Magersucht, auch bekannt unter Anorexia nervosa, ist eine Suchterkrankung, bei der Betroffene ihren einzigen Lebensinhalt in der Vermeidung von unnötiger Nahrungsaufnahme sehen. Zwar psychischer Ursache, doch ebenso heimtückisch wie jede andere körperliche Sucht.

Etwa 30% aller Erkrankten können geheilt werden, 40% leben dauerhaft mit einem lebenslang gestörten Essverhalten und traurige 30% versterben sogar an den Folgen der Magersucht.

Wie kommt es zur Magersucht & warum hungern Menschen freiwillig?

Magersucht: Wenn Menschen die Nahrungsaufnahme einstellen

Magersucht: Wenn Menschen die Nahrungsaufnahme einstellen
(© Ivan Bliznetsov – Fotolia.com)

Magersucht hat einen extrem selbstzerstörerischen Charakter, was sie so gefährlich macht. Der Einstieg in ein süchtiges Verhalten verläuft schleichend und zu Anfang steht meist eine harmlose Diät.

Warum diese dann derart außer Kontrolle geraten ist, fragen sich rückblickend Viele, die erfolgreich davon losgekommen sind. Das heutige Modeideal suggeriert uns täglich in Zeitschriften, Werbung und Fernsehen, dass nur schön sei, wer perfekt schlank ist. Doch solche Menschen wie z.B. in der Werbung gibt es im realen Leben eben nicht. Denn wie kann ein offensichtliches Untergewicht gesund sein?

Bei der Magersucht geht es jedoch selten um das Erreichen eines bestimmten Gewichts, sondern um stetig weiter abzunehmen und dadurch immer noch dünner zu werden.

Erkrankte haben kein normales Körpergefühl mehr und finden sich sogar dann noch zu dick, wenn das Umfeld schon entsetzt die Hände vor’s Gesicht schlägt.
Typisch für die Magersucht ist, dass der Betroffene andere Personen, welche offensichtlich mehr auf die Waage bringen als er selbst, noch als dünner ansieht. D.h. es fehlt die Erkenntnis, das eigene Ich richtig zu sehen. Gesteigert wird der Wunsch nach dem vermeintlich perfekten Körper meist noch durch übertriebene sportliche Aktivitäten, während immer weniger Kalorien zugeführt werden.

Ein Teufelskreis, denn der menschliche Körper benötigt dringend Fett aus der Nahrung, um lebenswichtige Körperfunktionen durch Muskelkraft aufrecht zu erhalten.

Der Magersucht-Kranke nimmt nicht mehr wahr, dass für Sport eigentlich gar keine Reserven mehr vorhanden sind und „belohnt“ sich statt mit Essen mit dem euphorischen Gefühl, das Magenknurren mal wieder ignoriert und den Tag erfolgreich ohne meist mehr als einem Apfel durchstanden zu haben.

Magersucht betrifft rund 10mal so viele Frauen wie Männer. Auch ist das Auftreten der Krankheit höher, je jünger die Patienten sind. Am häufigsten beginnt Magersucht in der Pubertät, einer Zeit, in der sowieso alles durcheinander geraten ist. Die kleinste Hänselei durch Gleichaltrige oder der erste Liebeskummer reichen manchmal schon aus, um die Lawine aus Magerwahn loszutreten. Oft kommen familiäre Konflikte, wie z.B. Probleme mit Eltern oder Geschwistern hinzu und sind genug, ein eh schon angekratztes Selbstwertgefühl für eine beginnende Magersucht zu begünstigen. Im Erwachsenenalter können dies beruflicher Stress und Verlustängste sein.

Da Magersucht ganz viel mit Selbstkontrolle zu tun hat und neurotische Züge bis hin zum Kontrollzwang hat, nimmt man an, dass dem Erkrankten aus seiner Sicht quasi nur diese scheinbar einzige Möglichkeit bleibt, einer aus dem Gleichgewicht geratenen Lebenssituation zu trotzen. Bei Magersucht ist ein Stück Butter auf dem Brot ein absoluter Feind, genauso wie schon der Anblick einer einzelnen Nudel. Es herrscht ständig panische Angst, auch nur ein einziges Gramm zunehmen zu können. Also ist der tägliche Gang zur Waage obligatorisch. Auch wenn ständig Hunger da ist, wird nicht mehr gegessen. Denn dem eigenen Körpergefühl nachzugeben, bedeutet für Jemanden mit Magersucht Schwäche.

Um von Angehörigen und Freunden nicht angesprochen zu werden, trägt ein Magersucht-Betroffener gerne weite Kleidung und gibt beim Familienessen vor, schon gegessen zu haben und nicht mehr hungrig zu sein. Bereits ein winziger „unerlaubter“ Biss müsste anschließend mit extra Sport kompensiert werden.
Hilflos können Familie und Freunde lange nur zusehen, bis der Punkt erreicht ist, an dem die Magersucht lebensbedrohlich wird. Bis ein stationärer Krankenhausaufenthalt unausweichlich ist. Dort muss dem Körper in den schlimmsten Fällen sofort durch die Gabe einer Elektrolytlösung geholfen werden, die die verlorenen Mineralstoffe wieder zuführt, um noch Schlimmeres zu verhindern.

Auch wenn es soweit nicht kommen muss, so braucht ein an Magersucht leidender Mensch dringend Hilfe. Der Körper stellt bei Magersucht lediglich das Sprachrohr der Seele dar, die aus dem Gleichgewicht geraten ist. Alleine die Liebe und der Versuch des gesunden Umfeldes, zu verstehen, reichen hier nicht aus. Magersucht muss möglichst langfristig professionell behandelt werden, um eine stabile Heilung zu erwirken.

Leider gibt es auch keinerlei Medikamente zur Genesung von Magersucht, da die Seele sich nun mal nicht von außen heilen lässt.