Seit mehreren Jahren ist bekannt, dass Patienten, die an Rheuma leiden, seltener oder später an Alzheimer erkranken als die Normalbevölkerung. Warum dies so ist, konnte noch nicht vollständig geklärt werden. Zunächst wurde vermutet, dass dies an der Einnahme entzündungshemmender Schmerzmittel liegen könne. Patienten mit rheumatoider Arthritis nehmen solche Medikamente als Standardtherapie ein.

Einfluss entzündungshemmender Schmerzmittel auf Alzheimer

In Tierversuchen mit Mäusen zeigte sich, dass die nicht-steroidalen Antirheumatika, die sogenannten NSARs, die für die Alzheimer-Erkrankung typischen Beta-Amyloid-Plaques im Gehirn zurückbildeten. In einer klinischen Studie mit Alzheimer-Patienten konnten jedoch keine positiven Effekte der NSAR-Einnahme beobachtet werden. Das seltenere Auftreten von Alzheimer bei Patienten mit Rheuma scheint daher nicht mit der Einnahme entzündungshemmender Schmerzmittel zusammen zu hängen.

Protein GM-CSF baut Plaques im Gehirn ab

Neuere Studien von Huntington Potter und seinem Forscherteam an der Universität von South Florida zeigten in Tierversuchen mit Mäusen, dass das Protein GM-CSF Amyloid-Ablagerungen im Gehirn abbauen kann. Alzheimer-Mäuse, denen GM-CSF injiziert wurde, zeigten in Verhaltenstests bessere kognitive Fähigkeiten als eine Kontrollgruppe, der Salzlösung verabreicht wurde. Das Forscherteam vermutet, dass das Protein GM-CSF bestimmte Zellen des Immunsystems anlockt, die Beta-Amyloid-Plaques im Gehirn abbauen.

Rheuma und das Protein GM-CSF

Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis wurde das Protein GM-CSF in den Gelenken in hoher Konzentration nachgewiesen. Das Protein wird von Zellen des Immunsystems gebildet und vermutlich trägt es zu den Entzündungsreaktionen bei Rheuma bei.

Können Rheuma-Patienten kein Alzheimer bekommen?

Die Hintergründe, warum Patienten mit rheumatoider Arthritis seltener oder später an Alzheimer erkranken, sind noch nicht vollständig geklärt. Die Untersuchungsergebnisse des Forscherteams um Huntington Potter weisen jedoch darauf hin, dass das Protein GM-CSF einen wesentlichen Einfluss auf die Entstehung und den Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung haben könnte. Die hohe Konzentration des Proteins GM-CSF in Gelenken von Patienten mit rheumatoider Arthitis könnte dazu führen, dass es seltener zu Alzheimer-Erkrankungen kommt. Trotzdem schließt eine Erkrankung mit Rheuma eine Alzheimer-Erkrankung nicht vollständig aus. Hinzu kommt, dass ein möglicher Therapieansatz gegen Rheuma die Behandlung mit einem Antikörper gegen das Protein GM-CSF einschließt. Hierdurch soll die Entzündungsreaktion in den Gelenken von betroffenen Patienten gemindert werden. Dies könnte den positiven Effekt gegen eine Alzheimer-Erkrankung wieder aufheben.

Therapie von Alzheimer mit dem Protein GM-CSF

Das Protein GM-CSF wird als Medikament mit dem Namen Leukine bereits zur Behandlung von Krebspatienten eingesetzt. Daher wäre es denkbar, auch Alzheimer-Patienten hiermit zu behandeln. Vorher muss jedoch in klinischen Studien nachgewiesen werden, ob sich die im Tierversuch gezeigten Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen. Wie bereits bei früheren Studien zur Behandlung mit NSARs deutlich wurde, ist dies nicht immer der Fall.

 

 

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