Es bahnt sich an wie ein Herzinfarkt: In der Brust spürt man starke Schmerzen, der ganze Körper scheint sich zusammen zu pressen und man bekommt kaum Luft – Herzstillstand –.
Doch es muss sich nicht unbedingt um einen Herzinfarkt handeln, denn immer öfter leiden Patienten an der Stress-Kardiomypathie, oder auch das Syndrom des gebrochnen Herzens genannt.

Das Syndrom des gebrochnen Herzens, kurz Broken-Heart-Syndrom, wurde ca. vor 23 Jahren das erste Mal als „Tako-Tsuba-Kardiomypathie“ von Japanern bezeichnet, die das erschlaffte Herz mit einer Tintenfischfalle verglichen. Allerdings war sich niemand sicher, ob die Symptome tatsächlich von einer bestimmten Erkrankung herrührten und so blieb das Broken-Heart-Syndrom lange nicht erwähnt. Doch als weltweit Patienten mit ähnlichen Symptomen verzeichnet wurden, flammte das Thema der Tako-Tsuba-Kardiomypathie wieder auf.

Mittlerweile hat sich allerdings selbst in den Fachveröffentlichungen das Wort „ Broken-Heart-Syndrom“ durchgesetzt. Und dies nicht nur, weil der Name einfacher auszusprechen ist. Sondern auch weil die Symptome tatsächlich vor allem bei Patienten aufgetreten sind, die vorher eine Trennung durchlebt, oder einen Todesfall in der Familie erlitten haben – Sie trugen also ein wirklich gebrochenes Herz in ihrer Brust.

Warum tritt das Broken-Heart-Syndrom auf?

Während einer Beziehung wird unser Gehirn mit Dopamin zugeschüttet, das uns glücklich macht und bei uns einen Rauschzustand verursacht, der mit einer Drogenabhängigkeit vergleichbar ist. Unser Körper „leidet“ unter der Verliebtheit, wie unter einer Störung. Nach einer Trennung erleben wir, dass sich die Welt schlagartig verändert. Diese Veränderung unserer Wahrnehmung ist auch nicht allzu verwunderlich, denn das Dopamin, welches uns vorher unseren Rauschzustand bescherte, wird jetzt durch Stress-Hormone ersetzt. So ein Stress-Hormon kann z.B Adrenalin sein, welches den Blutdruck hochschnellen lässt und sogar die Struktur unseres Gehirns verändern kann. Um es anders auszudrücken – der Körper durchlebt einen kalten Entzug, wie bei einem radikalen Absetzen von Drogen. Typische Entzugserscheinungen, wie Schüttelfrost, Kalt-Warm-Schwankungen, starkes Schwitzen oder Zittern am ganzen Körper sind völlig normal.

Die Liebesdroge ist verschwunden.

Während einer Trennung erleben wir vier Stufen, beginnend mit Protest, Aggression, Depression und schlussendlich Loslassen. Am Anfang dieser Phasen entstehen viele Stress-Auslöser, die wir aber ertragen müssen. Dieser Prozess ist allerdings nicht nur psychisch sehr belastend, sondern wirkt sich ebenso auf unseren Körper aus. In der Depressionsphase fühlen wir uns isoliert, allein und reagieren meist mit Aggressionen. Dies begünstigt die Bedingungen für eine körperliche Überreaktion. Unser Herz hat so viel „Stress“ zu verarbeiten, dass es zum Herzstillstand führen kann bzw. zu einer Herzmuskelschwäche – und damit zu einem Broken-Heart-Syndrom.

Evolutionäre Erklärung

Der Grund dieser starken emotionalen Reaktion lässt sich anhand eines Blicks in die Vergangenheit erklären. Während unsere Vorfahren noch mit Stofffetzen bekleidet, Mammuts gejagt haben, waren Familie und Partnerschaft sehr wichtig für das eigene Überleben. Liebeskummer sorgte dafür, dass der Zusammenhalt in der Familie gestärkt wurde, in dem er sie vor einer Trennung bewahrte. Vor allem diente diese emotionale Intensität zum Schutz des Nachwuchses. Dieser wurde zumeist ohne Obhut nicht älter als drei bis fünf Jahre und brauchte besondere Pflege. Gefahren waren damals schließlich wesentlich präsenter als heute, Einzelgänger die erkrankten, waren ein leichtes Ziel für Raubtiere. Deshalb war es besonders wichtig, sich innerhalb von Gruppen zu organisieren.

 

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