betätigung. Auch können zahlreiche Rezeptoren Blocker die Überreizung stoppen.

Das Raynaudsche Syndrom ist ebenfalls einer Überfunktion des Sympathikus anzurechnen, bei der die Blutgefäße verengt werden und die Durchblutung behindert wird.

Die Erregbarkeit des sympathischen Nervensystems wird durch Arzneien gedämpft, durch Einspritzungen von Betäubungsmitteln wie Novokain vorübergehend geblockt oder durch eine Operation dauerhaft ausgeschaltet. Die Operation ist nicht ungefährlich durch die nahe Lage zu den Wirbelkörpern und wird bei dem Raynaudschen Syndrom nur in schweren Fällen einer Mangeldurchblutung durchgeführt.