Nicht nur ältere Menschen leiden unter Hämorrhoiden und nicht nur junge Menschen machen Sport! Von der Frage, ob man bei Hämorrhoiden Sport treiben kann und soll, sind daher mehr Menschen betroffen, als auf den ersten Blick anzunehmen wäre. Grundsätzlich ist Bewegung hilfreich bei einer Hämorrhoiden-Erkrankung, denn sie sorgt dafür, dass der Darm in Schwung kommt und der Stuhl eher weich ist. Dies reduziert die Belastung des gereizten Gewebes beim Stuhlgang. Bei einigen Sportarten überwiegen jedoch die Risiken den positiven Effekt. Welche das sind und unter welchen Vorsichtsmaßnahmen sie möglicherweise doch weiter betrieben werden können, lesen Sie hier.

Hämorrhoiden und Kraftsport

Tatsächlich kann Sport Hämorrhoiden mit verursachen. Gefährdet sind vor allem Kraftsportler. Wer schwere Gewichte hebt und eine falsche Atemtechnik verwendet, belastet überstark den Beckenboden. Der Beckenboden ist die untere Abgrenzung der Beckenhöhle. Wer beim Gewichtestemmen die Luft anhält, übt jedes Mal immensen Druck auf den Beckenboden aus. Dabei kann das Schließmuskelsystem Schaden nehmen. Wenn der Beckenboden erst einmal geschwächt ist, können Hämorrhoiden eine der unangenehmen Folgen sein. Gezieltes Beckenbodentraining kann hier helfen. Auf das Gewichteheben sollte nach Möglichkeit verzichtet werden. Profi-Gewichtheber nutzen einen Bauchgurt, der für ein wenig Entlastung sorgt. Dennoch kann Kraftsport bei Hämorrhoiden nicht empfohlen werden.

Hämorrhoiden und Reiten

Pferdesport ist eine weitere potenziell schädliche Sportart für Patienten mit Hämorrhoidalleiden. Zu der Reizung der empfindlichen Analgegend durch die Bewegungen im Sattel kommt häufig noch ein feucht-warmes Klima in der Reithose. Polster dämpfen zwar die Belastungen beim Aufkommen auf den Sattel ab. Schweiß kann aber oft nicht in ausreichendem Maße entweichen und abtrocknen. So entsteht ein ungünstiges, feuchtes Klima am Po. Betroffene sollten unbedingt schnell trocknende Funktionskleidung der herkömmlichen Reithose vorziehen. Eine atmungsaktive Thermoreithose hält warm und kann dennoch die Analregion trocken halten. Reiten bleibt dennoch ein nur bedingt geeigneter Sport bei Hämorrhoiden.

Weiterer ungeeigneter Sport bei Hämorrhoiden

Auch Sportarten, bei denen viel gesprungen wird, sind bei Hämorrhoiden nicht angezeigt. Die Aufprallbewegungen sind für den Beckenboden eine große Herausforderung. Zu Sportarten mit intensiven Aufprallbewegungen zählen beispielsweise Jogging, Volleyball, Squash, Tennis, Seilspringen und Weit- sowie Hochsprung. Vor allem nach einer Hämorrhoiden-Operation kann es hierbei leicht zu Blutungen kommen. Beim Jogging bzw. Laufen besteht zudem das Problem, dass die Hautfalten aneinander reiben. Das Nässen kann das Hautleiden verschlimmern. Aus ähnlichen Gründen wird bei Hämorrhoiden auch vom Rudern abgeraten. Die Reibung in der Analregion kann Nässen und Entzündungen begünstigen. Wer trotz Hämorrhoiden auf diese Sportarten nicht verzichten möchte, sollte sie stets mit spezieller Gymnastik kombinieren, die den Beckenboden stärkt. Ein starker Beckenboden kann die Belastungen durch Sport bei Hämorrhoiden besser auffangen. Läufer sollten die Erschütterungen im Beckenboden gering halten, indem sie nur auf weichem Boden und nur mit gut gepolsterten Schuhen Joggen gehen. Bei einem Hämorrhoidalleiden des Schweregrads III sollte jedoch grundsätzlich auf das Laufen verzichtet werden.

Empfehlenswerte Sportarten

Daneben gibt es aber auch Sportarten, die den Beckenboden stärken. Dazu zählen Wandern, (Nordic) Walking, Radfahren, Schwimmen und Gymnastik. Neben spezieller Beckenbodengymnastik (die durchaus nicht nur für Frauen empfehlenswert ist) gilt auch Joga und Pilates als hilfreicher Sport bei Hämorrhoiden. In leichteren Fällen von Hämorrhoidalerkrankungen ist Sport – neben seinen unzähligen weiteren positiven Auswirkungen auf Körper und Psyche – durchaus ein sinnvolles Mittel zur Selbsthilfe. Da Übergewicht zu den Mitverursachern von Hämorrhoiden zählt, ist es überaus empfehlenswert, mit Hilfe einer dieser Sportarten gegen die überflüssigen Pfunde anzukämpfen. Die sanfte Bewegung fördert überdies den Kreislauf und kurbelt die Durchblutung an – das sorgt für Entlastung an den Hämorrhoiden. Der Druck und damit auch die Schmerzen lassen nach. So gesehen kann Sport bei Hämorrhoiden also sogar als Schmerzmittel im Akutfall eingesetzt werden. Beim Radfahren sollten Patienten mit Hämorrhoidalleiden darauf achten, dass sie weniger auf dem Po zu sitzen kommen als vielmehr auf dem Damm, der sich zwischen After und Geschlechtsteilen befindet. So sind die Reizungen für die Analregion geringer. Eine Sitzposition, die die Analregion entlastet, lässt sich von Rennradlern abschauen. Grundsätzlich gilt, dass die Spitze des Sattels bei beiden Geschlechtern nie nach oben zeigen sollte. Gepolsterte Sättel und Hosen können ebenfalls für Entlastung sorgen. Die Hosen sollten aber wiederum atmungsaktiv sein, damit der Schweiß schnell abtrocknen kann.

Zusammenfassung

So paradox es klingt: Sport kann sowohl eine der Ursachen für Hämorrhoiden als auch einer der Wege zur Genesung sein! Im Fall von leichteren Erkrankungen unterstützt Sport bei Hämorrhoiden die Heilung. Bewegung kann direkt schmerzlindernd wirken, da dank verbesserter Durchblutung der Druck auf die Hämorrhoiden sinkt. Falls Übergewicht ein Mitverursacher für die Hämorrhoiden ist, kann Sport bei Hämorrhoiden das Mittel der Wahl sein, um den Pfunden zu Leibe zu rücken. Einige Sportarten sind bei Hämorrhoiden eher ungeeignet. Sie sollten nur mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen und vor allem bei fortgeschrittenen Hämorrhoidalleiden nur nach Rücksprache mit dem Arzt betrieben werden. Bei Hämorrhoidalerkrankungen der Stufe III hilft Sport nicht – im Übrigen ist es dann auch für alle anderen Mittel zur Selbsthilfe wie Salben, Ernährungsumstellung und ähnliches zu spät. Dann kann nur noch eine Operation helfen.

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