Was ist Schielen?

Etwa 6 % der mitteleuropäischen Bevölkerung sind von einem krankhaften Schielen (Stabismus) betroffen. Eine Veranlagung ist vererbbar. Mit Stabismus bezeichnet man die Fehlstellung eines Auges. Ein Auge ist auf ein Objekt gerichtet, das andere weicht ab. Je nach Richtung der Abweichung definiert man die Schielform. Das abweichende Auge kann nach innen oder nach außen schielen. Es gibt auch Höhenabweichungen, bei denen das schielende Auge tiefer oder höher als das fixierende Auge steht. Nicht selten kommt eine Kombination zwischen Höhenschielen und Einwärts- bzw. Auswärtsschielen vor. Stabismus stört das beidäugige Sehen. Sind die Bilder beider Augen zu unterschiedlich, können sie nicht korrekt zusammengeführt werden. Es kommt zu einer erschwerten Tiefenwahrnehmung oder zum Sehen von Doppelbildern. Es gibt latenten und manifesten Stabismus. Beide Varianten kommen in unterschiedlichen Formen vor.

Die Ursache für Schielen

Beim frühkindlichen Stabismus schielt das Kleinkind nach innen. Es handelt sich um eine Form des Begleitschielens, dessen Ursache man nicht genau kennt. Es wurde jedoch eine gewisse familiäre Häufigkeit festgestellt. Auch Weitsichtigkeit oder eine Frühgeburt können Gründe für Stabismus beim Säugling sein. Für das Lähmungsschielen gibt es mehrere Ursachen. Es tritt meist plötzlich und bei Menschen jeden Alters auf. Hier ist eine Lähmung für den Funktionsverlust der Augenmuskulatur verantwortlich. Das kann durch eine Entzündung, durch einen Tumor oder Durchblutungsstörungen im Bereich der Augenmuskulatur und Nerven verursacht werden. Das ist beispielsweise bei Diabetes und Bluthochdruck möglich. Auch hier sind die Gründe oft unklar: bei 30 % weiß man nicht, was zum Schielen geführt hat. Latenter Stabismus macht sich nur bei bestimmten Gelegenheiten bemerkbar. Im Normalfall wird er ausgeglichen und beide Augen blicken parallel. Bei Müdigkeit oder nach Alkoholgenuss ist der Parallelstand der Augen häufiger nicht möglich. Ein Auge weicht ab und der Betroffene sieht Doppelbilder.

Die Symptome von Schielen

Beim Schielen kann ein Auge oder auch beide betroffen sein (Bildquelle: BigStock by smithore, Stock Foto 2595247)

Beim Schielen kann ein Auge oder auch beide betroffen sein (Bildquelle: BigStock by smithore, Stock Foto 2595247)

Unabhängig von den Ursachen weicht beim Schielen ein Auge vom normalen Stand des anderen ab. Das schielende Auge kann dem gesunden nicht mehr uneingeschränkt in alle Richtungen folgen. Die Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Das Schielen kann nach oben, unten, nach innen und außen erfolgen. Schielen kann plötzlich auftreten, im frühen Kindesalter oder sich infolge eines latent Schielens im Kindesalter ab dem sechsten und siebten Lebensjahr entwickeln. Auch bei Erwachsenen kann spontanes Schielen bei Nervenerkrankungen oder Augenmuskelerkrankungen auftreten.

Auswirkungen von Schielen

Kindliches Begleitschielen kann unbehandelt zu einer Fehlsichtigkeit führen, die im Schulalter nicht immer rückgängig gemacht werden kann. Je früher ein Schielen erkannt und behandelt wird, desto besser die Prognose. Die Behandlung kann bis zu einem Jahr dauern und ist bereits bei einem Baby mit wenigen Monaten möglich. Auch nach einer Operation kann sich die Augenstellung wieder verändern. Im Verlauf eines Lebens können also durchaus mehrere Operationen notwendig werden. Schon im frühen Kindesalter ist es wichtig, regelmäßig zur Augenvorsorge zu gehen.

Die Behandlung von Stabismus

Zur Behandlung stehen mehrere Möglichkeiten offen, die von der Ausprägung des Schielens abhängen. Bei der Fusionsschulung werden die Augen trainiert, um Doppelbilder zu verhindern. Die Okklusionstherapie dient zur Behandlung der durch das Schielen bedingten Sehschwäche. Hierbei wird jeweils ein Auge nach einem festen Zeitplan mit einem Pflaster abgeklebt. Das zwingt das schwache Auge zum Sehen und trainiert es. Die Fusionsschulung wird auch bei schielenden Erwachsenen angewendet. Schielen kann auch durch eine Prismenbrille behandelt werden. Besteht es mehr als sechs Monate, sollte man den betroffenen Augenmuskel operieren.

Die Vorbeugung von Stabismus

Man kann zwar nicht direkt vorbeugen, doch lässt sich viel für gesunde Augen tun. So kann Schielen verhindert werden. Es gibt bestimmte Übungen, welche die Augenmuskulatur kräftigen. Außerdem sind regelmäßige Pausen wichtig, indem man seinen Blick schweifen lässt. Zwinkern und Blinzeln regt den Tränenfluss an und verhindert, dass die Augen austrocknen. Es gibt Gemüse (vor allem dunkelgrünes), aber auch Fischöl und Heidelbeerextrakt, die als richtige Augenkost gelten und die Sehschärfe verbessern können.

Häufig gestellte Fragen:

  1. Wie gefährlich ist Schielen bei Kindern?
    Beim kindlichen Stabismus sind meist beide Augen normal beweglich, das schielende Auge steht bei der Wendung des Blickes meist in der gleichen Fehlstellung zum fixierenden Auge. Diese Form nennt man Begleitschielen. Die andere Form kindlichen Schielens ist das Lähmungsschielen. Hierbei ist ein Auge oder sind beide in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Da sich die Sehschärfe in den ersten Lebensjahren entwickelt und dafür beide Augen gleich gutes Sehbedingungen haben müssen, kann es zu einer Sehschwäche auf dem schielenden Auge kommen. Gefährlich ist dies nicht, denn im Kindesalter kann die Sehschwäche ebenso wie Schielen gut behandelt werden.
  2. Wodurch kann plötzliches Schielen auftreten?
    Anders als das manifeste Schielen kommt das plötzliche Schienen spontan und kann beim Erwachsenen viele Ursachen haben. Es kann beispielsweise durch eine leichte Lähmung des Augenmuskels oder einer Muskelgruppe entstehen. Es kann auch durch die Lähmung eines Gehirnnervs verursacht werden, der für die Bewegung des Augapfels zuständig ist. Auch Durchblutungsstörungen können Schielen erzeugen. All diese Symptome gehen in der Regel nach kurzer Zeit wieder zurück.
  3. Wie verläuft eine Schiel-Operation?
    Eine operative Behandlung ist erforderlich, wenn sich eine Lähmung in absehbarer Zeit nicht mehr zurückbildet und wenn eine Brille nicht den erwünschten Effekt brachte. Es kann auch vorkommen, dass trotz Brille ein erheblicher Schielwinkel besteht. Auch dann ist eine Operation sinnvoll. Die angewandte Technik richtet sich nach der Art des Schielens. Sie wird unter Vollnarkose durchgeführt. Die Augenmuskeln werden verlagert, damit eine Parallelstellung der Augen erreicht werden kann. Zunächst muss man den Schielwinkel ermitteln. Daraus ergibt sich, ob der Augenmuskel verlängert, verlagert oder verkürzt wird. Man öffnet die Bindehaut, um den Muskel zu erreichen. Nach dem Eingriff werden Augenmuskel und Bindehaut in ihre ursprüngliche Position gebracht und mit Fäden fixiert. Eine Schieloperation dauert nicht einmal eine Stunde. Bereits am nächsten Tag kann der Verband abgenommen werden. Der Patient muss spezielle Augentropfen anwenden, die den Heilungsprozess beschleunigen. Zur Nachsorge sind regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt wichtig.
  4. Wann kann Schielen bei Erwachsenen auftreten?
    Schielen im Erwachsenenalter kann auftreten, wenn ein kindliches Schielen nicht richtig therapiert wurde. Eine frühere Fehlstellung kann auch nach Jahren wieder auftreten, selbst wenn eine Operation stattgefunden hat. Eine leichte Fehlstellung, die nicht kompensiert wurde, kann im Erwachsenenalter ebenfalls zum Stabismus führen. Eine weitere Möglichkeit ist das Lähmungsschielen. Hierbei liegt meist eine Schädigung der drei Hirnnerven für die Augenbewegungen oder eine Muskelerkrankung zu Grunde.
  5. Was kann man gegen Schielen machen?
    Je nach Art der Ausprägung kann Schielen mit Augenmuskeltraining, einer korrigierenden Brille oder eine Operation behandelt werden. Je früher schon bei Kleinkindern eine Therapie beginnt, desto erfolgreicher und weniger belastender ist sie.