Die Reizblase ist eine Variante der Inkontinenz und bedeutet eine Reizung der Harnblase in Kombination mit einer psychisch bedingten Fehlfunktion des Blasenmuskels. Dabei ist diese Erkrankung mit einem starken Harndrang verbunden.

Erkrankte können einen solchen Harndrang entwickeln, dass das Leben und der Alltag eingeschränkt sind, weil immer die Angst besteht, beim Husten oder Niesen unbeabsichtigt Harn zu verlieren. Reizblase trifft alle Alters- und Geschlechtergruppen. Sie ist nicht nur die Folge nach einer Geburt oder eine Alterskrankheit. Frauen sind in der Regel häufiger von einer Reizblase betroffen als Männer.

Ursachen für eine Reizblase

Reizblase: Harnblase und Harnorgane beim Mann

Reizblase: Harnblase und Harnorgane beim Mann
(© Sebastian Kaulitzki – Fotolia.com)

Ursachen für eine Reizblase sind nicht bekannt. Es sind keine körperlichen Ursachen, die eine Reizblase auslösen können. Vielmehr, so Fachleute, könne die Reizblase durch eine eventuell falsche Informationsübermittlung durch die Nerven, die ständig eine volle Blase anzeigen, ausgelöst werden. Folge aus dieser gestörten Informationsübermittlung sei, dass kontinuierlich Harndrang an das Gehirn signalisiert wird und dieser ausgelöst wird. Weiterhin werden auch Stress, psychische Belastungen und Konflikte als Auslöser der Reizblase betrachtet.

Symptome & Anzeichen für eine Reizblase

Kalte Füße und seelische Belastung können die Symptome einer Reizblase begünstigen. Eine Angst, erneut diesen Harndrang zu verspüren, kann weiterhin zu einer Intensivierung des Harndrangs führen. Werden zudem noch übermäßig Nikotin und Kaffee sowie Alkohol konsumiert, kann es zu einer weiteren Intensivierung des Harndrangs und damit dauerhaft zu einer Reizblase kommen. Selten, aber auch ein Anzeichen einer Reizblase, ist das Brennen bzw. ein brennender Schmerz beim Wasserlassen. Typisch für eine Reizblase ist, dass im Vergleich zu dem starken Harndrang nur sehr wenig Urin ausgeschieden wird.

Diagnose & Verlauf einer Reizblase

Die Reizblase wird, wie bereits erwähnt, nicht durch eine Infektion ausgelöst. Doch kann es passieren, dass eine Harninfektion, die zu starkem Harndrang führt, mit der Diagnose Reizblase verwechselt wird. Deshalb wird zunächst der Urin des Patienten untersucht. Sind darin Keime enthalten, kann eine Reizblase ausgeschlossen und eine Harnwegsinfektion diagnostiziert werden.

Bei Frauen muss außerdem ausgeschlossen werden, dass ein Vorfall der Gebärmutter vorliegt, der einen starken Harndrang auslösen kann. Bei Männern wird vor der Diagnose Reizblase eine Untersuchung der Prostata durchgeführt. Nicht selten sorgt eine Erkrankung der Prostata für den starken Harndrang. In diesem Fall ist eine Reizblase auszuschließen. Die jeweiligen Untersuchungen bei Frauen und Männern werden mit Urintests, Ultraschall und einem Tagebuch, welches vom Patienten auszufüllen ist, durchgeführt.

Der Urologe ist der richtige Ansprechpartner und Facharzt, wenn es um den Verdacht auf Reizblase geht. Dieser untersucht dann mittels eines Ultraschalls und eines Urintests die Blase und kann Infektionen, Vorfall der Gebärmutter und Erkrankungen der Prostata ausschließen. Eine urodynamische Untersuchung testet die Funktionstüchtigkeit der Blasenmuskulatur und des Verschlusses der Harnröhre. Dieser Verschluss wird bei einem gesunden Menschen durch die Beckenbodenmuskulatur geregelt. Die urodynamische Untersuchung misst die Menge an Urin, die die Blase speichern kann. Weiterhin werden, sofern keine klare Diagnose möglich ist, auch Röntgenaufnahmen von der Blase gemacht.

Das Miktionstagebuch, welches vom Patienten auszufüllen ist, dokumentiert diejenigen Situationen, in denen der intensive Harndrang auftritt. Zunächst notiert der Patient die Mengen an Speisen und Getränken inklusive der Uhrzeit, wann diese jeweils konsumiert wurden. Dann wird die Uhrzeit notiert, zu der der Harndrang auftritt. Durch das Miktionstagebuch kann der Urologe ein Muster erkennen, welches auf eine Reizblase hinweisen kann.

Therapien zur Behandlung einer Reizblase

Die Behandlung einer Reizblase kann durch eine Psychotherapie und ein Kontinenztraining erfolgen. Auch Medikamente, die entkrampfend auf die Blasenmuskulatur wirken, werden bei der Behandlung einer Reizblase eingesetzt.

Psychotherapie

Psychotherapie kommt deshalb erfolgversprechend zum Einsatz, weil Menschen unter einer Reizblase aufgrund von Ängsten und seelischen Belastungen leiden. Weiterhin kann auch die Reizblase selbst zu psychischen Problemen führen, weil das Leben der Betroffenen aus Angst vor unkontrolliertem Harnverlust stark eingeschränkt sein kann.

Isolation und depressive Phasen können eintreten. Es gibt auch Fälle, bei denen die Reizblase durch psychische Belastungen und Konflikte ausgelöst wurde.

In der Psychotherapie kommt auch das bereits erwähnte Miktionsprotokoll zum Einsatz. Dabei werden die Situationen erfasst, die die Reizblase begünstigen und auslösen. Das können Konflikte, Aufregung, Stress, aber auch depressive Verstimmungen sein. In der Psychotherapie entwickeln die Betroffenen neue Methoden, um auf gesunde Art und Weise auf psychische Belastungen, Stress und weitere seelische Konflikte zu reagieren. Im Rahmen der Psychotherapie kann auch eine kognitive Verhaltenstherapie eingesetzt werden, bei der ein neues Harnentleerungsverhalten vom Patienten gelernt wird bzw. bei der das bisherige Verhalten geändert und in eine positive Richtung gelenkt wird. Dabei liegt der Fokus darauf, dass eine Blasenentleerung nur noch zu festgelegten Zeiten stattfindet. Dadurch werden die Zeitabstände zwischen den Gängen zur Toilette länger.

Muskelentspannung und autogenes Training

Hilfreich bei der psychotherapeutischen Behandlung einer Reizblase sind auch progressive Muskelentspannung und autogenes Training. Diese Entspannungstechniken können auch zu Hause mittels Büchern, CDs und DVDs und in Volkshochschulen bei entsprechenden Kursen durchgeführt werden.

Kontinenztraining

Eine Behandlungsmethode gegen die Reizblase ist das Kontinenztraining, bei dem der Patient die Fähigkeit zurückerlangt, den Harndrang zu kontrollieren. Zunächst wird der intensive Harndrang mehrere Minuten ausgehalten und dann wird im Verlauf dieser Behandlungsmethode die Zeit, in der der Harndrang gehalten wird, immer länger.

Zum Kontinenztraining gehören auch Übungen, die die Beckenbodenmuskulatur stärken. Das Konzinenztraining ist kongruent mit dem Training eines neuen Harnentleerungsvehaltens bei einer kognitiven Verhaltenstherapie.

Elektrosimulationstherapie

Neben dem Kontinenztraining und der Psychotherapie kann auch eine Elektrosimulationstherapie zur Behandlung der Reizblase genutzt werden. Durch minimale Stromschübe wird die Muskulatur des Beckenbodens stimuliert und zugleich kann auch die Hyperaktivität der Blasenmuskulatur gesenkt werden. Auch konisch geformte Gewichte und Kugeln, die bei Frauen angewendet werden und in die Scheide eingeführt werden, helfen beim Beckenbodentraining.

Einer Reizblase vorbeugen

Maßnahmen wie Kontinenztraining, Beckenbodengymnastik, Entspannungsübungen und der Einsatz von konisch geformten Gewichten sowie speziellen Kugeln können auch präventiv eingesetzt werden, um einer Reizblase vorzubeugen.

Medikamente zur Behandlung einer Reizblase

Die bei einer Reizblase eingesetzten Medikamente haben eine auf die Blasenmuskulatur entkrampfende Wirkung. Diese Medikamente werden als Anticholinergika bezeichnet und haben auch eine entspannende Wirkung auf das Nervensystem. Durch den Einsatz sogenannter Spasmolytika wird die Kontraktionsbereitschaft der Blasenmuskulatur herabgesetzt. Dadurch wird ein zu häufiges Zusammenziehen des Blasenmuskels verhindert, denn dieses Zusammenziehen ist Auslöser dieses intensiven Harndrangs bei einer Reizblase.