Der Schiefhals (auch: Torticollis) ist eine angeborene oder erworbene Fehlstellung des Kopfes bedingt durch einen verkürzten Kopfnickermuskel.

Bei einem Schiefhals ist der Kopf zu einer Seite geneigt und gleichzeitig nach vorne gebogen. Wird ein Schiefhals nicht behandelt, so bleibt die Fehlstellung dauerhaft bestehen. Bei frühzeitiger Behandlung liegt die Heilungschance bei knapp 100%.

Ursachen für einen Schiefhals

Die Verkürzung des Kopfnickermuskels ist auf eine Veränderung des Muskelgewebes zurück zu führen. Anstelle von Muskelgewebe bildet sich in großen Bereichen Bindegewebe aus und verdrängt funktionsfähiges Muskelgewebe (sog. Fibrose). Warum es zu dieser Fehlentwicklung des Kopfnickermuskels kommt, konnte bisher nicht geklärt werden; es werden jedoch genetische Ursachen vermutet.

Symptome bei einem Schiefhals

Eindeutiges Symptom ist die typische Kopffehlstellung. Der Kopf des Neugeborenen ist zu einer Seite gekippt (Kippstellung) und gleichzeitig nach vorne gedreht (Rotationsstellung). Die Beweglichkeit des Kopfes ist stark eingeschränkt. Bei vielen Betroffenen ist außerdem eine leichte Schwellung im Bereich des Halsmuskels fühlbar. Häufig nimmt die Schwellung im Laufe der nächsten 6 Monate kontinuierlich zu. Patienten mit einem Schiefhals zeigen oft auch eine Fehlstellung der Hüfte und/oder Klumpfüße.

Diagnose und Verlauf bei einem Schiefhals

Ein erfahrener Kinderarzt kann schnell und sicher die Diagnose Schiefhals stellen, da die Fehlstellung des Kopfes deutlich sichtbar ist. Da für eine Fehlhaltung des Kopfes auch andere Ursachen in Frage kommen – etwa massive Schwerhörigkeit oder eine Veränderung an der Halswirbelsäule – wird der Arzt diese beiden Möglichkeiten mittels entsprechender Untersuchungen ausschließen.

Der Schiefhals nimmt nur dann einen ungünstigen Verlauf, wenn er nicht behandelt wird. Ein unbehandelter Schiefhals führt zu massiven Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit und später zu einer schweren Gelenkarthrose. Anhaltende starke Schmerzen sind die Folge. Die fortwährende Fehlstellung des Kopfes führt außerdem dazu, dass die Knochen des Gesichtes und des übrigen Kopfes ungleichmäßig wachsen, was zu Asymmetrien führt. Menschen mit unbehandeltem Schiefhals haben oft herabhängende Augen und Ohren und ein stark abgeflachten Hinterkopf. Wird der Schiefhals frühzeitig therapiert, so verläuft er folgenlos.

Therapie bei einem Schiefhals

Wichtig ist, dass mit der Therapie des Schiefhalses frühzeitig begonnen und konsequent verfolgt wird. In 90% aller Fälle genügt es, den Schiefhals physiotherapeutisch zu behandeln – gelingt das nicht, kann eine operative Korrektur erfolgen.

Im Rahmen der Physiotherapie bringt der Therapeut den Eltern einige Techniken bei, die fortwährend angewendet werden müssen. Zunächst muss der Säugling auf der gegensinnigen Seite gelagert werden. Durch akustische und visuelle Reize kann dem Kind geholfen werden, die für es „schlechte“ Seite besser zu akzeptieren. Auf-dem-Bauch-liegen sollte bei Säuglingen mit einem Schiefhals möglichst vermieden werden. Bei der Gymnastik bringen die Eltern den Kopf des Kindes vorsichtig auf die gesunde Seite und dehnen damit den Kopfnickermuskel. Das ist für den Säugling unangenehm, dennoch muss mehrmals täglich die entsprechende Dehnung durchgeführt werden.

Reicht die Physiotherapie nicht aus, so wird der Schiefhals operiert. Dabei wird der Halsmuskel durchtrennt und anschließend fixiert. Die Operation muss spätestens bis zum 6. Lebensjahr des Kindes vorgenommen werden.

Einem Schiefhals vorbeugen

Einem Schiefhals kann nicht vorgebeugt werden. Besteht der Verdacht, dass ein Fötus einen Schiefhals ausbildet – etwa, weil Geschwister bereits betroffen waren – so kann versucht werden, Fehllagen des Fötus im Mutterleib zu korrigieren. Ob damit einem Schiefhals vorgebeugt werden kann, ist jedoch fraglich. Wird ein Schiefhals bereits im Mutterleib erkannt, so sollte die werdende Mutter über eine Entbindung per Sectio nachdenken. Eine Sectio kann eine Verschlimmerung des Schiefhalses zumindest etwas vorbeugen.

Medikamente und Hausmittel gegen Schiefhals

Gegen einen Schiefhals gibt es weder Medikamente noch Hausmittel. Hat der Säugling beim Durchführen der Dehnungsübungen starke Schmerzen, kann über die Gabe eines leichten Schmerzmittels bzw. über Globuli (z.B. Arnica) nachgedacht werden. Gegen die Muskelschwellung können lindernde Umschläge helfen. Um das Baby dazu zu bringen, trotz der Schmerzen den Kopf verstärkt in die gesunde Richtung zu drehen, empfiehlt sich der Einsatz von visuellen und akustischen Reizen.