Klingt es nicht verlockend, nur ein paar Pillen zu schlucken und dabei die Pfunde zum Purzeln zu bringen – so ganz ohne Sport und ohne Hungern? Frauen und Männer, die einen großen Wunsch nach Gewichtsverlust haben, werden schnell zum Opfer solcher Versprechungen. Und das lässt die Pharma- und Lebensmittelindustrie natürlich nicht kalt. Diese produzieren unzählige Pillen, die das Fett zum Schmelzen bringen sollen. Das gilt nicht nur für den Fernost. Appetitzügler sowie Kohlenhydrat- und Fettblocker gibt es auch in Deutschland zahlreich zu kaufen, jedoch mit einem wesentlichen Unterschied: Hierzulande gibt es strenge Vorgaben für Inhaltsstoffe. Das gilt jedoch nicht für alle asiatischen Länder, zumindest nicht für China und Japan.

Sibutramin – die gefährliche Substanz in chinesischen Abnehmpillen

Sibutramin – die gefährliche Substanz in chinesischen Abnehmpillen

Die dortigen Hersteller können im Grunde frei über die Zusammensetzung der Wirkstoffe entscheiden. Und genau diese zwei Länder sind im asiatischen Raum der Marktführer für fettschmelzende Wundermittel schlechthin. Die Hersteller locken ihre Zielgruppe mit gefährlichen Pillen an, die unserem Körper zum Verhängnis werden können. Solche Abnehmpillen aus China und Japan sind zwar nicht in Deutschland zugelassen, doch kann man sie meist ganz einfach im Internet bestellen. Und günstig sind sie noch dazu. Es schadet ja eigentlich nicht, sie einmal auszuprobieren, sie kosten ja nicht viel. Kein Drama also, wenn die gewünschte Wirkung nicht einsetzt. Oder etwa doch?

Warum sind diese Pillen so gefährlich?

Es spricht nichts gegen Abnehmpillen aus dem Fernost, allerdings nur, wenn sie auch offiziell in Deutschland zu gelassen sind. Denn dann wurden sie vor dem Verkauf bereits auf gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe geprüft. Doch punkten solche Produkte natürlich nicht mit einem guten Preis. Wirklich günstig sind nur Abnehmpillen, die direkt aus dem Ausland bezogen werden. Wer sich von dem Angebot aus dem Fernost, das mit gut und günstig beworben wird, verblenden lässt, geht eine große Gefahr für die Gesundheit ein. Denn bisher wurden keine klinischen Tests durchgeführt. Das heißt:

Abnehmtabletten aus China und Japan wurden in ihrem jeweiligen Herkunftsland weder auf Inhaltsstoffe noch auf ihre Wirkung getestet.

Des Weiteren müssen Produkte, die bei uns zugelassen sind, eine deutsche Version des Beipackzettels oder zumindest eine deutsche Beschreibung enthalten. Für nicht zugelassene Abnehmpillen aus China und Japan ist das nicht üblich, üblicherweise werden Sie nur Infos in der Landessprache finden. Wie Sie die Tabletten einzunehmen haben und welche Inhaltsstoffe sich darin befinden, bleibt vorerst ein Geheimnis – es sei denn, Sie haben einen japanisch- oder chinesischsprachigen Verwandten oder Bekannten.

Nahrungsersatz und Kräutertabletten aus Japan

Im Internet erhalten Sie ein breit gefächertes Angebot an Abnehmpillen aus Japan. Da verliert man ja schon fast den Überblick. Zum Beispiel gibt es einen Nahrungsersatz für Essensliebhaber mit dem Namen „Shinya koso“ – zumindest findet man diese Infos auf einer Website, die dieses Produkt anbietet. Die Tabletten sollen laut Beschreibung des Anbieters reichlich Kurkuma, Ingwer und Enzyme enthalten, die die Kalorienverbrennung unterstützen sollen.

Auf der Verpackung kann man lediglich das Wort „Diet“ sowie drei Mengenangaben in Zahlen und Maßeinheit erkennen, mehr aber auch nicht. Alle anderen Angaben liegen nur auf Japanisch vor. Ein weiteres Beispiel ist ein Präparat, das wohl nur Kräuterextrakte und Enzyme enthalten und die Gärung sowie Ausscheidung im Körper fördern soll. Für alle, die kein Japanisch sprechen, geben nur ein paar nette Bilder von Frauen sowie einer Obst- und Gemüsemischung einen Hinweis darauf, dass es sich hier um ein Produkt zum Abnehmen handelt.

Abnehmpillen alleine sind selten die Lösung!

Abnehmpillen alleine sind selten die Lösung!

Wie Sie sehen, ist es durchaus möglich, günstige Abnehmpillen aus Japan zu erwerben. Aber würden Sie wirklich diese mysteriösen Tabletten einnehmen, ohne zu wissen, welche Wirkstoffe sich dahinter verbergen? Darüber hinaus ist zu erwähnen, dass Japan seit vielen Jahrzehnten bekannt für die skurrilen Diätmethoden ist. Am Anfang des 20. Jahrhunderts schluckten Frauen sogar Bandwürmer, die ihnen das Essen wegfressen sollten. Und nicht selten kommen heute etwa Haigalle und Tigerurin in den Abnehmtabletten vor.

Wenn wir einmal von der Wirkung absehen, appetitlich klingt das ja wirklich nicht. Ein Großteil der japanischen Frauen sind tatsächlich schlank, ob sie ihre schlanke Silhouette aber an den fettschmelzenden Wunderpillen zu verdanken haben, ist zweifelhaft. In der Tat ernähren sich Japaner sehr gesund, ihre Ernährung besteht zu einem großen Teil aus Gemüse und Fisch. Vielleicht machen wir uns die schlanken Japanerinnen besser im Hinblick auf ihre Ernährungsweise zum Vorbild?

Sibutramin – die gefährliche Substanz in chinesischen Abnehmpillen

China spielt in der Heilkunde eine Vorreiterrolle, denn die traditionelle chinesische Medizin hat sich schon seit sehr vielen Jahren auch bei uns etabliert. Aber wie seriös können die Produkte von Herstellern sein, die billige Abnehmpillen anbieten? Und wenn diese sich nicht an die gesetzlichen Vorgaben halten müssen, würden sie dann auch die besten Wirkstoffe zur Herstellung günstiger Pillen einsetzen? Das sind Fragen, die ein jeder mit gesundem Menschenverstand beantworten kann.

Erst vor Kurzem kursierte im Netz eine Warnung vor Abnehmpillen aus China, die den Wirkstoff Sibutramin enthalten. Es handelt sich dabei um die sogenannten Wunderpillen, die das Fett in kürzester Zeit zum Schmelzen bringen sollen. Sibutramin ist ein Wirkstoff, der in Deutschland nur in einem einzigen Medikament mit dem Namen Reductil zugelassen. Der Appetitzügler regt die Produktion von Noradrenalin und Serotonin an, wodurch ein Glücksgefühl ausgelöst wird. Gleichzeitig wird das Hungergefühl gehemmt und der Fettstoffwechsel angeregt. Da Sibutramin aber schwerwiegende Nebenwirkungen wie Nervosität, Herzrasen und Schlafstörung hervorrufen kann, verschreiben Ärzte das Medikament Reductil auch nur bei starkem Übergewicht.

Darüber hinaus kommt der Wirkstoff in diesem Arzneimittel in einer sehr geringen Dosis vor. Anders verhält es sich aber mit den Abnehmpillen aus China, die natürlich alle frei käuflich sind: Sie enthalten zwei Mal so viel Sibutramin. Insgesamt sind weltweit 35 Menschen an den Nebenwirkungen gestorben. Leider finden auch diese illegalen Abnehmpillen ihren Weg nach Deutschland. Und leider gibt es immer noch viele Menschen, die ihre Gesundheit aufs Spiel setzen würden, nur um nicht mehr dick zu sein.

Lieber die Finger davon lassen!

Gesundes Abnehmen und dauerhaftes Halten des Wunschgewichts funktioniert nicht ohne körperliche Bewegung und Ernährungsumstellung sowie Verzicht auf Kartoffelchips, Schokolade, Softdrinks und andere Kalorienbomen. Es ist zu illusionistisch, daran zu glauben, dass allein das Schlucken von Abnehmpillen zu einer schlanken Körper verhelfen kann. Es mag Produkte geben, die wirklich Wirkung zeigen, doch müsste man die Tabletten dauerhaft einnehmen. Sobald diese abgesetzt werden, setzt sich auch das Fett ganz schnell an Bauch und Beinen wieder ab. Und langfristig gehen Appetitzügler und Fettblocker mit Nebenwirkungen einher, die dem Körper schaden können. Das gilt auch für Produkte, die bei uns zugelassen sind. Wie groß muss dann bei den „illegalen“ Pillen das Ausmaß an Risiken sein?

Bildquelle: Bigstock