Was ist Zöliakie?

Zöliakie (auch „glutenintensive Enteropathie“ oder „einheimische Sprue“) ist eine chronische Erkrankung der Dünndarmschleimhaut, die auf einer Unverträglichkeit gegen Gluten beruht. Gluten stellen ein Gemisch aus Proteinen (Eiweißen) dar, die in einigen Getreidearten vorkommen.

Die Ursache für Zöliakie

Als Ursache von Zöliakie wird eine genetische Veranlagung vermutet. Wahrscheinlich deshalb tritt Zöliakie in bestimmten Familien gehäuft auf. Auch Enzymdefekte innerhalb der Schleimhaut des Dünndarms könnten für Zöliakie ursächlich sein. Zöliakie-Symptome zeigen sich bei Erkrankten, sobald Gluten von den Zellen der Dünndarmschleimhaut aufgenommen werden. In diesem Fall wird das Immunsystem aktiviert, das die Gluten bekämpft. Die Immunreaktion führt zu einer Entzündung der Schleimhautzellen, die daraufhin absterben.

Die Symptome von Zöliakie

Erste Hinweise auf Zöliakie geben z. B. Völlegefühl, Übelkeit, Durchfall, Blutarmut sowie Vitamin- und Eiweißmangel. Zu den typischen Symptomen gehören aber auch Müdigkeit, Antriebsschwäche, Reizbarkeit und ein vorgewölbter Bauch. Außerdem treten teilweise Krankheitsanzeichen wie eine auffallende Blässe und Appetitlosigkeit, aber auch Muskelschmerzen, Muskelschwäche und Knochenschmerzen auf. Zu einer voll ausgeprägten Zöliakie kommt es jedoch nur bei 10 bis 20 Prozent aller Erkrankten. Die übrigen Betroffenen weisen keine oder keine krankheitsspezifischen Symptome auf, so dass ihnen die Erkrankung nicht bewusst wird.

Zööiakie kann mit einer Darmsoiegekung diagnostiziert werden (Bildquelle: BigStock by Eraxion, Stock Foto 6901049)

Zööiakie kann mit einer Darmsoiegekung diagnostiziert werden (Bildquelle: BigStock by Eraxion, Stock Foto 6901049)

Eine zuverlässige Diagnose kann mittels einer endoskopischen Untersuchung gestellt werden. Eine Endoskopie ist eine Darmspiegelung, die mit einem speziellen Instrument, einem Endoskop durchgeführt wird. Ein Endoskop ist mit einem optischen System und mit einer Beleuchtungseinrichtung versehen, so dass der Arzt Veränderungen des Dünndarms erkennen kann. Ein gesunder Dünndarm ist mit sogenannten Zotten, finger- oder blattförmigen Erhebungen besetzt, die die Dünndarmoberfläche vergrößern und die Aufnahme von Nährstoffen in die Blut- und Lymmphgefäße verbessern. Bei einer Zöliakie-Erkrankung stellt der Arzt während der Endoskopie eine Verringerung der Zotten fest. Die Diagnose wird durch eine Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Dünndarm) gesichert, die während der endoskopischen Untersuchung durchgeführt wird.

Mit einer Blutuntersuchung werden Informationen zum Ausmaß der Erkrankung gewonnen. Je höher die ermittelten Blutwerte bestimmter Antikörper ausfallen, desto ausgeprägter ist die Schädigung der Dünndarmschleimhaut. Im Zeitverlauf festgestellte Veränderungen der Antikörper-Werte geben dem Arzt Aufschluss über die Entwicklung der Erkrankung. Mit bestimmten Funktionstests kann die Fähigkeit des Dünndarms zur Nahrungsverwertung überprüft werden. Störungen der Dünndarmresorption ermöglichen beispielsweise der D-Xylose-Test und der Laktose-Test, mit denen die Fähigkeit des Dünndarms zur Aufnahme von sogenanntem Holz- bzw. Milchzucker untersucht wird. Bei starker Schädigung durch Zöliakie ist die Dünndarmschleimhaut zuweilen nicht mehr zur Verwertung von Milchzucker in der Lage, da das Enzym Laktase, das dem Milchzuckerabbau dient, nicht mehr in ausreichender Menge gebildet wird. Die Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) geht oftmals wieder zurück, sobald sich der Dünndarm wieder erholt.

Der Verlauf von Zöliakie

Unbehandelt führt die allergische Reaktion des Immunsystems auf Gluten zu einer fortschreitenden Zerstörung der Dünndarmschleimhaut. Bei der Blutuntersuchung von Zöliakie-Patienten stellt der Arzt neben dem Vorliegen von Antikörpern häufig auch weitere Veränderungen fest: Bei einer Zöliakie-Erkrankung entstehender Eisenmangel führt oft zu Blutarmut. Ein möglicherweise entstehender Mangel an Vitaminen (insbesondere der Vitamine B12, D und K) kann eine erhöhte Blutungsneigung bewirken. Außerdem wird oft Calcium- und Kaliummangel diagnostiziert. Erwachsene Zöliakie-Patienten besitzen ein höheres Risiko, an Osteoporose zu erkranken. Eine langjährig unbehandelte Zöliakie verstärkt auch die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung an Dünndarmkrebs und anderen Krebsarten wie insbesondere bösartigen Lymphknotenvergrößerungen .

Eine durch Zöliakie gestörte Dünndarmfunktion kann im Kindesalter aufgrund Mangelernährung zu Entwicklungs- und Wachstumsstörungen führen. Auch Vitaminmangel, Blutarmut und geistige Fehlentwicklungen sind möglich. Außerdem können Blutgerinnungsstörungen, Schäden am Zahnschmelz und Rachitis auftreten. Die Pubertät bei erkrankten Kindern setzt zuweilen verspätet ein. Bei konsequent glutenfreier Ernährung entwickeln sich jedoch an Zöliakie erkrankte Kinder geistig und körperlich völlig normal.

Die Behandlung von Zöliakie

Die Therapie von Zöliakie erfordert eine lebenslange Diät durch glutenfreie Ernährung – hierin sind sich Schulmedizin und Naturheilkunde einig. Da das Getreideeiweiß Gluten in Weizen, Roggen, Hafer, Gersten und Dinkel enthalten ist, müssen daraus hergestellte Getreideprodukte wie Brot, Mehl, Nudeln und Kuchen gemieden werden. Zöliakie-Patienten müssen insbesondere auch auf die Zusammensetzung von Fertigprodukten achten: Häufig sind Gluten z. B. in Wurstwaren, Konserven, Suppen oder Soßen versteckt enthalten. Als Ersatznahrungsmittel kommen beispielsweise Reis, Mais bzw. Maismehl, Hirse und Soja in Betracht. Glutenfrei sind auch Amaranth und reine Stärke.
Bei vollkommen glutenfreier Ernährung erholt sich die Dünndarmschleimhaut wieder, so dass die Krankheitssymptome verschwinden. Das Risiko einer Krebserkrankung ist bei konsequenter Einhaltung einer glutenfreien Ernährungsweise nur geringfügig erhöht. Bei Diätfehlern kehren die Zöliakie-Beschwerden allerdings häufig rasch zurück.

Die Vorbeugung von Zöliakie

Eine gezielte Zöliakie-Prävention ist nicht möglich. Symptomen, die möglicherweise auf eine Zöliakie hindeuten, sollte allerdings möglichst frühzeitig nachgegangen werden, um gravierende Mangelzuständen sowie der Gefahr von Spätfolgen vorzubeugen und eine gute Krankheitsprognose zu erzielen. Bereits im Kindesalter sollten Maßnahmen ergriffen werden, die zur Vermeidung von ansonsten möglicherweise bereits in jungen Jahren auftretenden schweren Krankheitsverläufen beitragen. Dazu gehört z. B. das Stillen von Säuglingen mindestens in den ersten sechs Lebensmonaten. Auf glutenhaltige Nahrungsmittel sollte bis einschließlich zum vierten Lebensmonat verzichtet werden. Damit sich Kinder allmählich an glutenhaltige Nahrung gewöhnen können, wird häufig empfohlen, glutenhaltige Nahrungsmittel stufenweise erst ab dem fünften Lebensmonat in den Speiseplan aufzunehmen.

Welche Hausmittel können bei der Behandlung von Zöliakie hilfreich sein?

Nicht mit dem Ziel einer Heilung der Grunderkrankung Zöliakie, wohl aber gegen einzelne Krankheitssymptome werden teilweise Hausmittel verwendet. Zur Linderung von Durchfallbeschwerden werden z. B. die – auch mehrmals tägliche – Einnahme eines Teelöffels Kümmel mit etwas Honig, Pfefferminztee mit Zitronensaft und Honig, Bananen, Buttermilch, ballaststoffhaltige Gemüsesäfte oder Möhrensuppe empfohlen.

Häufig gestellte Fragen:

  1. Was sind die häufigsten Zöliakie Symptome?
    Zu den häufigsten Zöliakie-Symptomen gehören Übelkeit, Durchfall, Blutarmut und Vitaminmangel. Außerdem können Muskelschwäche sowie Muskel- und Knochenschmerzen auftreten.
  2. Was darf man bei Zöliakie nicht essen?
    Wer an Zöliakie erkrankt ist, darf keine glutenhaltigen Lebensmittel zu sich nehmen. Gluten sind Eiweißstoffe, die in Getreidearten wie Weizen, Roggen, Hafer, Gerste und Dinkel vorkommen.
  3. Wie erkennt man Zöliakie bei Kindern?
    Zöliakie kann bei Kindern eine Mangelernährung bewirken, die zu Entwicklungs- und Wachstumsstörungen führt. Auch geistige Fehlentwicklungen, Blutgerinnungsstörungen, Zahnschmelzschäden und Rachitis sind möglich.
  4. Ist Zöliakie im Blut nachweisbar?
    Mit einer Blutuntersuchung können Antikörper nachgewiesen werden, die Auskunft über das Vorliegen und das Ausmaß einer Zöliakie-Erkrankung geben.
  5. Wie erfolgt eine Zöliakie Diagnose?
    Eine Endoskopie (Darmspiegelung) gibt Aufschluss über den Gesundheitszustand des Dünndarms. Eine Zöliakie-Erkrankung kann mit einer Gewebeprobe (Biopsie), die anlässlich einer Endoskopie entnommen wird, sowie mit einer Blutuntersichung festgestellt werden.