Thrombzytopenie ist eine Erkrankung des Blutes. Sie beschreibt einen Mangel an Thrombozyten (Blutplättchen). Diese sind zusammen mit den Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und den Leukozyten (weiße Blutkörperchen) ein Bestandteil des menschlichen Blutes. Auf ungefähr einem Mikroliter Blut kommen ca. 150.000 bis 400.000 Blutplättchen.

Thrombozyten spielen bei der Gerinnung von Blut eine entscheidende Rolle; bei einer Verletzung sammeln sie sich an der Wand des offenen Gefäßes an und verschließen es innerhalb weniger Minuten, sodass eine Blutung gestoppt wird. Durch die Blutplättchen entsteht nach einiger Zeit ein Wundschorf, dass ’natürliche Pflaster‘ unseres Körpers, welches das Eindringen von Krankheitserregern verhindert.

Ursachen

Eine Thrombzytopenie kann angeborene oder erworbene Ursachen haben. Bei einer angeborenen Bildungsstörung sind Erkrankungen wie TAR-Syndrom, Fanconi-Anämie oder May-Hegglin-Anomalie die Auslöser. Zu einer erworbenen Thrombzytopenie gehören Leukämie, Knochenmarksschädigungen, Antikörperreaktionen, Chemotherapien (Strahlung), medikamentöse Schädigung, Vergiftungen oder ein Mangel an Folsäure oder Vitamin B12. Auch eine mechanische Schädigung der Thrombozyten durch künstliche Herzklappen oder bei einer Komplikation nach einer Bluttransfusion kann eine Thrombzytopenie hervorrufen.

Symptome

Eine Thrombzytopenie macht sich nur sehr schwer zu erkennen. Erst bei offenen Wunden, die mehr als sechs Minuten brauchen um sich zu verschließen, macht sich eine Gerinnungsstörung bemerkbar. Typische Symptome sind außerdem kleine Hautblutungen, Spontanblutungen, Nasen- und Zahnfleischbluten, sowie Hämatome. In besonders schweren Fällen von Thrombzytopenie kann es ohne Therapie zu Schleimhautverletzungen, Thrombose, Infarkte, Lungenembolie und sogar lebensgefährlichen Hirnblutungen kommen. Es gibt derzeit keine Vorbeugungsmaßnahmen für eine Thrombozytopenie.

Therapie

Eine Behandlungsmöglichkeit von Thrombozytopenie besteht darin, durch eine Bluttransfusion dem Mangel an Thrombozyten entgegen zu wirken.

Eine Behandlungsmöglichkeit von Thrombozytopenie ist eine Bluttransfusion.
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Liegt eine Thrombzytopenie vor, muss zuerst durch einen Arzt die genaue Ursache der Bildungsstörung gefunden werden. Erst dann kann mit der Therapie beginnen. Ist eine besondere Schwere der Krankheit diagnostiziert, sollten Betroffene unbedingt unter ärtzlicher Beobachtung stehen. Doch in den seltensten Fällen ist ein Mangel an Blutplättchen lebensgefährlich. Ein leichter Mangel an Thrombozyten wird vom Körper toleriert. In der Regel ist eine Thrombozytopenie nicht chronisch, sondern tritt nur vorübergehend auf und wird meist nicht therapiert. Der Körper ist in der Lage, einen mäßigen Verlust an Blutplättchen von selbst wieder auszugleichen.

Es gibt Medikamente mit dem Wirkstoff Eltrombopag, der die Bildung von Thrombozyten anregt und auf langer Sicht die Anzahl von Blutplättchen erhöht. Eine weitere Möglichkeit wäre eine Bluttransfusion, bei der Thrombozytenkonzentrate in das Blut des Betroffenen geschleust werden. Hier muss jedoch bedacht werden, dass diese Art der Behandlung sehr kostenspielig ist, das übertragene Blut auf Unverträglichkeit stößt oder zu Infektionen kommen kann.

Thrombozytose

Steigt die Thrombozytenzahl auf einen Wert von über 500.000/µl im Blut an, spricht man von einer Thrombozytose. Hierbei unterscheidet man von einer reaktionären Thrombozytose, die nur vorübergehend ist, und einer essentiellen Thrombozythämie, bei der es zu einer langsamen aber konstanten Zunahme der Blutplättchen kommt. Das Gegenteil, eine Verminderung der Thrombozyten, ist die so genannte Thrombozytopenie.

Ursachen der Thrombozytose

Die Thrombozyten sind entscheidend für die Butgerinnung. Steigt ihre Anzahl zu stark an, kann es zu Durchblutungs- und Gerinnungsstörungen kommen.
Die reaktionäre oder sekundäre Form entsteht in Folge einer Erkrankung oder eines Mangels:

  • Eisenmangel
  • chronische Infektionen (z.B. Tuberkulose)
  • chronisch entzündliche Erkrankungen (z.B. Morbus Crohn)
  • Milzentfernung
  • Operationen und schwere Verletzungen
  • Tumore
  • Schwangerschaft
  • Stoffwechselerkrankungen

Die essentielle Thrombozythämie entsteht, wenn sich blutbildende Stammzellen verändern. Genauere Hintergründe sind noch nicht ausreichend erforscht.
Die primäre Form der Thrombozytose ist eine seltene Erkrankung, bei der jährlich nur 700 – 800 neue Fälle in Deutschland bekannt werden. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer.

Kaum Symptome

Die Thrombozytose kann zur Thrombose führen. © Fotolia.com

Die Thrombozytose kann zur Thrombose führen.
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Meistens wird die Thrombozytose bei einer routinemäßigen Blutunterschung entdeckt, da sie bei etwa 1/3 der Betroffenen ohne Beschwerden verläuft. Wenn Symptome auftreten, dann als Folge der Durchblutungsstörungen, weshalb sie auch eher unspezifisch sind und ohne genauere Untersuchung nicht auf eine erhöhte Thrombozytenzahl hinweisen.
Symptome können Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Hämatome, Sehstörungen und Nasenblutungen sein. Hierbei ist zu erkennen, dass eine Thrombozytose paradoxerweise nicht nur zu Blutgerinnungen, sondern auch zu vermehrten Blutungen führen kann. Auch die Hintergünde hierzu sind weitgehend unbekannt.
Gefürchtet sind vor allem die Folgen der Krankheit: Die Thrombose. Dabei kann es zu Herzinfarkt, Milzinfarkt, Schlaganfall, Knochenmarkversagen und Lungenembolie kommen. Auf der anderen Seite treten durch vermehrte Blutungen Hirnblutungen oder Blutungen im Magen-Darmtrakt auf.

Therapiemöglichkeiten

Eine sekundäre Thrombozytose wird meist nicht behandelt, da sie beschwerdefrei verläuft und nur vorübergehenden Charakter hat.

Patienten der zweiten Form der Thrombozytose, der essentiellen Thrombozythämie, müssen beobachtet werden, da diese Erkrankung nach heutigem Stand nicht heilbar ist. Solange die Betroffenen keine Beschwerden aufweisen, ist eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte und der Milzgröße, sowie eine Veränderung der Lebensweise ausreichend. Steigt das Risiko einer Thrombose an, werden Medikamente zur Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes verordnet. Dabei wird meist das ASS 100 verabreicht, welches das Verklumpen der Blutplättchen verhindert.
Weisen die Betroffenen aber ein erhöhtes Risiko auf, ist eine Chemotherapie unumgänglich. Verfügbare Medikamente sind Hydroxyurea, Anagrelide und Interferon Alpha. Alle drei Mittel haben das Problem, dass sie nicht dauerhaft eine Verminderung der Thrombozyten erreichen können, sondern ein erneuter Anstieg nach Absetzen unvermeidbar ist.

Thrombozyten

Für die Blutgerinnung spielen die Thrombozyten eine bedeutende Rolle. Wenn ihre Anzahl erniedrigt oder erhöht ist, können verschiedenen Erkrankungen vorliegen. Sie werden auch als Blutplättchen bezeichnet. Der Normalwert der Thrombozyten liegt zwischen 140 bis 360 Tausend/µl.

Was sind Thrombozyten eigentlich?

Thrombozyten sorgen dafür, dass blutende Wunden sich verschließen und somit bei kleinen Schnitten kein lebensgefährlicher Blutverlust droht. © Fotolia.com

Thrombozyten sorgen dafür, dass blutende Wunden sich verschließen und somit bei kleinen Schnitten kein lebensgefährlicher Blutverlust droht.
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Thrombozyten bilden zusammen aus roten (Erythrozyten) und weißen (Leukozyten) Blutkörperchen den zellulären Blutbestandteil. Sie haben keinen Zellkern und sehen wie kleine Scheibchen aus. Sie sind ein bedeutender Bestandteil im Gerinnungssystem. Sie kommen beispielsweise dann ins Spiel, wenn Menschen sich schneiden. Bei jeder blutenden Verletzung werden die Blutplättchen angelockt. Durch bestimmte Gerinnungsfaktoren vernetzen sich Thrombozyten und bilden so einen Blutpfropfen, der zum abdichten der Wunde beiträgt. Zudem spielen sie auch eine Rolle bei der Gefäßverschlüssen, etwa dem Herzinfarkt oder der Entstehung von Arteriosklerose.

Erhöhte Thrombozytenzahl

Es gibt viele Erkrankungen bei der die Thrombozyten erhöht sind. In der Fachsprache wird von einer Thrombozytose gesprochen. Am häufigsten tritt die erhöhte Thrombozytenzahl bei schweren Entzündungen, nach großen Blutverlusten, etwa nach Operationen, nach der Entfernung der Milz oder bei Erkrankungen des Knochenmarks.

Erniedrigte Thrombozytenzahl

Auch eine erniedrigte Thrombozytenzahl (Thrombzytopenie) kann auf verschiedene Erkrankungen hinweisen. Häufig tritt diese bei Erkrankungen des Knochenmarks, Folsäure- oder Vitamin B12-Mangel, Autoimmunkrankheit, etwa der Morbus Werlhof, starkem Verbrauch an Thrombozyten oder bei der Einnahme bestimmter Medikamente ein. Vor allem durch eine Chemotherapie verringern sich die Thrombozyten.

Referenzwerte

Neben der Anzahl der Thrombozyten spielen auch die Aktivierbarkeit und ihre Funktion bei verschiedenen Erkrankungen eine Rolle. Der eingangs angegebene Referenzwert kann sich von Labor zu Labor unterschieden. Es gibt weiterhin auch stark jahreszeitliche (saisonale) und tageszeitliche Schwankungen ohne das dem gleich eine Erkrankung zugrunde liegen muss. Zudem sind einzelne Laborwerte allein nicht wirklich aussagekräftig. Die Werte müssen immer im Zusammenhang mit weiteren Werten und dem zeitlichen Verlauf beurteilt werden. Bei abweichenden Ergebnissen sollte immer ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Zusammenfassung

Thrombozyten sind also Blutzellen, die für die Gerinnung des Blutes äußerst wichtig sind. Wenn ihre Anzahl zu niedrig ist, kann eine verstärkte Blutungsneigung auftreten. Schon bei kleinsten Schnittverletzungen kann die Wunde lange Bluten. Diese verstärkte Blutungsneigung kann wiederum zur verstärkten Blutgerinnung führen, was wiederum eine Blutverklumpung mit der Folge von Gefäßverschlüssen oder Thrombosen mit sich bringen kann. Eine mäßig erniedrigte Anzahl wird vom Organismus meist ohne relevante klinische Erscheinungen toleriert. Betroffene bemerken bei einer erniedrigten Thrombozytenzahl oftmals das sie deutlich schneller und häufiger Hämatome, also „Blaue Flecken“, Zahnfleisch- oder Nasenbluten bekommen. In der Regel ist die Blutungszeit dann über den Normwert hinaus verlängert.

Hämatom

Ein Hämatom ist eine Ansammlung von Blut im Körpergewebe. Es ist auch unter Begriffen wie Bluterguss oder Blauer Fleck bekannt. Hämatome entstehen aufgrund von Gefäßschädigungen zum Beispiel durch Gewalteinwirkungen, degenerative Prozesse, Traumen oder auch Tumoren. Diffuse Einblutungen im Gewebe verlaufen bevorzugt entlang sogenannter anatomischer Spalträume, da dort weniger Widerstand für die Einblutungen besteht.

Je tiefer ein Bluterguss im Gewebe entstanden ist, desto weniger ist der typische blaue Fleck von außen erkennbar. Sammelt sich Blut in Körperhöhlen spricht man ebenfalls von Hämatomen, die je nach ihrer Lokalisation ihre medizinischen Bezeichnungen tragen. Ein Epiduralhämatom ist beispielsweise im Schädel lokalisiert.

Heilungsverlauf

Oberflächliche also subkutane „blaue Flecken“ verheilen in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen und zeigen dann typische Verfärbungen, die durch Abheilprozesse bedingt sind. Zu Beginn ist der äußerlich sichtbare Bluterguss rot, in diesem Stadium sind die Blutgefäße gerade erst aufgeplatzt. Färbt er sich dunkelrot bis blau, setzt die Blutgerinnung ein. Sobald das Hämatom sich braun-schwärzlich färbt, beginnt der enyzmatische Abbau des Hämoglobins. Verschiedene weitere Abbauprozesse zeigen sich durch eine dunkelgrüne und schließlich gelb-braune Färbung. Durch unmittelbare Kühlung kann die Größe des Hämatoms eingegrenzt werden, da sich so die Blutgefäße verengen.

Gefahren

Hämatome sind Gefäßschädigungen und als blaue Flecken bekannt. © Fotolia.com

Hämatome sind Gefäßschädigungen und als blaue Flecken bekannt.
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Inkranielle Hämatome müssen notfallmäßig behandelt werden. Diese Hämatome befinden sich im Gerhin. Sie verursachen schlimmstenfalls eine Verdrängung des gesunden Hirngewebes. Ebenso müssen Hämatome in geschlossenen anatomischen Räumen von einem Arzt untersucht werden. Breiten sich Blutergüsse extrem stark aus, ist es sinnvoll medizinischen Rat einzuholen, da die Gefahr besteht, dass größere Blutgefäße verletzt werden könnten.

Therapie

Kleinere Blutergüsse:

  • Kühlen und ggf. betroffene Gliedmaße hochlagern
  • ggf. Schmerzbehandlung
  • ggf. Auftragen von Heparinsalbe

Größere Hämatome:

  • Drainage
  • operative Revision

Wissenswertes

Menschen die unter Thrombzytopenie leiden, haben eine verringerte Anzahl an Blutplättchen (Thrombozyten) im Blut. Das Gegenteil zu dieser Erkrankung nennt man Thrombozytose. Die Ursachen für die Thrombzytopenie sind extrem weitreichend. Bereits ein eklatanter Substratmangel, zum Beispiel an Folsäure, kann eine Ursache für eine Thrombzytopenie sein. Aber auch schwere Krankheiten wie Leukämie, bei der eine Chemotherapie notwendig wird, kann für die verringerte Anzahl an Bluttplättchen ursächlich sein. In Maßen kann ein solcher Mangel vom Organismus gut ausgeglichen werden. In diesem Fall haben Betroffene häufiger als andere kleinere Hämatome.

Chemotherapie

Im Allgemeinen wird die Chemotherapie zu der Behandlung verschiedener Arten von Krebs angewendet. Doch auch im Bereich von infektiösen, bakteriellen Krankheitserregern wird die Chemotherapie angewendet. Ihre Wirksamkeit ist sehr unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren des Patienten und der Art des Krebses ab.

Entscheidende Faktoren

Ist der Tumor beispielsweise mit vielen Adern durchzogen und wird somit gut durchblutet, kann das jeweilige Medikament umso besser agieren, da es schnell und in hoher Anzahl die Krebszellen erreicht. Sitzt der Tumor jedoch versteckt und wird nur wenig bis gar nicht durchblutet, sind die Erfolgschancen einer Chemotherapie geringer. Entscheidend hierfür ist ebenso das Stadium des Tumors, sowie die Bildung von Metastasen. Wird der Tumor rechtzeitig erkannt, sind die Heilungschancen in der Regel recht hoch. Außerdem baut jeder Körper unterschiedlich schnell verschiedene Stoffe ab. Dies wirkt sich enorm auf den Erfolg der Chemotherapie aus, denn je länger das Medikament im Körper erhalten bleibt, umso länger ist seine Wirkungsdauer.

Ähnlich, wie bei verschiedenen Antibiotika, können die Krebszellen eine Immunität gegen gewisse Medikamente entwickeln oder bereits entwickelt haben. Sie sind dann resistent gegen die Chemotherapie. Der behandelnde Arzt kann jedoch auf andere Medikamente und Wirktstoffkombinationen ausweichen.

Nebenwirkungen der Chemotherapie

Haarausfall und Erbrechen sind typische Nebenwirkungen einer Chemotherapie. © Fotolia.com

Haarausfall und Erbrechen sind typische Nebenwirkungen einer Chemotherapie.
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Die bekanntesten Nebenwirkungen sind sicherlich der Haarausfall oder das Erbrechen. Diese Nebenwirkungen können dann auftreten, wenn das Medikament der Chemotherapie den Tumor erreicht. Der Wirkstoff tötet die mutierten Krebszellen ab oder hält ihr Wachstum auf. Doch das Medikament hat die gleichen Auswirkungen auf die gesunden Zellen.

Diese verkraften die Prozedur zwar deutlich besser, als die erkrankten Tumorzellen, verursachen aber dennoch die genannten Nebenwirkungen. Eine andere, häufig unterschätzte, Nebenwirkung der Chemotherapie ist die Thrombozytopenie oder die Thrombozytose. Bei diesen Krankheiten sind im Blut des Patienten zu wenig Thrombozyten, die sogenannten Blutplättchen, oder zu viele vorhanden.

Das sorgt für einen verlangsamten Heilungsprozess bei oberflächlichen Wunden und Schnitten und kann ebenso zu plötzlichen Blutungen führen, die wiederum Hämatome bilden können, hat man zu wenig Blutplättchen.