Die häufigste seelische Erkrankung ist die Depression. Sie kann langsam einschleichen, und wird dann manchmal erst bemerkt, wenn der Betroffene schwer erkrankt ist. Sie kann auch plötzlich auftreten und durch eine akute Situation, einen Todesfall oder einen Burnout, ausgelöst werden. Aber wenn sie erst einmal da ist, verdunkelt sie das ganze Dasein. Das Leben scheint für die Betroffenen nicht mehr lebenswert zu sein, düstere Gedanken machen sich breit. Jede noch so leichte Tätigkeit wird zur übermenschlichen Anstrengung, selbst das morgendliche Aufstehen kann so viel Kraft kosten, dass es ohne äußere Hilfe fast unmöglich wird.

Die alten Griechen nannten es Melancholie

Dieser unfassbare Schmerz der Seele, der den Menschen lähmt und hindert, war schon den alten Griechen bekannt. Bis ins 19. Jahrhundert bezeichneten die Ärztedie Depression meist als Schwermut oder Melancholie, wobei in Griechenland die Ansicht herrschte, dass Genie und Melancholie oft Hand in Hand gehen und besonders hoch begabte Menschen davon betroffen sind.

Im Mittelalter wurde Melancholie schließlich dem Trübsinn zugeordnet. Da damit verbunden war, dass der Mensch am Plan Gottes zweifelte und Gott nicht vertraute, wurde der Trübsinn wiederum zu einer der sieben Todsünden. Zeitweise hielt man Trübsinn sogar für Teufelswerk. Seelische Erkrankungen dieser Art waren deshalb bis lange in die Neuzeit auch mit schlechtem Gewissen und mit Scham verbunden. Noch heute ist es so, dass viele Betroffene nur ungern über ihren Zustand sprechen. Eine über Jahrhunderte geprägte negative Einstellung gegenüber dieser Krankheit der Seele hat so bis heute ihre Auswirkungen.

Volkskrankheit Depression

Erst in den letzten Jahren wurde das Tabu, das mit dieser seelischen Krankheit verbunden ist, mehr und mehr gebrochen. Inzwischen weiß man, dass zu jeglichem Zeitpunkt ca. 5 Prozent der Bevölkerung so schwer erkrankt ist, dass es einer Behandlung bedarf. Schätzungsweise 25 Prozent aller Menschen erleben mindestens einmal in ihrem Leben eine depressive Phase, die mehr und weniger schwer ausgeprägt sein kann.
Da die Krankheit die Seele betrifft, kann die Diagnose schwierig sein. Manchmal ist nicht sofort zu erkennen, ob ein Betroffener nur ein seelisches Tief hat oder ob er wirklich erkrankt ist. Prinzipiell geht man davon aus, dass man einen Arzt aufsuchen sollte, wenn die Symptome länger als zwei Wochen andauern.
Depression gilt als die tödlichste seelische Erkrankung überhaupt. Alleine in Deutschland gibt es pro Jahr 150.000 Suizidversuche und ca. 10.000 Suizide. Bei fast allen Fällen waren Depressionen die Ursache oder ausschlaggebend beteiligt.

Die Vielzahl der Symptome

Die Medizin teilt die Symptome in Haupt- und Nebensymptome ein. Je nach Anzahl der Symptome wird die Erkrankung dann wiederum in verschiedene Schweregrade eingeteilt. Bei einer leichten Erkrankung hat der Patient neben zwei Hauptsymptomen noch zwei Nebensymptome, bei einer schweren jedoch mindestens drei Haupt- und fünf Nebensymptome.
Die Hauptsymptome sind die allgemeine depressive Stimmung und das Gefühl innerer Leere. Der Erkrankte verliert jegliches Interesse, er kann sich weder freuen, noch kann er trauern oder weinen. Auch tröstende Worte oder konkrete Lösungsansätze bei Lebenskrisen wie Arbeitslosigkeit oder einer Scheidung helfen nicht weiter. Der Betroffene ist außerdem sehr müde. Aufstehen wird zum Problem. Gerade dieser Punkt kann eine enorme Belastung darstellen, er hat deshalb auch seinen eigenen Namen: Morgentief.
Die Nebensymptome können variieren. Der Betroffene verliert sein Selbstvertrauen, und er ist ständig pessimistisch und macht sich große Sorgen um die Zukunft. Er fühlt sich hilflos und schwach. Dazu kommen Schlafstörungen und Essstörungen. Viele verlieren an Gewicht, andere nehmen jedoch zu, weil sie sich aufgrund der Antriebslosigkeit weniger bewegen und zu Kummerspeck neigen. Das Interesse an Sex verringert sich oder verschwindet ganz.
Dazu können durchaus auch körperliche Symptome kommen. Erkrankte haben oft Schmerzen in der Brust oder anderen Körperteilen. Außerdem besteht eine größere Gefahr, an Infektionen zu erkranken.
Männer neigen außerdem vermehrt zu Missbrauch von Alkohol, Nikotin oder Drogen. Ihre Gewaltbereitschaft kann ansteigen, und auch das Suizidrisiko ist bei Männern höher als bei Frauen. Frauen neigen dagegen vermehrt zu düsteren Gedanken. Sie machen sich verstärkt große Sorgen um die Zukunft.
Es ist wichtig, dass die Schwere der Depression korrekt diagnostiziert wird, weil der Behandlungserfolg von der Diagnose abhängig ist. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und andere Organisationen haben dafür Fragebögen entwickelt, die von Ärzten verwendet werden können. Einige Fragebögen sind auch zur Selbstbefragung und als Hilfe für Angehörige geeignet.

Die Auslöser der Depression

Es gibt verschiedene Arten von Depressionen, die auch verschiedene Ursachen haben. Ärzte orientieren sich bei der Wahl der Behandlung heute eher am Schweregrad der Erkrankung, als an der Art der Depression. Trotzdem ist die Ursache ausschlaggebend, weil eine Reihe von körperlichen Krankheiten Depressionen als Folgesymptom haben. So kann Alzheimer z.B. eine Depression auslösen, genau wie verschiedene Stoffwechselerkrankungen.
Bei der Winterdepression ist der Lichtmangel die Ursache, bei einer postnatalen Depression, die nach Geburten auftreten kann, sind die Hormonschwankungen nach der Schwangerschaft die Auslöser. Die endogene Depression entsteht scheinbar aus dem Nichts, während die Manische Depression mit ihren Ups und Downs ihren ganz eigenen Krankheitsverlauf hat. Dazu kommen noch die Depressionen nach einem Burnout oder nach einer schweren Lebenskrise. Auch Kinder- und Jugendliche können schwer erkranken, was bei den Eltern oft zu großer Verunsicherung führt. Manche Depressionen werden jedoch auch durch Medikamente oder durch Suchtkrankheiten ausgelöst.
Die eigentliche Ursache für das Seelentief ist aus rein wissenschaftlicher Sicht noch nicht eindeutig geklärt. Es scheint eine genetische Veranlagung zu geben, einige Forscher sehen in der Krankheit ein soziologisches Problem.
Es gilt jedoch als bewiesen, dass gewisse Hirnströme bei einer Erkrankung dieser Art gestört sind. Der Spiegel der Neurotransmitter ist bei den Erkrankten entweder zu hoch oder zu niedrig. Auch der Serotoninstoffwechsel hat eine wichtige Funktion und scheint gestört zu sein. Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die diese Annahmen bestätigen. Es gibt aber auch eine Reihe von Forschungen, die das widerlegen.

Behandlung und Heilung

Grundsätzlich sind alle Depressionen heilbar, Voraussetzung ist jedoch, dass die richtige Diagnose getroffen wird und alle körperlichen Krankheiten, die dazu führen können, ausgeschlossen oder behandelt werden. Selbst chronische Depressionen, die schon seit Jahren anhalten, können heute erfolgreich geheilt werden, auch wenn immer ein Rückfallrisiko bestehen bleibt.
Als besonders hilfreich hat sich eine Kombination aus Psychotherapie und einer medikamentösen Behandlung gezeigt. Bei leichteren oder mittelschweren Depressionen können dagegen zielgerechte Therapien ausreichen. Hier gibt es einen breiten Fächer an Möglichkeiten von Bewegungstherapie bis Yoga, Meditation oder Psychotherapie. Für was sich der Betroffene letztendlich entscheidet, hängt von der Krankheitsursache und von vielen anderen äußeren Umständen ab.
Bei saisonalen Depressionen – die immer im Herbst und im Winter auftreten – haben sich Lichttherapien als besonders hilfreich erwiesen, wobei die nötige Lichtmenge durch künstliches Tageslicht oder durch lange Spaziergänge an der frischen Luft zugeführt werden kann.
Die medikamentösen Behandlungen zielen heute darauf ab, den gestörten Serotoninhaushalt bzw. den Spiegel der Neurotransmitter zu regulieren. Nur bei schweren Erkrankungen werden heute noch alt hergebrachte Medikamente wie Lithium verwendet. Meist werden sie im Rahmen einer stationären Behandlung verabreicht. Moderne Medikamente haben den Vorteil, dass sie nicht abhängig machen und weniger Nebenwirkungen wie z.B. Gewichtszunahme haben

Rückfall vermeiden und vorbeugen

Die Gefahr für einen Rückfall ist immer gegeben. Angehörige können sich mit Ärzten und Therapeuten beraten, wie sie die ersten Anzeichen erkennen können. Nach einer erfolgreichen Psychotherapie wird der Betroffene wissen, wie er mit Stress, Alltagsproblemen und zu hohen Anforderungen zurechtkommen kann. Hier helfen oft auch weiterführende Verhaltenstherapien. Viele Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass gerade Bewegung, Licht und Gespräche allen Menschen und ins Besondere auch denjenigen, die zu düsteren Gedanken neigen, besonders helfen. Ein Spaziergang an der frischen Luft mit guten Freunden oder lieben Verwandten ist deshalb oft die einfachste und trotzdem beste Lösung, um auf dem Weg zur Besserung zu bleiben.

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