Nahezu ein Viertel aller Menschen leiden im Laufe ihres Lebens ein- oder mehrmals unter Verstopfung. Diese unangenehme Krankheit geht oft mit Schmerzen (vor allem während des Stuhlganges), einem dicken, aufgeblähten Bauch und unangenehmen Gefühlen einher. Zudem kann es zu Frieren, Appetitlosigkeit und Blähungen kommen. Der Betroffene hat das Gefühl, seinen Darm nicht ausreichend entleeren zu können; wenn es zum Stuhlgang kommt, werden oft nur kleine Mengen ausgeschieden.

Was ist eine Verstopfung?

Unter einer Verstopfung (Obstipation) versteht man zu seltenen Stuhlgang, d. h. es findet seltener als dreimal wöchentlich eine (oft zusätzlich erschwerte) Darmentleerung statt. Es wird unterschieden zwischen der akuten, also plötzlich auftretenden und der häufigeren chronischen Verstopfung, bei welcher mindestens über ein Vierteljahr der Stuhlgang mindestens vier Tage lang ausbleibt. Zudem ist bei dieser Form der Krankheit häufig starkes Pressen während der Darmentleerung erforderlich; hinterher ist meist das Gefühl vorhanden, der Darm wäre nicht vollständig entleert worden. Die chronische Obstipation wird in drei Formen unterteilt:

Verstopfung: Wenn der Stuhlgang zur Qual wird

Verstopfung: Wenn der Stuhlgang zur Qual wird

Die kologene Verstopfung (auch Slow-Transit-Obstipation) zeichnet sich durch eine Trägheit des Darmes aus – dem Kot wird zu viel Wasser entzogen, sodass er hart wird und die Darmentleerung sich um ein bis zwei Wochen verschiebt.

Die zweite Variante, die anorektale Obstipation, hat ihre Ursache in körperlichen Veränderungen wie einer Verengung des Darmausganges, einer gestörten Koordination der Schließmuskeln u. ä.

Bei der dritten Form schließlich funktioniert der Darm ungestört; auch die Anatomie des Darmes ist unverändert. Hier liegt der Grund für die Verstopfung oft in einer Fehlfunktion des Beckenbodens oder einer verlängerten Transportzeit des Stuhles durch den Darm. Diese Form wird idiopathische Obstipation genannt.

Bei der akuten Verstopfung treten ähnliche Symptome auf wie bei der chronischen Obstipation; zusätzlich kann es zu einem plötzlich anschwellenden Bauch, heftigen Schmerzen sowie Erbrechen von Kot und schockartigen Zuständen kommen. Betroffene sollten sofort einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen, da die Ursache hier schlimmstenfalls in einem lebensbedrohlichen Darmverschluss oder Schlaganfall liegen kann.

Ursachen für eine Verstopfungen

Genauso unterschiedlich wie die einzelnen Formen der Krankheit können auch die Ursachen sein. Oft sind Medikamente schuld, welche die Darmtätigkeit beeinträchtigen und verlangsamen können. Andere Ursachen können eine (unentdeckte) Diabeteserkrankung oder krankhafte körperliche Veränderungen sein. Auch Entzündungen des Magen-Darm-Traktes sind ursächlich für Obstipationen; ebenso kann die Verstopfung Begleiterscheinung anderer Krankheiten sein.

Heute kann die Krankheit häufig auf einen ungesunden Lebensstil zurückgeführt werden – zu wenig Bewegung, häufiges Sitzen, eine daraus resultierende geschwächte Rumpfmuskulatur erschweren einen regelmäßigen Stuhlgang. Auch eine falsche Ernährung kann die Stuhlentleerung verzögern; Vitaminmangel, eine allgemeine Mangelernährung, zu wenig Ballaststoffe in der Nahrung oder die übermäßige Aufnahme „stopfender“ Lebensmittel wie zum Beispiel Bananen, Weißbrot, Wein oder Schokolade können zu einer Verstopfung führen. Eine mangelnde Flüssigkeitsaufnahme kann zu hartem Stuhl und somit ebenfalls zu einer erschwerten Entleerung führen. Die regelmäßige, missbräuchliche Benutzung von Abführmitteln kann dazu führen, dass der Darm träge wird und keine natürliche Entleerung mehr möglich ist.

Auch ungünstige Alltagsumstände (unregelmäßiger Alltag, keine regelmäßigen Esszeiten, Schichtarbeit, Stress und psychische Belastungen) können zu einer Darmträgheit führen. Gerade auf Reisen leiden viele Menschen unter ausbleibendem Stuhlgang, der sogenannten Reise-Obstipation. Auch eine Pseudo-Obstipation ist nicht unüblich – hier bleibt der Stuhlgang einige Tage aus, weil der Darm nicht gefüllt ist, zum Beispiel nach Durchfällen, Fastenkuren oder Ähnlichem.

Krankheiten mit Verstopfung

Eine Verstopfung kann ein wichtiges Hinweiszeichen auf andere ernstzunehmende Erkrankungen sein. So kann eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Dysfunktion der Nebenschilddrüse mit erschwertem Stuhlgang einhergehen. Auch Parkinson, Multiple Sklerose, Blutarmut, chronische Entzündungen im Bauchraum oder die Addison-Krankheit können eine Obstipation zur Folge haben. Die Krankheit kann aber ebenso ein Hinweis auf eine Lebensmittelunverträglichkeit sein – hier sind vor allem Reaktionen auf Fructose, Laktose oder Gluten möglich. Betroffene sollten sich also in jedem Fall so schnell wie möglich von einem Arzt gründlich durchchecken lassen, um den Ursachen auf den Grund zu gehen und andere Erkrankungen ausschließen oder behandeln lassen zu können!

Behandlung und Therapie von Verstopfung

Zunächst sollte ein gründlicher Gesundheitscheck durchgeführt werden, um andere Krankheiten aufdecken und behandeln zu können – Proben von Blut, Urin und Stuhl sollten untersucht werden. Auch Ultraschall und Röntgen können Aufschluss über mögliche Ursachen geben; bei längeren und hartnäckigeren Fällen kann eine Darmspiegelung nötig sein. Zudem sollten die Lebensumstände des Patienten genauer unter die Lupe genommen werden.

Tritt die Darmentleerungsstörung nur kurzzeitig auf, kann ein Abführmittel Abhilfe schaffen. Auch die Umstellung der Ernährung und vermehrte Flüssigkeitszufuhr können helfen. Verhaltens-, Bewegungs- und physikalische Therapie können unterstützend wirken.

Medikamente gegen Verstopfung

  • Abführmittel (Tabletten, Tropfen oder Zäpfchen)
  • Botox gegen Verkrampfungen der Schließmuskeln
  • Schmerzmittel
  • Einlauf/Klistier
  • Operationen bei krankhaften Veränderungen im Darm und Verdauungstrakt

Hausmittel gegen Verstopfung

  • Pflaumen, Aprikosen und Feigen in großen Mengen
  • starker Kaffee
  • Sämereien (Kleie, Leinsamen)
  • Kraut (Sauerkraut, Kohl)
  • viel trinken