Die nächtliche Ruhe soll den Menschen mit Energie und Kraft für den neuen Tag versorgen. Doch das ist nicht möglich, wenn man von Albträumen geplagt wird. Die panikartigen Attacken während des Schlafs deuten aber auf Wunden im Unterbewusstsein oder Mängel im alltäglichen Leben hin. Sie können somit geheilt werden.

Was sind Alpträume eigentlich?

Jeder Mensch träumt in der Nacht. Selbst dann, wenn er es gar nicht einmal bemerkt und sich auch später nicht mehr daran erinnern kann. Dennoch durchlebt er bestimmte Bilder oder sogar einzelne Handlungsverläufe. Sie werden ihm vor das geistige Auge geführt. Besonders intensive Träume können zudem wahrgenommen werden. Sie lösen Emotionen aus. So kann der Betroffene tief bewegt sein und ein breites Spektrum an Gefühlen erfahren. Fallen diese vorwiegend negativ aus, belasten sie den Schlafenden und sind sie mit Ängsten verbunden, so liegt ein Albtraum vor. Mögen diese in der Kindheit weit verbreitet sein, so werden auch Erwachsene regelmäßig von derartigen nächtlichen Panikattacken heimgesucht. Oftmals sind psychologische Eigenschaften oder die Erlebnisse des Alltags an deren Auftreten beteiligt – Gegenmaßnahmen sind daher möglich.

Sind diese Träume allgemein verbreitet?

Wissenschaftler gehen davon aus, dass etwa 80 % der Bundesbürger bereits Erfahrungen mit Albträumen gesammelt haben. Deren Vorkommen ist zunächst also weitgehend natürlich. Denn das Gehirn und das Unterbewusstsein verarbeiten bestimmte Eindrücke, die der Mensch durchweg erfasst. Zuweilen fügt er Bilder zusammen, die wir als störend und verängstigend wahrnehmen. Diese können, müssen aber nicht zwingend einen tieferen Sinn beinhalten. Erst, wenn eine Sequenz der Alpträume immer wieder erlebt wird, deutet das auf tiefere Ursachen hin. In diesem Falle könnte der Betroffene über Monate oder sogar Jahre hinweg in unregelmäßigen Abständen gewisse Passagen wiederholt vor Augen geführt bekommen – meist in hoher und quälender Intensität, sodass nicht selten regelrechte Ängste vor dem Einschlafen selbst ausgelöst werden. Der Weg in eine Psychose wird damit geebnet.

Psychische Ursachen für die Alpträume

Grundsätzlich werden in der Wissenschaft zwei Gründe für das Entstehen solcher Träume unterschieden. Einerseits wird dabei auf spontane Auslöser abgestellt, andererseits aber eine gewisse mentale Veranlagung als ursächlich erkannt. Letztgenannte wird häufig vererbt. Litten die Eltern und Großeltern bereits unter der nächtlichen Qual, so wird auch das Kind sehr wahrscheinlich davon betroffen sein. Zudem werden Menschen davon heimgesucht, die als besonders sensibel gelten, vielleicht nervlich oftmals überreizt wirken und mental nicht ausgeglichen sind. Auch diese Neigung liegt neben den täglichen Erlebnissen bereits in der Grundkonstitution jeder Person. Wer also negative Träume wiederholt wahrnimmt, obwohl es keinen konkreten Anlass dafür gibt, sollte die Triebfedern des Schlafterrors daher in der eigenen Psyche suchen. Hierbei kann ein Therapeut helfen und mögliche Maßnahmen vorschlagen.

Akute Gründe für die Träume

Demgegenüber können auch psychisch robuste Persönlichkeiten mit einem starken oder sogar dominanten Naturell von den Albträumen belastet werden. Im Regelfall liegen dafür konkrete Erfahrungen vor. Diese entstehen im Alltag. Der Stress im Büro, die anstehende Prüfung in der Universität oder die Angst, aus finanzieller Not das Haus zu verlieren, lösen die negativen Emotionen aus. Daneben können aber auch traumatische Erlebnisse aus der frühen Kindheit derart tiefe Wunden im Unterbewusstsein hinterlassen haben, dass durch diese immer wieder bestimmte Traumbilder aufkommen. Der Biss durch einen Hund, der Sturz vom Baum oder der Streit der eigenen Eltern führt nicht selten dazu, dass psychische Narben reifen. Sie müssten therapeutisch aufgearbeitet werden. Handelt es sich dagegen um alltägliche Auslöser, so gilt es, diese zu beseitigen.

Wie wirken sich Alpträume aus?

Es gibt unterschiedliche Formen, in denen sich der Betroffene in der Notlage des schlimmen Traums ein Ventil sucht, über das er den Druck abbauen möchte. Diese sind regelmäßig:

  • Schreie: Viele Menschen rufen um Hilfe, wenn sie negativ beeinflusst werden
  • Bewegungen: Häufig werden zuckende Bewegungen aller Gliedmaßen wahrgenommen, die bis zu einem Rudern der Arme und Beine führen können
  • Bettnässen: Albträume können zu einem Wasserlassen während des Schlafs führen
  • Zähneknirschen: Einige Betroffene bewegen während des psychischen Drucks die Kiefer und knirschen oder mahlen mit den Zähnen
  • Unbewusste Handlungen: Einige Schlafende schlagen mit den Händen um sich oder ergreifen Gegenstände, um diese unbewusst als Waffe zu verwenden
  • Aufwachen: In der Folge all dieser Formen wacht der Träumende auf
  • Schweißfluss: Durch die ausgestandenen Ängste kann während des Traums oder nach dem Erwachen ein starker Ausbruch der Körperflüssigkeit angeregt werden

Weitere Folgen des Traums

Es kann allerdings vorkommen, dass die genannten Symptome nicht das Ende der Alpträume darstellen. Einige Betroffene erleiden eine regelrechte Schockstarre, die sie für wenige Minuten gefangen hält. Meist ist dabei der Geist rege, aber der Körper kann nicht bewegt werden. Weitere Auswirkungen liegen regelmäßig in Ängsten, die noch Stunden nach dem Aufwachen wahrgenommen werden und sogar dazu führen können, dass eine Konzentration auf die Arbeit oder andere alltägliche Aufgaben nicht möglich ist. Nur selten wird der mentale Druck dagegen so groß, dass er Depressionen auslöst und akute Gefahren für eine Person beschwört. Wenigen Menschen ist es allerdings tatsächlich nicht mehr möglich, zwischen dem Traum und der Realität zu unterscheiden. In diesen Fällen muss eine grundlegende Therapie erfolgen.

Grundsätzliche Einflüsse ändern

Neben einer psychotherapeutischen Begleitung kann es gleichermaßen helfen, bestimmte Situationen des Lebens zu verändern. Denn dem Unterbewusstsein kommt immer auch die Aufgabe zu, uns vor gewissen Gefahren zu warnen, die wir selbst nicht erkennen. Tritt ein schlechter Traum wiederholt auf oder werden vermehrt einzelne Szenen davon durchlebt, kann das auf festgefahrene Gleise deuten, die wir verlassen sollten. Vielleicht liegt uns die Arbeit nicht oder wir verhalten uns auf Partys zu ausschweifend. Eventuell haben wir aber auch nur Angst, unseren Partner zu verlieren oder bestimmte Herausforderungen zu meisten. Wer diese Einflüsse erkennt und beseitigt, wird regelmäßig bereits eine Verbesserung für die nächtlichen Ruhestunden feststellen – und idealerweise mittelfristig die Alpträume umgehen können. Es lohnt sich daher, stets auch das eigene gegenwärtige Leben auf einen Optimierungsbedarf zu untersuchen.

Vorbeugende und helfende Maßnahmen

Negative Träume lassen sich darüber hinaus lindern, indem auf eine mentale Entlastung hingewirkt wird. Das autogene Training, die Meditation und Konzentrationsübungen helfen, um dem Unterbewusstsein ein wenig Ruhe zu verschaffen. Damit gelingt es meist, schwerwiegende Erfahrungen besser und effizienter zu bewältigen – eine nächtliche Wiederkehr wird ausgeschlossen. Aber auch körperliche Bewegung ist angeraten, um etwa das Essen zu verdauen oder muskuläre Blockaden zu lösen. Selbst diese Optionen lassen uns ruhiger schlafen und werden störende Einflüsse beheben. Wer dagegen seine Gedanken nicht unter Kontrolle bringen kann, darf zu Stift und Papier greifen: Das regelmäßige Schreiben eines Tagebuchs ist geeignet, bestimmte Erlebnisse und Emotionen aufzuarbeiten. Denn erst ein ausbalancierter Geist ist stark genug, um Albträume zu vermeiden.

 

 

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