Bauchschmerzen gehören mit zu den häufigsten Symptomen, warum Patienten einen Arzt aufsuchen. Die Beschwerden können ganz unabhängig von der Tageszeit auftreten. Wenn Patienten aber ständig nur zu bestimmten Zeiten also beispielsweise nur über nächtliche Bauchschmerzen klagen, dann kann dies als diagnostischer Hinweis helfen, die Ursachen besser einzugrenzen. Bauchschmerzen sind immer nur das Symptom von Ursachen, die rein körperlich aber auch psychisch sein können. Die Übergänge sind dabei fließend und Experten gehen davon aus, dass jede Art von Bauchschmerz zumindest mit einem gewissen psychosomatischen Anteil einhergeht.

Für Eltern ist das permanente Schreien eines Kindes oft eine Belastung, und wenn bei einem Baby Bauchschmerzen nachts auftreten, so müssen sich Eltern nicht unbedingt gleich Sorgen machen. Denn nächtliche Bauchschmerzen bei Kleinkindern sind recht häufig und können mit der Ernährung, Unverträglichkeiten oder Blähungen zusammenhängen. Erst wenn die Beschwerden länger als 3 Tage anhalten, sollte ein Kinderarzt aufgesucht werden. Babys und Kleinkinder können sich noch nicht selbst artikulieren, deswegen ist zunächst zweifelsfrei herauszufinden, ob es sich überhaupt um abendliche Bauchschmerzen oder nicht um ein anderes Symptom handelt, was dem Kind den Schlaf raubt.

Akute Bauchschmerzen mit bretthartem Bauch sind ein Notfall

Oft reicht es dabei schon aus, einmal einen genaueren Blick auf die Bauchdecke zu werfen, ist diese aufgebläht oder gar druckempfindlich, so kann davon ausgegangen werden, dass ein Baby tatsächlich unter Bauschmerzen, aus welchen Ursachen auch immer, leidet. Grundsätzlich bedürfen länger anhaltende Bauchbeschwerden, gleich welcher Intensität, immer einer ärztlichen Abklärung. Gerade bei chronischen Verläufen ist es auch für den Arzt nicht immer leicht, auf Anhieb die genauen Ursachen herauszufiltern. Doch mit etwas diagnostischem Aufwand, körperlichen Untersuchungen, bildgebenden Verfahren oder bestimmten Blutuntersuchungen können zumindest viele Ursachen bereits ausgeschlossen werden. Wenn Bauchschmerzen unabhängig von der Tages- oder Nachtzeit akut auftreten, so kann es sich auch um einen internistischen Notfall handeln, der sogar eine Krankenhauseinweisung oder eine sofortige Operation, beispielsweise bei akuter Blinddarmentzündung, erforderlich macht. Ein sogenanntes akutes Abdomen ist immer ein Notfall, der eine stationäre Behandlung erforderlich macht. Das Auftreten ist auch unabhängig von einer Tageszeit. Wenn allerdings chronische Bauchschmerzen aufwendig diagnostisch abgeklärt wurden und keine genaue Ursache zu finden war, liegt der Verdacht auf ein psychosomatisches Geschehen nahe.

Gastroenterologen verfügen über großzügiges diagnostisches Repertoire

Der gesamte Bauchraum und die Darmschlingen sind von einem feinen Nervengeflecht durchzogen, dass vom sogenannten vegetativen Nervensystem gesteuert wird. Wir können unsere Verdauung nicht willkürlich steuern, und wenn etwas sprichwörtlich auf den Magen schlägt, können unangenehme Bauchschmerzen mit hohem psychischen Leidensdruck die Folge sein. Werden Bauchschmerzen am Morgen verspürt, und bessern diese sich nach der Einnahme des Frühstücks, dann sprechen Mediziner vom sogenannten Nüchternschmerz. Dieser tritt insbesondere bei Schleimhautschädigungen des Magens, infolge einer akuten Gastritis oder gar eines Magengeschwürs, auf. Halten diese morgendlichen Bauchschmerzen länger als eine Woche an, so ist eine Magenbeteiligung wahrscheinlich. Zur genauen Diagnose können sich Arzt und Patient dazu entscheiden, eine Magenspiegelung, Gastroskopie, durchzuführen. Diese Untersuchung wird im nüchternen Zustand durchgeführt und der Arzt kann mithilfe eines Gastroskops den gesamten Zustand der Magenschleimhaut beurteilen. Wenn ein Patient jeden morgen Bauchschmerzen hat und dafür ein Magengeschwür die Ursache ist, dann ist der gastroskopische Befund eindeutig. Nun können bestimmte Medikamente, sogenannte Protonenpumpenhemmer verordnet werden, die das Magengeschwür schnell wieder abheilen lassen. Nach der Behandlung sollten die Bauchschmerzen morgens verschwinden, doch die Ausheilung der geschädigten Magenschleimhaut bedarf einiger Zeit, eine Magenschleimhautentzündung oder ein Magengeschwür entwickeln sich auch immer über einen längeren Zeitraum.

Besonders chronische Bauchschmerzen erzeugen einen hohen Leidensdruck

Wer also ständig oder über einen längeren Zeitraum ausschließlich morgens Bauchschmerzen hat, kann von einer Magenbeteiligung ausgehen. Ein erweitertes Diagnostikum zur zeitlichen Eingrenzung von Bauchschmerzen ist die sogenannte Ösophago-Gastro-Duodenoskopie, kurz ÖGD. Bei dieser Untersuchung kann der Arzt gleich bei einem Untersuchungstermin 3 verschiedene anatomische Abschnitte visuell begutachten, die für Bauchschmerzen ursächlich sein können, nämlich Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm. Ein solches diagnostisches Vorgehen kann auch ans Licht bringen, warum Bauchschmerzen in der Nacht und nicht tagsüber auftreten. In vielen Fällen wird der Arzt seine Patienten auch zur Überprüfung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten raten. Denn Bauchschmerzen am Abend oder Bauchschmerzen nur nachts können rein ernährungsbedingt sein, es kann sich dahinter beispielsweise auch eine Nahrungsmittelallergie verbergen, was aber nur durch aufwendige Labortests herausgefunden werden kann. Wer ständig nachts Bauchschmerzen, wegen welcher Ursache auch immer hat, dessen Schlafqualität wird schon bald deutlich eingeschränkt sein. Wenn dann zu den Bauchschmerzen nachts noch Ein- oder Durchschlafstörungen hinzukommen, steigt der Leidensdruck erheblich. Es gilt also auch hier, frühestmöglich Ursachenforschung zu betreiben, warum die Bauchschmerzen abends oder nachts auftreten. Wurde die Ernährung auf Grund der Bauchschmerzen umgestellt, auch indem einige Stunden vor dem Zubettgehen keine neue oder blähende Nahrung mehr aufgenommen wurde, dann ist der Körper nachts nicht mehr mit Verdauungsarbeit beschäftigt.

Hinten den Bauchschmerzen kann sich auch ein Herzinfarkt verstecken

Bei empfindlichen Personen sollten abends Bauchschmerzen dann der Vergangenheit angehören, sofern diese rein ernährungsbedingt waren. Auch Genussmittel wie Tabak oder Alkohol können die empfindlichen Schleimhäute von Magen und Darm auf Dauer schädigen und so unangenehme Schmerzen hervorrufen. Auch der Schmerzcharakter von Bauchschmerzen hilft dabei, eine möglichst genaue Diagnose zu stellen. Bauchschmerzen können beispielsweise einen eher kolikartigen, krampfartigen oder dumpfen Charakter haben. Es sind auch längst nicht immer Magen oder Darm, die als Verursacher von Bauchschmerzen infrage kommen. Auch Fehlfunktionen der Bauchspeicheldrüse, der Gallenblase oder der Nieren können zu Bauchschmerzen führen. Sogar ein nächtlicher Herzinfarkt kann sich durch Bauchschmerzen ankündigen, wenn das der Fall ist, kann das Symptom Bauchschmerzen den Arzt zunächst auf eine falsche Fährte führen. Es ist also nicht selten diagnostische Detektivarbeit vonnöten, um den Ursachen von Bauchschmerzen, unabhängig vom tageszeitlichen Auftreten, auf die Spur zu kommen.

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