Was ist die Schlafapnoe?

Das Krankheitsbild der Schlafapnoe trifft Bundesweit etwa 800.000 Patienten, wovon der größte Teil unbehandelt lebt. Ausgesprochen Schlaf-ap-no-e, eingedeutscht Schlafapnö, beschreibt das Aussetzen der Atmung während des Schlafes für länger als 10 Sekunden. Dabei sind Atemaussetzer gewöhnlich von unterschiedlicher Dauer und Frequenz und können bei schweren Fällen mehrere Minuten andauern.

Die Ursache für eine Schlafapnoe

Unterschieden wird generell zwischen drei Formen der Schlafapnoe. Die weit häufigste ist das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom, kurz als OSAS bezeichnet. Es ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die ringförmige Muskulatur im oberen Teils des Rachens über die Maßen entspannt oder erschlafft. Beim Atemvorgang entsteht ein Unterdruck durch das Einsaugen der Luft. Wegen der unzureichenden Muskeltätigkeit wird diesem Unterdruck nur ungenügender Widerstand entgegen gesetzt. Damit fällt das Gewebe im oberen Rachenraum zusammen, die Atemwege sind verlegt. Diesen Vorgang bezeichnet der Mediziner als Obstruktion.

Eine Unterform ist das Upper Airway Resistenz Syndrom, UARS. Hier ist die Ringmuskulatur teilweise deaktiv, was einen reduzierten Atemvorgang erlaubt. Dieser verursacht ebenso ein Abfallen des Blutsauerstoffgehaltes, was wiederum zum Aufwecken führt, nicht aber zu Atemstillständen.

Sehr selten ist das ZSA, das Zentrale Schlafapnoe-Syndrom. Dabei ist das Gehirn unfähig die notwendigen Signale zum Atmen auszusenden, was in neurologischen Schäden begründet ist. Meist ist das ZSA erblich bedingt, kann aber ebenso durch Krankheiten wie der Borreliose oder von einem Hirntumor ausgelöst werden. Begünstigt wird das ZSA durch verschiedene kardiologische Erkrankungen, beispielsweise durch eine Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern, nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Außerdem gelten längerer Aufenthalt in großer Höhe sowie die regelmäßige Einnahme von Atemwegsmedikamenten als mittelbar fördernde Ursachen für die Entwicklung eines ZSA.

Die dritte Form der Schlafapnoe ist eine Mischung aus ZSA und OSAS, das gemischte Apnoesyndrom.

Auslösende Faktoren für die sehr häufige obstruktive Schlafabnoe sind

  • Übergewicht
  • Alkoholabusus
  • Drogensucht
  • Nikotinabhängigkeit
  • Medikamentenabhängigkeit, besonders bei Einnahme von Schmerzmitteln, Beruhigungs- oder Schlaftabletten oder Medikamenten, die der Entspannung dienen sollen
  • physiologische Ursachen; hier vor allem eine von Geburt an zu schwache Ringmuskulatur des oberen Rachenraumes, eine Nasenscheidewandverkrümmung (auch nach Unfall), Polypen und insbesondere bei Kindern, vergrößerte Rachenmandeln
  • bei einem angeborenen zu großem Unterkiefer, einer Unterkieferfehlstellung oder Missbildung des Unterkiefers, auch durch mechanische Einwirkung, beispielsweise nach einem Unfall
  • Akromegalie, die Vergrößerung der Weichteile, hier besonders der Zunge


Die Symptome der Schlafapnoe

Erstes Anzeichen für eine Schlafapnoe ist das Schnarchen. Bei einigen Patienten ist dieses geräuschvolle Atmen während des Schlafes wenig ausgeprägt, und es kommt nicht zu Atemstillständen. Diese Symptomatik gilt als harmlos, sollte aber beobachtet werden. Bei häufig auftretendem Ausbleiben der Regelatmung oder bei längeren Atemstillständen hingegen ist ein drastischen Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut feststellbar. Dies führt zu einem vom Unterbewusstsein gesteuertem Aufwecken des Patienten, um ein Ersticken zu verhindern, woran sich der Patient am Morgen aber nur selten erinnert. Resultat daraus ist, dass es nicht oder nur kurzzeitig zum erholsamen Tiefschlaf kommt.

Nicht bei jedem Patienten ist der Verschluss der oberen Atemwege vollständig. Es ist nur eine Verengung festzustellen, die das Atemvolumen lediglich verringert. Die sogenannten Hypopnoen treten ein, also eine mangelhafte Atmung. Im Resultat lässt sich auch in diesen Fällen ein reduzierter Sauerstoffgehalt im Blut feststellen, was wiederum zum Aufwecken des Körpers durch das Gehirn führt.

Die ersten Anzeichen für ein Schlafapnoe-Syndrom

  • Morgenmüdigkeit
  • erhöhter Schlafbedarf ohne erholtes Erwachen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Mundtrockenheit beim Erwachen
  • häufiges Durstgefühl in der Nacht
  • erhöhter nächtlicher Harndrang
  • depressive Stimmung
  • morgendliche Kopfschmerzen und/oder Schwindelanfälle (in seltenen Fällen bis zur kurzzeitigen Ohnmacht)
  • Sekundenschlafphänomen (Patienten mit ausgeprägtem Schlafapnoe-Syndrom sind in der Regel nicht fähig am Straßenverkehr teilzunehmen oder Maschinen zu führen)
  • Nachtschweiß
  • Impotenz
  • häufiges Erwachen, Patient schläft nicht durch

Der Verlauf der Schlafapnoe

Das Schlafapnoe-Syndrom macht sich vor allem bei Menschen mittleren Alter bemerkbar, wobei Männer etwa doppelt so häufig betroffen sind wie Frauen. Das extrem gehäufte Auftreten der Schlafapnoe ab dem 40. Lebensjahr liegt in dem allgemeinen Nachlassen des Muskeltonus ab diesem Alter begründet. Patienten mit einem hohen Apnoe-Hypoapnoe-Index (AHI), was die Frequenz der Atemaussetzer oder Hypoapnoe je Stunde beschreibt, sowie solche, die unter lang anhaltenden Atemstillständen leiden, müssen unbehandelt mit gravierenden gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen rechnen.

Durch die permanente Sauerstoffunterversorgung kann, wie schon beschrieben, eine dauerhafte Impotenz eintreten. Zudem sind Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufsystems nachgewiesen. Insbesondere Rechtsherzinsuffizienz und Bluthochdruck werden häufig ausgelöst. Zudem ist eine stark erhöhte Neigung zu Herzinfarkten, Schlaganfällen und dem plötzlichen Herztot gesicherte Erkenntnis.

Des Weiteren muss der Patient mit manifesten psychosomatischen Krankheiten rechnen. Depressionen, Burn-Out-Syndrom, Magengeschwüre, Tinnitus und Hörsturz sind Stresserkrankungen, die in direktem Zusammenhang mit einer Schlafapnoe gesehen werden. In besonderen Fällen kann es bis zu Hirnschädigungen kommen.

Schließlich wurde ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Blutzuckerspiegel und dem Schlafapnoe-Syndrom nachgewiesen. Festgestellt wurde eine lineare Entwicklung von Insulinresistenz, der Unfähigkeit des Körpers vorhandenes Insulin zum Abbau des Blutzuckers zu nutzen, und des AHI, der Frequenz der Atemaussetzer. Anders beschrieben; je höher die Frequenz der Atemstillstände oder Hypoapnoen pro Nacht, um so höher ist der morgendliche Blutzuckerspiegel. Dieser entsteht durch die Gluconeogenese, die physiologisch bedingte Produktion von Blutzucker durch den nächtlichen Protein- und Fettabbau, sowie die Verwertung von überschüssigen Produkten des Stoffwechsels in den Muskeln. Im Umkehrschluss konnte bei Patienten nach Beginn einer erfolgreichen Therapie ein drastischer Abfall des morgendlichen Blutzuckerspiegels nachgewiesen werden.

Zudem kommt es häufig zum Sekundenschlafphänomen, was einen Patienten vom Straßenverkehr ausschließen kann. Zudem ist das Führen von Maschinen nicht gefahrlos möglich.

Die Behandlung der Schlafapnoe

Mit einer Atemmaske kann Schlafapnoe gut behandelt werden (Bildquelle: BigStock by BVDC, Stock Foto 64217980)

Mit einer Atemmaske kann Schlafapnoe gut behandelt werden (Bildquelle: BigStock by BVDC, Stock Foto 64217980)

Um eine Schlafapnoe zu behandeln, muss nicht gleich zum Medikamentenschrank gegriffen werden. Zuerst sollte versucht werden die Ursachen zu finden und diese zu beseitigen, was in der Regel eine erhebliche Verbesserung der

Symptomatik ergibt. Dazu gehören je nach Fall eine Gewichtsreduktion und/oder die Behandlung von Suchterkrankungen.

Je nach individuellem Krankheitsbild kommen verschiedene Therapien in Frage

  • die Nutzung eines CPAP-Beatmungsgerätes, was das Zusammenfallen des oberen Rachenraumes verhindert
  • Alternativ können BIPAP-Geräte eingesetzt werden, wenn das Ausatmen gegen den Luftdruck des CPAP-Gerätes für den Patienten zu anstrengend ist
  • in geeigneten Fällen kann eine genau angepasste und verstellbare Unterkieferprotrusionsschiene verwendet werden, die auf mechanischem Weg die Atemwege frei hält

Daneben kann bei einigen Patienten ein operativer Eingriff notwendig sein, bei dem die Ringmuskulatur gestrafft wird, was sehr häufig zu einer erheblichen Verbesserung führt. Aus der Neurologie kommt die Therapie mittels Stimulation des Nervus hypoglossos, was zu einer Steigerung des Muskeltonus in der Zunge führt und so die Atemwege frei hält. In lebensbedrohlichen Situationen und wenn in schweren Fällen alle anderen Therapien fehlschlagen, kann mit einem Luftröhrenschnitt eine direkte Atmung ermöglicht werden, weil die oberen Atemwege einfach umgangen werden.

Weitere Therapieansätze sind

  • Zungengymnastik, was bei regelmäßiger Anwendung eine Verbesserung bringen kann
  • Eine spezielle Atemtherapie. Hier kommen bestimmte Musikinstrumente zum Einsatz, die eine sehr spezielle Atemtechnik abverlangen. Beispielsweise die Oboe, das Fagott und vor allem das australische Didgeridoo waren sehr hilfreich, andere Instrumente zeigten hingegen keine Verbesserung der Symptome

Therapien und Hausmittel wie Nasenklammern, ätherische Öle oder magnetisierte Matten konnte keine therapeutische Wirkung nachweisen.

Die Vorbeugung gegen eine Schlafapnoe

Um eine Schlafapnoe zu verhindern gilt allem voran eine gesunde Lebensweise als unumgänglich. Dazu gehört das Einhalten des Idealgewichtes, Nikotinabstinenz, keiner oder nur sehr mäßiger Alkoholgenuss, regelmäßiger Sport zur Stärkung der Ringmuskulatur beim beschleunigten Atmen und eine ausgewogene Ernährung.

Häufig gestellte Fragen

  1. Wie funktioniert eine Schlafapnoe Maske?
    Mittels einer Pumpe wird Luft in den Rachenraum gepresst, was den Unterdruck beim Einatmen beseitigt und so die verlegten Atemwege öffnet. Dabei unterscheiden diese Geräte mittels Sensoren, ob der Patient ein- oder ausatmet und regulieren entsprechend den Luftdruck.
  2. Was tun gegen Schnarchen?
    Wichtig ist eine Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Patienten und eine ausgeglichene Lebensführung ohne Nikotin oder andere Drogen und Rauschmittel. Zudem sollte zur Abklärung ein Arzt aufgesucht werden. Im Zweifelsfall muss ein Schlaflabor in Anspruch genommen werden.
  3. Wie kann man einen Schlafapnoe-Test machen?
    Die einfachste Form ist das Befragen des Partners. Er sollte eine längere Zeit über den Schlaf wachen und alle Atemstillstände gewissenhaft notieren, was einen ersten Anhalt auf ein Schlafapnoe-Syndrom geben kann. Darüber hinaus bieten verschiedene Foren, Selbsthilfegruppen und Hersteller von CPAP-Geräten Schlafapnoe-Risikotests online an. Gewissheit bietet nur eine gründliche Untersuchung in einem Schlaflabor.
  4. Wann muss Schlafapnoe behandelt werden?
    Das Schlafapnoe-Syndrom ist generell dann behandlungsbedürftig, wenn es neben dem Schnarchen zu mehreren Atemstillständen in der Stunde kommt, die länger als 10 Sekunden andauern.
  5. Was ist eine obstruktive Schlafapnoe?
    Beim OSAS, dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom, kommt es durch das Erschlaffen der Ringmuskulatur im Rachen zu einer Verlegung der Atemwege, aus unterschiedlichen, meist kombinierten Ursachen.