Das Reiter-Syndrom ist eine Folgeerkrankung nach einer bakteriellen Infektion des Magen-Darm-Traktes, der Harnwege oder Geschlechtsorgane.

Die Erkrankung wurde nach dem Berliner Bakteriologen Hans Reiter (1881 – 1967) benannt. In den meisten Fällen zeigt sich diese Krankheit als Gelenkentzündung, es kann aber auch eine Bindehaut- oder Harnröhrenentzündung vorliegen. Wenn alle drei Merkmale auftreten, wird das Reiter-Syndrom auch als Reiter-Trias bezeichnet.

Ursachen Reiter-Syndrom

In den meisten Fällen sind die Auslöser eines Reiter-Syndroms bakterielle Infektionen, z. B. Darminfekte, Geschlechtskrankheiten oder urogenitale Infekte. Wie es genau zu dieser Zweiterkrankung kommt, lässt sich nicht nachgewiesen, man vermutet, dass sich Erreger über die Blutbahn im Körper verteilen und an anderen Stellen oder Organen Entzündungen auslösen.

Bei genetischer Veranlagung können diese Erreger nach 2 bis 6 Wochen eine reaktive Arthritis auslösen, wenn noch eine Bindehautentzündung und eine Harnröhrenentzündung hinzukommen, eine Reiter-Trias. Diese tritt bei ca. einem Drittel der Patienten auf.

Symptome bzw. Anzeichen bei Reiter-Syndrom

Etwa innerhalb von 2 Wochen nach einem Darm- oder Harnwegsinfekt oder einer Geschlechtskrankheit können sich in den großen Gelenken Schmerzen bemerkbar machen Rückenprobleme in der Nacht oder Schmerzen im Kreuz-Darmbein-Gelenk, manchmal auch an Knie- und Sprunggelenken sowie Zehen- und Fingergelenken. Es kann auch zu Sehnenschmerzen kommen.

Wenn die Augen mit betroffen sind, kommt es zu brennenden, geröteten Augen durch eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) oder zu einer Regenbogenhautentzündung (Iritis). Auch eine Harnröhrenentzündung kann ein Symptom eines Reiter-Syndroms sein. Sie macht sich bemerkbar durch Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, kann auch bei einer Infektion mit einer Geschlechtskrankheit auftreten. Parallel kann es zu Hautveränderungen ähnlich wie bei einer Schuppenflechte und Nagelveränderungen kommen. In manchen Fällen ist der Herzmuskel beteiligt und es kommt zu Beschwerden wie Brustschmerzen, Herzstolpern, Herzrhythmusstörungen und ein Gefühl von Mattigkeit.

Diagnose und Verlauf bei Reiter-Syndrom

Wie bei jeder Krankheit steht am Anfang die Anamnese durch den Arzt. Er lässt sich die Beschwerden schildern und fragt nach, ob es in den letzten 2 bis 6 Wochen vor den Beschwerden zu einer Infektion des Darmbereichs, der Harnwege oder einer Geschlechtskrankheit gekommen ist. Er untersucht die typischen Anzeichen für das Reiter-Syndrom. Laborwerte durch Blutuntersuchungen geben Aufschluss über eine vorhandene Entzündung. Bei ca. 80 % der Betroffenen ist HLA-B27 nachweisbar. Die Erreger von Magen-Darm-Infekten und Urogenitalinfekten sind im Blut und Urin nachweisbar. Wenn Blutuntersuchungen durchgeführt worden sind, sollten die Gelenke geröntgt werden. Wenn die Beschwerden im Bauchraum sind, kann eine Diagnose durch Computertomographie sinnvoll sein. Wenn HLA-BA27 nachgewiesen wird, sollten Erkrankungen, die ähnliche Symptome zeigen, wie z. B. Morbus Crohn, Morbus Bechterew, Colitis ulcerosa, ausgeschlossen werden.

Behandlung/Therapie von Reiter-Syndrom

Eine sinnvolle Therapie muss zwei Behandlungsschritte integrieren: die Ausheilung des Erstinfektes und die Behandlung der reaktiven Arthritis. Die auslösenden Infekte werden mit in der Regel Antibiotika behandelt, die manchmal über einen längeren Zeitraum notwendig sind, wie es bei der Geschlechtskrankheit Chlamydien der Fall ist. Bei einer Geschlechtskrankheit sollte grundsätzlich auch der Partner mit behandelt werden, weil man sich sonst immer wieder gegenseitig ansteckt.

Bei Gelenkbeschwerden hilft Physiotherapie, besonders Kälteanwendungen, damit die Gelenke nicht versteifen. Auf medikamentöser Ebene werden schmerz- und entzündungshemmende Mittel wie Antirheumatika verordnet, z. B. Diclofenac. Bei schwerem akuten Verlauf, z. B. einer akuten Regenbogenhautentzündung wird mit Kortison behandelt.

Vorbeugung gegen Reiter-Syndrom

Zur Vorbeugung gibt es eigentlich keine Maßnahmen. Wichtig ist es, dass ein Infekt richtig ausgeheilt wird. Daher sollte man bei entsprechenden Anzeichen einen Arzt aufzusuchen und die Ursache abklären lassen, besonders wenn nach einem Infekt innerhalb der nächsten Wochen Gelenkprobleme auftreten. Wenn man schon mal ein Reiter-Syndrom hatte, kann es immer wieder zu Rückfällen kommen. Man sollte generell Hygienemaßnahmen treffen und auch darauf achten, möglichst wenig Krankheitserreger über die Nahrung aufzunehmen.

Medikamente und Hausmittel gegen Reiter-Syndrom

Normale Hausmittel wie Tees oder immunstärkende Präparate können eine sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen Therapie sein, sie sollten aber diese nicht ersetzen, weil Infekte richtig ausgeheilt werden müssen, um weitere Folgeerkrankungen zu vermeiden. Hilfreich ist das Kühlen der Gelenke.