Um das Jahr 1450 lernte ein arabischer Reisender im Hochland Äthiopiens ein erstaunliches Getränk kennen. Wohlriechend und belebend war es aus den gerösteten Kernen einer Wildpflanze zubereitet worden. Kurzerhand nahm er einige Pflänzchen mit in seine Heimat Jemen – von dort aus begann der Siegeszug des Kaffees um die Welt.
Als er schließlich in Europa angekommen war, dichteten ihm die bürgerlichen Eliten, wie auch dem nahestehenden Tee, seines wunderbaren Aromas und seines schönen Dufts zu Trotz den fatalen Geruch von unnötigem Luxus an. Dazu kamen die Einschätzungen von Ärzten und Apothekern, die der Bohne austrocknende Eigenschaften zuordneten, die allenfalls Phlegmatiker zu aktivieren geeignet seien. Deshalb würde der Kaffee auch den Liebestrieb schädigen, wie in der britischen „The Woman’s Petition against Coffee“ von 1674 zu lesen war – wobei sich das Pamphlet weniger um die erotischen Befindlichkeiten der britischen Damenwelt scherte, als das es zum Sturm auf die Kaffeehäuser aufrief: Das schädigende, austrocknende Getränk sein lediglich geeignet, Aufruhr zu säen!

Einerseits war aber der Siegeszug des Kaffees nicht aufzuhalten: Der Weg von den studentischen „Kaffeeschmäusen“ unter Deutschlands Studentenschaften über die französischen Kaffeekantaten und Daniel Wilhelm Trillers „Lob des Kaffees“ bis zur Erfindung von Gefriertrocknung und Kaffeekapseln wurde andererseits immer von den Anfechtungen der Kaffeeskeptiker unterschiedlicher Couleur begleitet. Aber ist unser Lieblingskaffee wirklich ungesund?

Wie gesund ist unser Kaffee?

Kaffee gehört zu den äußerst gründlich untersuchten Getränken unserer Zeit. Immer wieder stellt sich heraus, dass er für unser Wohlbefinden und für unsere Gesundheit viel besser ist, als sein Ruf – Einfluss auf sein Bekömmlichkeit haben die Röstung und die Zubereitung des Kaffees.
Nachgewiesen wurde, dass er dem Körper keinesfalls Flüssigkeit entzieht – selbst Rituale, Espresso stets mit einem Glas Wasser genießen zu müssen, sind unnötig. Davon abgesehen, dass einfacher Filterkaffee mehr Koffein beinhaltet als Espresso, weil das Kaffeepulver ausgiebigeren Kontakt mit dem Brühwasser hat, stimuliert der anregende Inhaltsstoff lediglich vorübergehend die Wasserausscheidung – nichtsdestotrotz kann die Kaffeemenge neuen Erkenntnissen zufolge der täglichen Flüssigkeitsbilanz hinzugerechnet werden.
Auch Diabetiker können vom Kaffee profitieren: Der Konsum von bis zu sechs Tassen Kaffee täglich soll geeignet sein, Risiken für eine Diabetes-Typ II-Erkrankung zu minimieren. Dabei ist ein Filtern durch die traditionellen Filtertüten günstiger, weil das Cellulosematerial die Diterpene Kawheol und Cafesol effektiv zurückhält, die das schädliche Cholesterin erhöhen.
Koffein fördert die Freisetzung von Dopamin in den gehirneigenen Nervenzellen. Dadurch können verschiedene Beschwerden von Parkinsonpatienten abgemildert werden. Darüber hinaus gibt es für ein allgemeines Parkinsonrisiko sogar einen vorbeugenden Effekt.

Schlau und fit mit Kaffee

Stimulierendes Koffein sorgt für die Verbesserung des Gedächtnisses. Österreichische Studien weisen nach, dass bereits zwei Tassen Kaffee für verbesserte Leistungen bei der Auflösung kniffliger Denkaufgaben sorgen können. Besonders das Kurzzeitgedächtnis wird aktiviert.
Der herrliche Duft frisch aufgebrühten Kaffees stimuliert aber nicht nur die geistigen, sondern auch körperliche Reserven. Die aufmunternde Wirkung kann allerdings nicht durch dauerndes Kaffeetrinken aufrechterhalten werden. Denn ein Gewöhnungseffekt stellt sich dadurch recht schnell ein und die aktivierenden Wirkungen gehen verloren. Demnach ist es unmöglich, ständig hoch konzentriert und wach zu sein.

Ein Herz für Kaffee

Kaffeetrinken erweitert die Herzkranzgefäße, der Herzmuskel wird besser mit Blut versorgt und das Herz schlägt kräftiger und schneller. Das sind positive Erkenntnisse einer Studie mit 128 000 Probanden. Die durch die Bohnenröstung entstandenen Antioxidantien sind ausgewiesene Radikalenfänger. Sie können zum Schutz vor Herzinfarkten beitragen.
Asthmatiker und COPD-Erkrankte können von ihrem täglichen Kaffeegenuss ebenfalls profitieren. Er kann bei der Entspannung der Muskulatur der Bronchien und zu ihrer Erweiterung beitragen, um besser durchatmen zu können.
Auch ein Risiko für die Bildung von Gallensteinen kann minimiert werden. Untersuchungen ergaben eine Absenkung um etwa 25 Prozent – man vermutet einen anregenden Einfluss des Koffeins auf die Konteraktionsintensität der Gallenblase.
Weil Koffein die Umwandlung gesunder in kranke Leberzellen bremst, hilft ein regelmäßiger Kaffeegenuss bei der Gesunderhaltung der Leberfunktion – schon zwei Tassen Kaffee am Tag reichen aus.

„Die Dosis macht das Gift“

Koffein regt an, Antioxidantien schützen vor Herzinfarkten und darüber hinaus vor Arteriosklerose. Kaffeetrinken kann gegen Nieren-, Leber- und Hautkrebs vorbeugen, Wechseljahresbeschwerden einschränken und alles in allem glücklicher machen. Aber übermäßiger Kaffeegenuss kann schädlich sein:
Vier Tassen duftender, aromatischer Kaffee sind unbedenklich, lediglich Schwangere sollten den Konsum auf zwei Tassen beschränken.
Darüber hinaus kann übermäßiges Kaffeetrinken zu Entzugserscheinungen führen – Kopfschmerzen an kaffeefreien Tagen sind ein Zeichen dafür. Die Kopfschmerzen verschwinden allerdings rasch wieder.
Denn eine Sucht ist die Liebe zum Kaffee keinesfalls. Psychische oder körperliche Folgen wie bei Tabakrauchen, Drogen oder Alkohol stellen sich nicht ein, wo die Dosis immer weiter ansteigen muss.
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