Ärzte können zwar anhand vieler verschiedener Untersuchungsmethoden eine Diagnose stellen, es ist aber auch zwingend erforderlich, dass der Patient dem behandelnden Arzt alle wichtigen Fakten, die die Krankheit betreffen, ausführlich und wahrheitsgemäß mitteilt. Nur so kann der Mediziner eine passende und angemessene Behandlungsform einleiten und eine möglichst schnelle Heilung herbeiführen. Die Mitwirkung des Patienten kann also sehr entscheidend für den Behandlungserfolg sein.

Eine ausführliche Anamnese erhöht den Behandlungserfolg

Bei einem Hausarztwechsel oder dem ersten Kontakt mit einem Facharzt, steht in der Regel ein ausführliches Erstgespräch zur allgemeinen Anamnese an. Dieses Gespräch kann von entscheidender Bedeutung für den weiteren Behandlungsverlauf und auch den Heilungserfolg sein. Der Arzt sollte sich dafür ausreichend Zeit nehmen und der Patient sollte unbedingt alle Fragen so ausführlich wie nur möglich beantworten. Während Patienten oft bemängeln, ihr Arzt würde sich nicht genügend Zeit für sie nehmen und sich nur ganz kurz anhören, warum der Arztbesuch überhaupt erfolgt, sind die Ärzte oft nicht mit der Vorbereitung des Patienten zufrieden. Oft können wichtige Fragen nicht oder unzureichend beantwortet werden. Eine solide Anamnese ist aber nur dann möglich, wenn die Fragen des Arztes vollständig und ausführlich beantwortet werden können. Je mehr Details dabei genannt werden, umso besser kann der Arzt die Situation beurteilen und dem Patienten helfen. Patienten, die vor einem Erstgespräch mit einem neuen Arzt stehen, sollten sich deshalb ausreichend vorbereiten.

In der Regel werden folgende Standardfragen gestellt:

  • Treten ähnliche Beschwerden in der Familie oder im näheren Umfeld auf?
  • Wurden bereits Maßnahmen ergriffen und wenn ja welche?
  • Gab es die Beschwerden zuvor schon einmal?
  • Welche Infektionskrankheiten sind bisher aufgetreten?
  • Gab es in jüngster Zeit Aufenthalte im Ausland? Sind Menschen, mit denen enger Kontakt besteht, kürzlich von einer Auslandsreise zurückgekehrt?
  • Besteht Kontakt zu Tieren, die eine Krankheit übertragen haben könnten?
  • Ist es möglich, dass infizierte Lebensmittel zu sich genommen wurden?
  • Welche Impfungen wurden durchgeführt und zu welcher Zeit?
  • Bestehen Allergien gegen Nahrungsmittel, Medikamente oder Umwelteinflüsse?
  • Welche Medikamente werden eingenommen, regelmäßig oder unregelmäßig?
  • Bestehen chronische Erkrankungen?
  • Gab es schon Operationen, wenn ja, warum und wann?
  • Findet Konsum von Alkohol, Nikotin oder Drogen statt?

Ärztliche Schweigepflicht bringt Sicherheit

Doch manchmal ist es nicht die schlechte Vorbereitung des Patienten, sondern es werden bewusst Dinge verschwiegen. Manche Fragen, die der Arzt in dem Erstgespräch stellen wird, können unter Umständen peinlich oder unangenehm sein. Besonders wenn es sich um Erkrankungen handelt, die in unserer Gesellschaft ein Tabuthema darstellen, ist das Risiko groß, dass Patienten wichtige Informationen verschweigen. Das ist auch sehr oft der Fall bei vorliegenden Suchterkrankungen, wie z.B. Drogenmissbrauch. Dabei sollte sich der Patient immer vor Augen führen, dass jeder Arzt ausnahmslos an die ärztliche Schweigepflicht gebunden ist. Das bedeutet, er darf niemandem ohne das ausdrückliche Einverständnis des Patienten Auskunft über dessen allgemeinen Gesundheitszustand oder Gespräche geben. Was dem Arzt erzählt wird, bleibt im Behandlungszimmer und wird nicht weiter getragen. Aber nicht nur für eine erfolgreiche Therapie, die hoffentlich eine schnelle Heilung bringt, ist die Ehrlichkeit des Patienten wichtig. Werden bestimmte Dinge bewusst oder unbewusst verschwiegen, kann es unter Umständen für den Patienten auch gefährliche Auswirkungen haben.

Unehrlichkeit kann gesundheitliche Folgen haben

Viele Krankheiten haben ähnliche Symptome, oft unterscheiden sich diese Erkrankungen nur durch kleine Merkmale. Werden ausschlaggebende Beschwerden oder mögliche Ursachen verschwiegen, kann dies zu einer falschen Diagnose und damit auch unpassenden Therapie führen. Im schlimmsten Fall trägt der Patient Folgeschäden davon, die wegen falscher Medikation oder einem ungehinderten Fortschreiten der eigentlichen Krankheit entstehen. Aber auch die Einnahme von Medikamenten spielt eine große Rolle für den behandelnden Arzt. Viele Medikamente und Arzneimittel haben Wechselwirkungen mit anderen Präparaten. Das kann eine Abschwächung oder Verstärkung der Wirkung sein, aber auch andere Folgen haben. Solche Wechselwirkungen richten in manchen Fällen enorme Schäden im Körper an, die teilweise auch lebensbedrohliche Auswirkungen annehmen können. Sämtliche Medikamente, egal ob diese unregelmäßig oder sehr regelmäßig eingenommen werden, müssen deshalb dem Arzt genannt werden. Auch wenn es bei der Einnahme der Medikamente nicht darum geht, konkrete Beschwerden zu lindern, sondern ein Medikamentenmissbrauch vorliegt. Ähnliche verhält es sich bei Drogenkonsum: auch dies kann in Kombination mit bestimmten Medikamenten schwerwiegende Folgen für den Patienten haben oder zu falschen Diagnosen führen. Ehrlichkeit, auch wenn ein Suchtproblem noch so peinlich ist und gerne verschwiegen wird, muss also unbedingt erfolgen.

Offenlegung der bisherigen Krankengeschichte

Ein weiterer wichtiger Punkt, der bei einem Erstgespräch mit einem Arzt von großer Bedeutung ist, sind bisherige Erkrankungen, Untersuchungen und Therapieverfahren. Der Patient sollte also alle verfügbaren Dokumente zur bisherigen Krankengeschichte beim Anamnesegespräch vorlegen. Dies können Ergebnisse von Laboruntersuchungen und sonstige Befunde sein, auch Röntgenbilder oder Ergebnisse anderer bildgebender Diagnoseverfahren sind je nach Erkrankung von erheblicher Bedeutung. Sollten Nachweise fehlen, ist es hilfreich, wenn diese beim jeweiligen Arzt angefordert werden. Die Vorlage dieser Dokumente hat nicht nur den Vorteil einer großen Hilfestellung für den neuen Arzt, sie ersparen dem Patienten unter Umständen auch doppelte Untersuchungen. Das schont nicht nur Kosten, sondern auch den Patienten selbst. Denn nicht jedes Untersuchungsverfahren ist für den Körper völlig unbedenklich.

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